Bezirkspodcast

Geschichten

Auf dieser Seite finden Sie die Geschichten zu den Episoden unserer Bezirkspodcasts, falls sie freigegeben wurden.

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Teil 1 + Teil 2

Geschichte trifft Podcast

Die ersten 32 Geschichten als Bücher

 

Autor: Norbert Netsch    |    2021

Geschichte trifft Podcast

Im Sommer 2020 schrieb ich Geschichten und veröffentlichte sie auf story.one, im Winter 2020 begann ich mit der Aufnahme von Podcasts für bezirkspodcast.at.

Während es vor der Corona-Zeit noch einige gab, die mit dem Begriff Podcast nichts anfangen konnten, hat sich das in dieser Zeit der Zurückgezogenheit rasch geändert, da viele Künstler, Medienbetreiber oder auch ganz normale Menschen wie ich in dieser Abwandlung eines Hörspiels, das im Podcast meist zu einem Monolog, Interview oder einfachen Gespräch wird, eine gute Alternative zur Selbstdarstellung oder Information fanden.

Ich habe Unternehmer im Bezirk als Gesprächpartner gewählt, um sie den Menschen in der Region persönlich vorzustellen bzw. ihren Weg zum Erfolg darzustellen. Das ist eine Möglichkeit, die Inserate oder auch PR-Artikel nicht in gleicher Weise bieten können, und es ist viel kostengünstiger, weil es verblüffend einfach ist, einen Podcast mit dem Smartphone aufzunehmen und dann auf verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen.

Mein Ziel war es, das Interview möglichst nahe an ein zwangloses Gespräch heranzuführen und den UnternehmerInnen ein Forum zu bieten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. So kam ich doch der Lagerfeuer-Metapher von story.one sehr nahe: Erzähle einfach! Wir hören zu.

Tatsache ist, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Es sind die lustigsten, aber auch die traurigsten. Während man das Traurige leichter im eigenen Leben erkennt, ist das beim Lustigen nicht in gleicher Weise gegeben, deshalb ist es auch viel schwieriger, Lustiges als Trauriges zu schreiben. Fast alle finden die gleichen Erlebnisse traurig, beim Humor unterscheiden sich aber die Geschmäcker.

Gerade beim Schnitt der Podcasts habe ich mir überlegt, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen der bewusst geschriebenen Geschichte und dem einfach so erzählten Podcast ist. Geschichte ist Dichtung und der Podcast ist nicht so dicht. Dichtung bedeutet ja verdichten. Da wird in jeden Satz möglichst viel Bedeutung gesteckt, die von einigen LeserInnen vielleicht überlesen wird, von anderen als anstrengend empfunden wird und damit dürfte es auch zusammenhängen, dass gerade die jüngere Generation vielfach weniger liest und lieber Videos sieht, wobei auch hier in der Kürze die Würze zu liegen scheint, da nur wenige Sekunden lange Videos, wie man sie auf TikTok sehen kann, besonders beliebt bei jungen Menschen sind und YouTube kürzlich mit einem gleichen Format darauf reagiert hat.

In meinen Podcasts habe ich versucht herauszufinden, was der Schlüssel zum Erfolg im Berufsleben ist. Darauf bekam ich überraschend unterschiedliche Antworten, die in den Geschichten ein Thema sind. Aus der Vielfalt der Antworten finden die LeserInnen vielleicht ihre persönliche Erfolgsformel.

Die Geschichten mögen die Podcasts treffen.

Geschichte auf story.one

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Christian Zinkl - ein Leben wie im Film

Das Leben schreibt immer wieder großartige Geschichten, es ist aber selten so, dass man eine ganze Lebensgeschichte mit guten Aussichten auf Erfolg verfilmen könnte.

Bei Christian Zinkl fiel mir das gleich auf, als er mir im Podcast erzählte, wie er seine Frau kennengelernt hatte. Er war damals als Verfahrenstechniker für Textilreinigungen in ganz Österreich unterwegs, und so kam er von Wien bis nach Tirol. Dort verliebte er sich in die Tochter der Besitzerin einer Textilreinigung. Hier bleibt viel Spielraum für die Vorstellung: Wie war es, als sie sich das erste Mal sahen, Liebe auf den ersten Blick oder ist die Beziehung langsam gewachsen, gab es ein längeres Werben oder erkannten die beiden schnell, dass sie füreinander geschaffen waren?

Jedenfalls war es so, dass Andrea zu Christian nach Wien zog und das ist doch ein großer Schritt, seine Heimat relativ weit hinter sich zu lassen, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Wir wissen nicht, ob es dabei auch Zweifel und Unsicherheit gab, wir wissen, dass geheiratet wurde und dass gemeinsame Kinder auf die Welt kamen.

Wenn eine Geschichte berühren will, dann darf die Peripetie, der Wendepunkt, nicht fehlen. Wäre der “Film” jetzt schon zu Ende, würde das Publikum noch nicht zufrieden aus dem Kino gehen.

Christian Zinkl hatte nicht nur Glück. Als Verfahrenstechniker war er weiterhin in ganz Österreich unterwegs und hatte dabei einen schweren Autounfall. Vielleicht war er übermüdet, wollte einfach nur nach Hause. In den ersten Tagen war nicht sicher, ob er überleben wird, er war mehrere Monate arbeitsunfähig. Auch hier können wir uns vorstellen, wie groß der Schock bei Andrea gewesen sein muss, als sie davon erfuhr. Wir wissen nicht, ob sie nur Angst um ihren Mann hatte oder ob es auch schon Sorgen gab, wie es mit den noch kleinen Kindern und ihr weitergehen könnte.

Selten lässt sich klar entscheiden, wie viel Glück und wie viel Tüchtigkeit eine Rolle spielen, wenn die Dinge im Leben gut ausgehen. So entstand wohl der Spruch vom “Glück des Tüchtigen”.

Zunächst hatte Christian in jedem Fall Glück, weil er nicht nur überlebte, sondern auch wieder ganz gesund wurde. Dann trafen die beiden aber auch die richtige Entscheidung: Er beendete seine Tätigkeit als Verfahrenstechniker, der jeden Tag weite Strecken mit dem Auto fahren musste, und sie gingen das Wagnis ein und machten sich als Textilreiniger selbstständig. Von nun an arbeiteten sie gemeinsam in ihrem Geschäft, das sie mit viel Liebe zur Sache, zu den KundInnen, aber auch zu den MitarbeiterInnen aufbauten. Verbunden mit ihrer hohen Fachkompetenz und ja, jetzt geht es nicht mehr nur um Glück, also auch wegen ihrer Tüchtigkeit wurden sie sehr erfolgreich.

Wer so viel zusammenarbeitet, will vielleicht in der Freizeit etwas Abstand. Bei Andrea und Christian ist das nicht der Fall. Wenn man sie gemeinsam durch den Lainzer Tiergarten laufen sieht, hat man fast das Gefühl, dass sie schweben. Und jetzt wissen wir auch, warum.

Geschichte auf story.one

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Textilreinigung Zinkl

Herbert Hofmann - 47 Jahre Samariter

Ein Samariter erlebt im Rettungsdienst nahezu täglich Situationen, die normale Menschen nur sehr selten durchmachen müssen, Unfälle, lebensgefährliche Phasen einer Krankheit, einfach großes Leid.

Hauptberuflich arbeitete Herbert Hofmann bis zu seiner Pensionierung als Betriebssanitäter, in seiner Freizeit ist er immer noch ehrenamtlich als Samariter tätig.

Wer die Konfrontation mit Leid nicht gewohnt ist, kann sich schwer vorstellen, wie man das über so viele Jahre aushalten kann, mit welcher Strategie schafft man das?

Für Herbert Hofmann ist es die Dankbarkeit und die Wertschätzung, die von den Betroffenen zurückkommt. So erzählt er von einem Mitarbeiter des Betriebs, wo er Sanitäter war, der in einen Lichtbogen geraten ist und dort schwere Verbrennungen erlitt. Er rettete ihn gemeinsam mit anderen und übernahm die Erstversorgung. Seine Freude war besonders groß, als dieser Mitarbeiter nach einigen Monaten wieder arbeiten gehen konnte.

Immer wieder erzählt er von dieser Dankbarkeit der Menschen und man spürt, wie er von der positiven Energie, die er laufend bekommt, erfüllt ist. Das Leuchten, das nicht nur in seinen Augen ist, kann man im Podcast nicht sehen.

Besonders berührend fand ich die Idee der Samariter-Wunschfahrten, wo vielfach einem schon dem Tod geweihten Menschen noch ein letzter Wunsch erfüllt wird. Einmal noch nach Maria Zell fahren, bei schönem Wetter am Ufer des Erlaufsees sitzen und ein Besuch der Basilika darf natürlich auch nicht fehlen. Wie fühlt man sich als Samariter, wenn man einem Sterbenden in einem extra dafür geschaffenen Wagen diese Fahrt ermöglicht? Den bestimmt aufgeregten Menschen noch einmal aus seinem tristen Alltag befreit, die doch längere Fahrt unternimmt? Was spricht man mit einem Sterbenden? Lässt man ihn in schönen Erinnerungen schwelgen? Dann ist man angekommen. Die Zeit vergeht bestimmt wie im Flug. Wie fühlt sich das an, wenn man an einen schönen Ort zurückkehrt, wo man sich früher selbstständig aufgehalten hat und jetzt völlig unselbständig herumgeführt wird? Kann man das als schön empfinden?

Offensichtlich! Sagte doch die betroffene Dame: „Das war heute so ein schöner Tag, schöner geht’s nicht.“ Das muss die Samariter auch glücklich machen. Dann kommt allerdings noch der Nachsatz: „Nun kann ich gehen.“

Wie lebt man als Helfer mit dieser ständigen Konfrontation mit dem Tod? Mit welchem Gefühl fährt man an so einem Tag von der Arbeit nach Hause?

Ich bewundere alle Menschen, die in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten. Wenn man auch selbst zum Schluss kommt, dass man den Anforderungen dieser Berufe nicht gewachsen wäre, so muss man sich doch die Frage stellen, was man eigentlich selbst für andere leistet. Gibt es Tätigkeiten, die man vielleicht doch schaffen würde? Warum nicht bei den Samaritern, nur Essen liefern oder jemandem einfach ein wenig Gesellschaft leisten? Ab wann kann man von sich sagen, dass man ein “guter Mensch” war?

Geschichte auf story.one

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 Arbeiter-Samariter-Bund

Renate Rosner - Ordnung ist das halbe Leben

In alten Sprichwörtern liegt nicht selten Weisheit; Seume bezog sich 1826 darauf und meinte sogar, dass Ordnung “das ganze Leben” sei. Er begründete es ausführlich. Spricht man allerdings von “Zucht und Ordnung” bekommt Ordnung gleich einen schalen Beigeschmack, den sie für so manche sogar ohne Zucht hat.

Renate Rosner sorgt als Büromanagerin für Ordnung im Büro – auch in meinem. Ich schätze Ordnung sehr, sie liegt mir allerdings nicht, und ich muss mich wirklich bemühen, kein unordentlicher Mensch zu sein, um als Lehrer kein schlechtes Vorbild für meine SchülerInnen zu sein.

Das beginnt mit der Vorbereitung, der Pünktlichkeit und dem Mitführen aller Unterlagen, die man im Laufe der Unterrichtsstunde austeilen will. Ordnung im Sinne von Verlässlichkeit ist auch eine wichtige Tugend im privaten Umgang mit Menschen.

In meiner nebenberuflichen Tätigkeit lässt der Ordnungssinn dann aber doch etwas nach. Zu viel Ordnung kann für mich auch etwas bedrückend wirken. Somit stimme ich persönlich mit Seume nicht überein, schätze es aber sehr, wenn andere das schaffen. Vor allem für mich schaffen, weil der Mangel an Effektivität doch quälend ist, wenn man seine Sachen nicht übersichtlich angeordnet hat…

Kreative Menschen rümpfen oft zu Unrecht die Nase, wenn es um Ordnung geht, meinen sie doch, dass diese sie in den schöpferischen Phasen einenge. Das Gegenteil ist vermutlich letzten Endes der Fall. Es könnte aber sein, dass Kreativität und Ordnungssinn zwei Tugenden sind, die in Menschen manchmal nicht gleichermaßen stark angelegt sind.

Umso produktiver ich bin, umso klarer wird mir, wie bedeutend Ordnung für ein glückliches Leben ist, und wie wichtig es ist, sich diese Ordnung als Dienstleistung zu kaufen, wenn man selbst nicht mehr genug Energie hat sie umzusetzen.

Renate Rosner schafft aber nicht nur im Büro Ordnung, sondern auch in Sätzen, da sie als Lektorin akribisch nach Fehlern sucht, um diese auszubessern. Auch hier zeigt sich die Bedeutung der Ordnung, bekommt doch der beste Satz einen schalen Beigeschmack, wenn Worte in ihm falsch geschrieben oder angeordnet sind.

Diese Geschichte soll keinesfalls ein Loblied auf die Ordnung sein, sondern einfach ihre Bedeutung klären und damit die Notwendigkeit, dass man für sie sorgen lassen muss, wenn man sie nicht selbst in vollem Umfang schaffen kann. Ich schreibe hier also ein Loblied auf die BüromanagerInnen und LektorInnen.

Renate Rosner zitiert im Podcast Henry Ford: Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg. Dieses Motto passt perfekt, wenn man im Berufsleben erfolgreich sein will. Man muss erkennen, mit wem man zusammenarbeiten muss, um von dessen Stärken zu profitieren, man muss diese Zusammenarbeit auf Dauer fortsetzen, indem man sich aufeinander gut einstellt, und so gelingt dann tatsächlich der Erfolg. Ich weiß das von der Zusammenarbeit mit Renate aus eigener Erfahrung.

Geschichte auf story.one

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Renate Rosner Büromanagement und Lektorat 

Markus Betz - Beruf und Hobby

Konfuzius hat schon sinngemäß gesagt, dass jemand nie mehr arbeiten muss, wenn er seine Arbeit liebt. Markus Betz liebt seine Arbeit, die ihm nicht in den Schoß gelegt wurde, er musste um diesen Job auch gegen den Willen seiner Eltern kämpfen. Und das zeichnet erfolgreiche Menschen aus: Sie wissen, was sie wollen.

Ursprünglich machte Markus Betz die Lehre zum Maschinenschlosser und arbeitete bei den ÖBB, wo man – wie damals durchaus üblich in Staatsbetrieben – noch pragmatisiert werden konnte. Er war auch einer der Jahrgangsbesten und bekam ein Praktikum in Dänemark finanziert. So schien seine Laufbahn vorbestimmt.

Entsprechend verunsichert waren seine Eltern, als er einen Mitarbeiter der Getränkefirma Ammersin kennenlernte und kurzerhand beschloss, den Rest seines Lebens guten Getränken zu verschreiben und den sicheren Job bei den ÖBB aufzugeben. Heute sind sie sehr stolz auf ihn.

Auf seinen Urlaubsreisen besucht er gerne Brauerein, da er sich auf Bier spezialisiert hat und in diesem Bereich als Biermanager auch bei der Firma Ammersin tätig ist. Das macht nun auch den Unterschied aus: Viele wollen im Urlaub abschalten und vom Beruf nichts wissen, Markus Betz besucht Brauereien, weil der Beruf auch zu seinem liebsten Hobby geworden ist.

Was macht eigentlich eine gute Führungskraft aus? Man darf sich für keine Arbeit in der Firma zu schade sein, muss einspringen, wo man gerade gebraucht wird und so entsteht ein besonderer Teamgeist, der die anderen MitarbeiterInnen beflügelt.

Teamgeist spielt auch beim Fußball eine große Rolle und so ist es sicher kein Zufall, dass Markus Betz leidenschaftlicher Rapid-Fan ist und dazu noch das Glück hat, dass seine Lebenspartnerin, die er bei Rapid kennengelernt hat, diese Leidenschaft mit ihm teilt.

Wer bis jetzt aufmerksam gelesen hat, erkennt allerdings, dass meist eine Eigenschaft für den Erfolg wichtig ist, die man leider nicht so leicht lernen kann: Das ist Mut. Markus Betz hat diesen bewiesen, als er seinen Job bei den ÖBB aufgegeben hat, er beweist ihn aber auch laufend, wenn er innovative Projekte für die Firma Ammersin startet.

Wer hätte gedacht, dass man Bier-Verkostungen auch online durchführen kann und dass diese so erfolgreich sind, dass man sie auch nach dem Corona-Lockdown fortsetzen wird?

Gerade in Zeiten wie diesen ist Innovation besonders wichtig und für diese benötigt man neben Mut auch Kreativität, die nicht jeder besitzt und die man nicht so leicht lernen kann. Bei der Neugestaltung oder Neueinrichtung von Getränke-Shops ist Kreativität ebenso gefragt.

Sicherlich wäre Markus Betz als Maschinenschlosser bei den ÖBB auch ein zufriedener Mensch geworden, sein volles Potenzial mit all seinen Talenten kann er aber mehr bei der Firma Ammersin nützen und das ermöglicht diese besonderen Glücksgefühle, die man im Berufsleben nur dann hat, wenn der Beruf ganz genau zur Persönlichkeit passt. Das sollte man gerade jungen Menschen schon in der Schule klarmachen.

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Firma Ammersin

Mag. Barbara Jung - Ernährung oder Psychologie

Wie kann man den Menschen helfen, ein glücklicheres Leben zu genießen? Liegt der Schlüssel dazu in der Psychologie oder in der Ernährung? Will man sich die Sache einfach machen, antwortet man, dass natürlich beides seine Bedeutung hat. Lässt sich aber die Wichtigkeit von Ernährung überschätzen?

So muss es auch Mag. Barbara Jung gegangen sein, die zunächst Psychologie studierte, sich nun aber immer mehr darauf konzentriert, was man eigentlich essen soll, um die Stimmung zu heben, fit zu sein und genug Energie für ein gelingendes Leben zu entwickeln.

Sie erzählt im Podcast von der großartigen Wirkung der Kakao-Bohnen, aus denen sie Genusstropfen oder auch ein Müsli herstellt, das nicht nur sehr bekömmlich ist, sondern auch beim Abnehmen helfen kann.

Wenn man sich in unseren Breiten umschaut, hat man das Gefühl, dass viel zu viele Menschen, auch schon Kinder, Gewichtsprobleme haben. Obwohl der Hunger auf der Welt immer noch ein nicht zufriedenstellend gelöstes Problem ist, sterben heutzutage bereits viel mehr Menschen an den Folgen von zu hohem Gewicht.

So verkauft Mag. Jung nicht nur ihre Produkte, sondern auch ihr Know-how, indem sie Workshops anbietet, wo man selbst Pralinen herstellen kann, die tatsächlich mit herkömmlichen Süßigkeiten nicht vergleichbar sind. Im Podcast erklärt sie, dass Kakao mehr als ein normales Nahrungsmittel ist. Man kann ihn auch als Unterstützung sehen, die in vieler Hinsicht günstig auf unseren Körper wirkt.

Über Ernährung lässt sich gut philosophieren: Sie soll ein Genuss sein, also schmecken, dem Körper nicht schaden, im besten Fall sogar nützen. Lässt sich das unter einen Hut bringen? Soll man essen, was einem schmeckt, um damit einen hohen Grad von Genuss zu erreichen, oder soll man essen, was für einen gut ist, dafür aber vielleicht weniger Genuss beim Essen haben? Viele Menschen lösen dieses Problem mal so und dann wieder so, der Mittelweg scheint ein vernünftiger Weg zu sein.

Wenn man sich allerdings mit dem Thema eingehender beschäftigt, begreift man rasch, dass es für jeden den genau richtigen Weg gibt, über den man tatsächlich zu einem erfüllten Leben kommen kann, weil man einfach mehr positive Energien entwickelt. Dieser Weg ist aber durchaus dornig, weil man von alten Gewohnheiten abweichen muss, auf die man durch die Erziehung der Eltern in vielen Jahren geprägt wurde. Man muss sich auch mit dem Thema beschäftigen, was Zeit und Energie kostet, die man gar nicht hat, weil man sich ja schon weitgehend falsch ernährt.

Die Leiden, die sich durch falsche Ernährung im Körper ausbreiten, kommen auch langsam, gleichsam schleichend und vorerst unbemerkt. Lange Zeit hat man das Gefühl, dass man mit Übergewicht auch gut leben kann. Nur wenige schaffen rechtzeitig die Kurve. Es ist sehr lobenswert, dass Mag. Jung ihre Workshops auch an Schulen anbietet. Da lassen sich die TeilnehmerInnen noch leichter für neue Wege begeistern.

Wann ist es für ein Umdenken tatsächlich zu spät?

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Firma Chocofalla

Susanne Lakner - wer Hunde liebt

Hunde polarisieren in unserer Gesellschaft: Viele lieben sie und machen sie zu regelrechten Familienmitgliedern, manche – zum Glück eher wenige – mögen keine Hunde, weil sie das Bellen stört, sie Angst vor ihnen haben oder von HundebesitzerInnen genervt sind, die noch immer nicht wissen, wo das Geschäft ihres Lieblings am Wegesrand hingehört.

Susanne Lakner liebt Hunde und hat ihre Liebe zum Beruf gemacht. Man spürt das im Podcast, wenn sie über ihre KundInnen im Hundesalon spricht. Einmal mehr wird mir bewusst, wie sehr man sein Leben bereichert, wenn man persönliche Neigungen und berufliche Pflichten vereinen kann.

Ohne Zweifel ist die Liebe ein wichtiger Faktor und die kann man nicht nur mit Menschen erleben, sondern auch mit Tieren und da ganz besonders mit Hunden, die empfindsame Wesen sind und sich in ihrer Treue und Zuneigung meist bedingungslos zeigen. So werden sie nicht selten für Menschen zu ErsatzpartnerInnen oder Ersatzkindern.

Wer sich nun diese Gesellschaft kauft, muss gut beraten werden. Welcher Hund passt zu welcher Lebenssituation? Wenn man den Hund dann in seinem Haushalt aufgenommen hat, sollte man auch wissen, wie man ihn pflegen muss. Auch die Tiere haben selbstverständlich das Recht auf größtmögliches Glück.

TierhalterInnen könnten sich in diesen Fragen sehr gut beraten lassen, z. B. bei Susanne Lakner. Viele machen das leider nicht, sodass sogar im Tierschutzrecht geregelt ist, dass Menschen wegen Überfütterung von Haustieren bestraft werden können. Das mutet auf den ersten Blick etwas seltsam an, weil man die eigenen Kinder völlig ungestraft übergewichtig machen darf.

Im Prinzip handelt es sich hier immer um eine Frage der Achtsamkeit, die eine der wichtigsten Tugenden für Liebende sein sollte. Zu oft denkt man beim Lieben an sich und zu wenig an den Geliebten. So mag das auch manchmal bei HundebesitzerInnen sein, denen es mehr um die eigenen Bedürfnisse als um die Bedürfnisse ihres Hundes geht.

Der vermeintliche Tierliebhaber wird dann vielleicht auch völlig unbewusst plötzlich zum Tierquäler. Denken wir an die Hunde, die nicht am Rand schnüffeln dürfen, weil sie immer weitergezogen werden oder sogar am Fahrrad angebunden sind. Oder völlig ungepflegte Tiere, die sich in ihrem Fell nicht mehr wohlfühlen können. Aber auch Tiere, die als Spielzeug für wenig achtsame Kinder herhalten müssen.

Liebe hat auch etwas mit Pflege zu tun. So scheint der Weg in den Hundesalon ein guter Beginn für eine erfolgreiche Beziehung zum eigenen Haustier zu sein, weil dort nicht nur das Tier gepflegt wird, sondern man auch gleichsam nebenbei die Beratung bekommt, die so manchem Hundehalter fehlt.

Man könnte diese Geschichte auch “Wer Menschen liebt” nennen und müsste dafür nur wenige Worte ändern. Zwischen Tier- und Menschenliebe liegt kaum ein Unterschied und so gesehen wären Haustiere tatsächlich ein guter Einstieg in die Kunst des Liebens – vorausgesetzt, die Kinder werden dabei richtig begleitet.

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Hundesalon Tieroase

Dr. Robert Streibel - Bedeutung der Bildung

Allgemeinbildung kommt immer mehr aus der Mode, zielgerichtete Ausbildung für bestimmte Berufe wird weiterhin gerne angenommen. Menschen wollen weitere Sprachen lernen, vor allem, wenn sie reisen oder diese beruflich benötigen, und sie wollen immer wieder etwas für ihren Körper tun, beispielsweise für einen gesunden Rücken.

Dr. Streibel ist schon seit 22 Jahren Direktor der Volkshochschule in Hietzing und erzählt im Podcast von diesen Entwicklungen, die man auch von der allgemeinbildenden Schule kennt, wo es bei der Deutschmatura hauptsächlich um das Verständnis von Zeitungsartikeln geht und Literatur kaum noch eine Rolle spielt. Wo sich die SchülerInnen in der Oberstufe zwischen Musik und Bildnerischer Erziehung entscheiden müssen und nicht mehr der Unterricht in beiden Fächern vorgesehen ist. Wo man in Geschichte immer mehr Platz für die durchaus wichtige politische Bildung vorsehen muss und für die Vergangenheit somit weniger Zeit hat.

So könnte es schon passieren, dass sich Menschen auch immer weniger Gedanken über Philosophie und Pädagogik machen und damit Grundlegendes verloren geht. Dr. Streibel bemüht sich um die Rettung guter Gedanken und interessanter Ideen, indem er Ausstellungen in der Volkshochschule organisiert, damit diese für die KursteilnehmerInnen gleichsam “nebenbei” zu sehen sind.

Es gibt im Stiegenhaus im Rahmen einer Ausstellung Zitate der Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald in großen Schriftzügen an der Wand zu lesen: „So hat das den Grund darin, dass ich kein Talent zum Unglücklichsein habe. Ich habe in meinem Leben nie Klagen gelernt; ich war wirklich immer begeistert und geneigt, alle Dinge so lange zu drehen, bis ein Rosenschimmer von ihnen ausging.“ Am Weg zum Kursraum kann man nun über diesen Satz und gleich über sein eigenes Leben nachdenken.

Dr. Streibel hat dieses Konzept entwickelt, damit immer noch Allgemeinbildung unter die Menschen kommt. Man kann sie neugierig machen und auch auf eine Lesung aufmerksam machen, die es ebenfalls über Eugenie Schwarzwald geben wird. Veranstaltungen dieser Art oder auch ganze Lesenächte werden noch vielfach angenommen, da “Events” ein soziales Erlebnis sind, wo man mit Bildung “auch” zu tun hat.

Man muss also wirklich innovative Wege gehen, um auf Themen aufmerksam zu machen, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten würden. Nehmen wir die Entwicklung der Umwelt, die dazu geführt hat, dass es immer weniger Bienen gibt. Am Dach der Volkshochschule waren viele Jahre Bienenstöcke (derzeit wird das Haus umgebaut) und es gab auch Kurse von einem Imker.

Allgemeinbildung darf nicht verloren gehen und jeder von uns sollte sich überlegen, wie man – ähnlich wie in der Volkshochschule Hietzing – gute Gedanken weiter in die Welt tragen könnte. So wichtig die SpezialistInnen für die Gesellschaft sind, so wichtig ist es auch, dass man die Zusammenhänge im Auge behält, damit die Welt besser und nicht schlechter wird.

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 VHS Hietzing

Rudolf Schramm - der Lebenskünstler

Leben ist tatsächlich eine Kunst. Manche beherrschen diese schlechter und haben einiges zu leiden, andere schaffen es hervorragend, und man nennt sie dann gerne Lebenskünstler.

Der Lebenskünstler zeichnet sich nicht dadurch aus, dass immer alles bestens bei ihm läuft. Wie jeder andere Mensch hat er seine Hochs und seine Tiefs, und er hat auch seine Chancen und sein Pech. Der Lebenskünstler spielt aber einfach besser mit den Karten, die er vom Leben bekommt.

Natürlich zeigt sich die Lebenskunst in besonderer Weise im Beruf. Da gibt es die einen, die tagein, tagaus einen Job machen müssen, der sie wenig oder gar nicht freut, und wo sie gerade genug verdienen, um überleben zu können. Manche verlieren ihre Arbeit und finden dann keinen neuen Job, andere werden durch ihre Arbeit ständig überfordert und regelrecht krank davon. Viele arbeiten, weil sie müssen und nicht weil sie wollen. Der Lebenskünstler macht natürlich einen Job, den er sich ausgesucht hat, den er deshalb gerne macht und wo er sich auch gut bezahlt fühlt.

Rudolf Schramm hat mit Freunden eine Werbeagentur aufgebaut, mit der er sehr erfolgreich war. So hat er für IKEA den Elch erfunden oder für den damaligen Bundekanzler Vranitzky im Wahlkampf für seine gelungene Wiederwahl den Slogan „Zu neuen Qualitäten“ ersonnen. Er erzählt auch im Podcast, wie ihm dieser Text eingefallen ist: bei einer Zugfahrt mit seinen Freunden nach Ungarn, gleichsam nebenbei mit einer großen Leichtigkeit.

Mit fünfzig Jahren beschloss er, die Werbeagentur zu verkaufen und neue Wege zu gehen. Er schrieb ein Buch und genoss einfach die große Freiheit.

Er interessierte sich immer sehr für bildende Kunst und begann zu sammeln. In den letzten Jahren gründete er mit Freunden einen Verein, der Bilder auch noch unbekannter Künstler ausstellt und verkauft. Hier arbeitet er mit Wolfgang Mühlberger zusammen, der ein Antiquariat in Speising führt. Somit gibt es für beide wunderbare Synergieeffekte, vor allem aber eine schöne Zusammenarbeit von Freunden.

Ein anderer Freund hat gerade ein Lokal eröffnet und nun überlegt Rudolf Schramm, vielleicht auch dort mit einzusteigen, um Gastronomie und Kunst zu verbinden.

Auch wenn man schon im Pensionsalter ist, kann man noch innovativ und mutig sein. Es gehört nicht zur Lebenskunst, dass man genau so wie ein bestimmter Lebenskünstler ist, man kann auch völlig anders sein, wenn es für einen passt. Der Lebenskünstler macht einfach genau das, was er will. Glück gehört dazu, weil man nicht zu krank sein darf, aber sonst hat man tatsächlich viel in der Hand.

Wenn man in die blitzenden Augen von Rudolf Schramm schaut, und er verschmitzt lächelnd sagt, dass er nicht mit Sicherheit sagen kann, was er als Nächstes machen wird, spürt man die Freiheit dieser Selbstbestimmtheit, die eine ständige Entfaltung der eigenen Bedürfnisse zulässt. Eines ist sicher: Es wird im Spaß machen, weil er es sonst einfach nicht machen wird.

Kann man Lebenskunst lernen oder lehren?

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Antiquariat und Galerie

Horst Zecha - was Leidenschaft schafft

Negativ gestimmte Menschen meinen, dass Leidenschaft Leiden schafft. Es ist aber hinlänglich bewiesen, dass durch Leidenschaft auch Großes erreicht werden kann, es kommt eben immer darauf an, wofür man diese Leidenschaft entwickelt.

Ich kenne Horst Zecha schon seit meiner Jugendzeit als vielseitig talentierten Menschen. Er ist Absolvent einer HTL, daher technisch versiert, aber auch künstlerisch als Gitarrist tätig, und er ist ein hervorragender Fotograf.

Vor über 30 Jahren machte ich als Lehrer für Geschichte mit meinen SchülerInnen ein Projekt über die regionale Geschichte und wollte dazu auch in einer Bank eine Ausstellung mit Fotoansichten von damals und heute zeigen. Da ich wusste, dass meine fotografischen Fähigkeiten dieser Aufgabe nicht gewachsen waren, bat ich Horst, die heutigen Ansichten zu fotografieren. Seine Fotos waren perfekt und die Ausstellung wurde ein großer Erfolg. Er analysierte die alten Fotos ganz genau, um den richtigen Ausschnitt in der gleichen Jahreszeit bei ähnlichen Lichtverhältnissen wieder abzubilden.

Als er damals mit dem Fotografieren in der Region begann, wurde ihm bewusst, dass sich die Gegend laufend ändert, und er mit seinen Fotos einen wichtigen Beitrag für spätere HeimatkundeforscherInnen leisten kann. Und da lag ein tiefer Sinn.

Wenn man in einer glücklichen Beziehung lebt und sich mit seinen Kindern gut versteht, hat man viel erreicht. Für ein wirklich ausgefülltes Leben ist aber auch ein Hobby dienlich, das man jederzeit ausführen kann und bei dem man das Gefühl hat, dass es wirklich Sinn macht. Dieser Sinn kann natürlich einfach die Freude sein, die man selbst empfindet, aber viel schöner ist es, wenn man diese Freude empfindet und dabei auch noch viele andere Menschen glücklich machen kann.

Horst Zecha hält Vorträge, in denen er seine Fotos zeigt, und er veröffentlicht sie in diversen Publikationen. Er wurde auch Obmann der Heimatrunde St. Hubertus und ist so im ständigen Austausch mit Interessierten, die ebenfalls alte Ansichten sammeln und die Geschichte der Region dokumentieren wollen.

Genau dieses Zusammenspiel mit anderen Menschen ist sehr beglückend, weil man die Anerkennung der ZuhörerInnen bekommt und die Anregungen anderer ForscherInnen.

Besonders schön muss aber das Gefühl sein, dass man etwas schafft, das über das eigene Leben hinausgeht. Noch in vielen Jahren werden spätere HeimatkundeforscherInnen die Fotos von Horst Zecha bewundern und voller Dankbarkeit für ihre Tätigkeit nutzen.

Wenn man nach einem Weg für ein gelingendes Leben sucht, sollte man ein Hobby finden, das einem Freude bereitet und vielleicht zu einer richtigen Leidenschaft wird. Die Kunst des gelingenden Lebens liegt dann nur noch darin, dass man für diese Leidenschaft nicht andere wichtige Bereiche seines Lebens vernachlässigt, sondern alles so gut unter einen Hut bringt wie Horst Zecha. Dann schafft Leidenschaft Großartiges.

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Heimatrunde St. Hubertus

Gerald Bischof - gute Politik

Viele Menschen verbinden gute Politik in jedem Fall mit der Politik, die ihrer Ideologie entspricht. So fühlen sich die meisten Menschen einem der bekannten Lager verbunden und neigen manchmal auch dazu, die Politik der Partei des betreffenden Lagers „parteiisch“ zu sehen.

Gerald Bischof ist Bezirksvorsteher und kein Politiker meines Lagers. Trotzdem finde ich, dass er gute Politik macht. Das ist im Bezirk natürlich einfacher, da es hier tatsächlich weniger um Ideologie geht, sondern mehr um pragmatische Lösungen für den Bezirk, die nicht selten von allen Parteien in der Bezirksvertretung einstimmig mitgetragen werden.

Besonders sympathisch finde ich, wenn ein Politiker nicht wie ein Parteisoldat immer die Meinung seiner Partei vertritt, sondern auch kritisch ist und so nicht in erster Linie an seine Karriere innerhalb der Partei denkt, sondern daran, was er für richtig hält. Darüber erzählt Gerald Bischof ganz unverblümt. Schon als Mitglied der Jungen SPÖ hat er sich gegen die in der Ära Kreisky propagierte Atompolitik gestellt.

Auch später ist er sich immer selbst treu geblieben und hat auch 2015 nicht die damalige Willkommenspolitik seiner Partei rückhaltlos unterstützt, sondern bei der Flüchtlingsaufnahme in seinem Bezirk vertretbare Grenzen gefordert, weil er wohl einer der Ersten war, der erkannt hatte, dass man mit der Aufnahme von zu vielen Flüchtlingen nur den rechten Parteien WählerInnen zuführt und eine gewaltige gesellschaftliche Spaltung riskiert.

Meine Erinnerungen an ihn reichen aber wesentlich weiter zurück. Vor rund 25 Jahren gründete ich als Lehrer einen Schulverein, der Computerkurse anbot, um einen Computersaal für meine Schule zu finanzieren. Gerald Bischof war damals Direktor der Volkshochschule Liesing und so traten wir mit ihm in eine direkte Konkurrenz, da die Volkshochschule ebenfalls Computerkurse veranstaltete.

Trotzdem durften wir bei einer Bildungsmesse in der Volkshochschule teilnehmen und hatten unseren Stand direkt neben dem der Volkshochschule. Wir brachten sehr stolz einen der ersten damals verfügbaren Videoprojektoren mit, um eine PowerPoint-Präsentation zu zeigen. Schon nach fünf Minuten gab unser Projektor den Geist auf, und wir waren entsprechend enttäuscht.

Gerald Bischof bemerkte das, verschwand kurz und kam mit einem riesigen Videoprojektor zurück, den ein Mensch kaum tragen konnte, und stellte uns diesen zur Verfügung. Vielleicht auch deshalb wurden unsere Kurse sehr erfolgreich, was Bischof immer gelassen sah und nur sagte: „Konkurrenz belebt!“

Wenn man mit seinen politischen MitbewerberInnen spricht, wird er oft wegen seiner Fairness gelobt.

Auf meine Frage, wie man eigentlich Bezirksvorsteher wird, antwortet er sehr bescheiden, dass man sich im Team einigen muss, wer diese Rolle übernimmt.

Man kennt doch von der Politik, dass gerne an Sesseln gesägt wird. An seinem nicht. Das spürt man, und man weiß auch, warum.

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Gerald Bischof

Harald Mally - der Pfarrer

Als nicht katholischer und überhaupt wenig religiöser Mensch war ich auf das Gespräch mit Pfarrer Harald besonders gespannt und wurde sehr überrascht: Er sagte keinen Satz, den ich nicht sofort unterschreiben könnte. So auch die Wahl des bestimmten Artikels und nicht des unbestimmten im Titel: So sollte ein Pfarrer meiner Meinung nach sein.

Aus seinem ganzen Wesen strahlt kein kirchliches Dogma, sondern nur die reine Menschlichkeit. Er zeigte mir seine bescheidene Wohnung, in der vor kurzem noch Flüchtlinge gelebt hatten und am Weg dorthin übergab er einer Reinigungskraft der Pfarre einen Strauß Blumen, weil sie Geburtstag hatte, und er sich bei dieser Gelegenheit für ihre Arbeit herzlich bedanken wollte.

Was würde er gern in der Kirche durchsetzen? Frauen müssten hohe Ämter erlangen können, meinte er darauf spontan. Damit würde er gleich eines der größten Probleme lösen, das ich selbst mit der katholischen Kirche habe: Warum werden Frauen diese Ämter verwehrt? Wer kann das in unserer zum Glück immer offener werdenden Zeit noch verstehen?

Pfarrer Harald ist auch Musiker, spielt das Akkordeon und singt gerne Wiener Lieder. Wenn es sich ergibt, auch in einem Bierzelt am Kirtag. Damit gewinnt er die Herzen der Menschen, die nicht in die Kirche kommen, um seine Predigten zu hören, die er sich übrigens immer gut überlegt und gerne mit aktuellen Bezügen versieht.

Ich stelle es mir schön vor, wenn man an einer Predigt arbeitet, sie dann auch hält und vielleicht danach positive Rückmeldungen bekommt. Als Lehrer geht es einem ähnlich bei der Vorbereitung des Unterrichts, wenn auch der Inhalt des Unterrichts nicht immer so tiefgründig ist.

Meine größte Hochachtung gilt allerdings der Seelsorge. Der Pfarrer wird zu Menschen gerufen, denen es schlecht geht, und sie erwarten sich von ihm positive Energie, und das muss er oft nicht einmal, sondern durchaus auch mehrmals am Tag leisten. Wie schafft man es, so viel zu geben? So viel Leid zu sehen und dabei nicht selbst Schaden zu nehmen? Ist das die göttliche Kraft? Ich würde das nicht können.

Die Kirche leistet auch viel in der Jugendarbeit. Erwachsene erinnern sich gerne mit leuchtenden Augen an ihre Jungscharlager, wo man nicht nur andere Menschen gut kennenlernt, sondern auch den so wichtigen Zusammenhalt. Man soll füreinander, aber auch für andere Menschen da sein.

So wird in der Pfarre viel für die Flüchtlingsarbeit geleistet. Pfarrer Harald zeigt mir Berge von Lebensmittelspenden, die aber auch an andere bedürftige Menschen weitergegeben werden.

Man geht von so einem Gespräch schon etwas beschämt nach Hause und fragt sich, was man eigentlich selbst für andere Menschen tut. Pfarrer Harald fragt andere nicht danach, und er fordert auch nichts mit erhobenem Zeigefinger. Er lebt einfach vor und wird so für viele Menschen zu einem wichtigen Vorbild. Er spricht nicht nur von Nächstenliebe, er lebt sie aus ganzem Herzen. Und das spürt man. Auch, wenn er singt.

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Pfarre Mauer

Stephan Mally - Glück im Garten

Jeder findet sein Glück woanders. Viele im Garten. Stephan Mally liebt die Arbeit im Garten und hat als Gartengestalter sein Hobby zum Beruf gemacht. Liebe ist auch eine wichtige Grundlage für Glück und Stephan Mally liebt nicht nur Menschen, das merkt man, wenn er über seine Familie spricht, er liebt Tiere wie seinen Hund, den er aus einer Tötungsstation gerettet hat und eben auch Pflanzen. Schon als Kind holte er sie aus dem Mistkübel, um sie wieder aufzupäppeln.

Es ist ein großes Privileg, wenn man so viel Liebe in sich trägt. Es gibt Menschen, die einen Garten haben und mit diesem Schatz gar nichts anfangen, ihn regelrecht verkommen lassen. Andere sparen ein halbes Leben lang auf ein Haus mit Garten, um sich ihren Lebenstraum endlich verwirklichen zu können. Nicht immer kommen Dinge zusammen, die auch zusammen gehören.

Es beginnt schon mit Zimmerpflanzen, die sich jeder leisten kann und geht über Balkonpflanzen, für die man schon glücklicher Besitzer eines Balkons sein muss, und der Höhepunkt eines Lebens mit der Natur liegt wohl in der Gartengestaltung.

Es gibt unterschiedliche Wege, dieses Glück zu erreichen. Viele versuchen es als Autodidakten und zahlen viel Lehrgeld, manche Dinge lassen sich da vielleicht auch gar nicht mehr leicht rückgängig machen. So empfiehlt sich am Beginn der Neugestaltung eines Gartens das Gespräch mit dem Profi, damit die eigenen Wünsche dem tatsächlich Machbaren möglichst nahekommen. Pflanzen, die einmal falsch gewachsen sind oder an einer nicht passenden Stelle gesetzt wurden, können Probleme bekommen.

Gartenarbeit und Erziehung von Menschen hängen eng miteinander zusammen. In beiden Fällen sollte man schon vorher wissen, was man tut, genau beobachten und rasch reagieren, wenn etwas nicht gut läuft.

In jedem Fall spielt auch die Achtsamkeit eine große Rolle, in der man sich jeden Tag aufs Neue üben muss.

Bei der Erziehung und in der Gartenarbeit ist auch das Expertenwissen von großer Bedeutung. In beiden Fällen denken viele Menschen, dass sie darauf verzichten können, und es auch so schaffen. Wenn man sich so manche traurigen Gärten und auch traurige Kinder anschaut, erkennt man, dass es doch nicht so einfach sein dürfte, und man guten Rat daher nicht unbedingt ignorieren sollte.

Nun gibt es ja im Bereich Erziehung und Garten viele ExpertInnen, und es ist ganz entscheidend, die richtige Wahl zu treffen. Nach welchen Kriterien sucht man am besten? Entscheidend sind wohl die Referenzen. Wer schon einige schöne Gärten oder glückliche Kinder vorweisen kann, wird wohl seine Expertise haben.

Besonders wichtig erscheint mir allerdings, dass der Experte tatsächlich eine Liebe und Leidenschaft für sein Fachgebiet entwickeln konnte.

In diesem Fall hat mich Stephan Mally besonders beeindruckt. Wenn man ihn nach seinem Hobby fragt, was er am Wochenende gerne macht, wenn er eine Arbeitswoche lang in anderen Gärten gearbeitet hat. Es ist die Arbeit im eigenen Garten.

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Stephan Mally

Hans Mittheisz - was kann man tun?

Dipl.-Ing. Hans Mittheisz ging als erfolgreicher Wiener Obersenatsrat in Pension und wollte auch weiter etwas Sinnvolles für andere tun. Als Experte für Informations- und Kommunikationstechnologie entschied er sich für die Betreuung einer regionalen Website und einen E-Mail-Verteiler, um Menschen in seiner unmittelbaren Wohnumgebung über Veranstaltungen zu informieren.

Am besten arbeitet man in seiner Pension in Bereichen, die einem schon vom Berufsleben her vertraut sind.

Darüber hinaus wollte er aber auch für seinen Ort etwas weiterbringen und beschloss, bereits tätige Vereine an einen Tisch zu bringen, damit man gemeinsam überlegen kann, welche Ziele man erreichen will und wie man die Kräfte dafür bündeln könnte.

Für alle diese Aufgaben investiert er viel Zeit. Warum leisten sich das manche Menschen?

Ich denke, dass es zwei grundsätzliche Positionen mit vielen Abstufungen dazwischen gibt, die Menschen zu ihrem Pensionsantritt einnehmen können: Die einen sagen, ich mache jetzt endlich das, wofür ich durch den Beruf immer zu wenig Zeit gehabt habe, die anderen überlegen, wo sie sich aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung weiterhin noch gut einbringen können.

Die einen machen also Reisen, kümmern sich viel um ihre Familie oder haben endlich genug Zeit für ihre Hobbys, die anderen wollen in ihren erlernten Fähigkeiten keinesfalls einrosten und versuchen sie weiterzunutzen.

Lebenskunst benötigt man vor allem im Alter, wo die Voraussetzungen immer ungünstiger werden. So mancher wird jetzt protestieren und meinen, dass man es als Kind mit schlechten Eltern schon sehr schwierig haben kann, im Kindergarten und in der Schule, wenn man von PädagogInnen oder anderen Kindern nicht achtsam behandelt wird oder auch später, wenn man in der weiterführenden Ausbildung scheitert, Beruf, Partner, vielleicht sogar Freunde nicht findet oder verliert. Im Leben warten viele Hürden, die genommen werden wollen.

Im Pensionsalter wird einem aber die körperliche Hinfälligkeit immer deutlicher und auch die geistigen Fähigkeiten lassen in der Regel nach, man wird langsamer, verliert an Wendigkeit, merkt sich oft wichtige Dinge nicht mehr so leicht. Durch körperliche und geistige Aktivität kann man hier ein wenig gegensteuern, der grundsätzliche Abbau lässt sich aber kaum aufhalten.

Dazu kommt, dass man den Partner oder liebe Verwandte und FreundInnen in dieser Phase häufiger verliert. Auch damit muss man zurechtkommen.

Wenn es dir im Alter gut geht, hast du die Königsdisziplin des Lebens geschafft. Man muss mit Körper und Geist im Frieden und finanziell abgesichert sein. Man sollte – das ist am wichtigsten – noch einen Sinn im Leben gefunden haben.

Hans Mittheisz hat bald nach dem Beginn der Pension seine geliebte Partnerin Elisabeth verloren und zeigt tapfer und gut eingebettet in einer großen Familie mit drei Kindern, lieben Schwiegerkindern sowie sechs Enkeln, wie man es schaffen kann.

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 Dipl. Ing. Hans Mittheisz

Elisabeth Schlesinger - trotzdem Drogistin

Elisabeth Schlesinger führt ihre Drogerie in der dritten Generation und sagt in unserem Podcast ganz deutlich, dass sie diese schwierige Aufgabe ihrem Vater zu Liebe übernommen hat. Sie hätte für sich einen anderen Lebensweg gewünscht.

Trotzdem ist sie heute eine stolze Drogistin, die ihren Job mit großer Leidenschaft und hoher Kompetenz erledigt. Anders könnte sie gegen die starke Konkurrenz der Super- und Drogeriemärkte gar nicht bestehen.

„Trotzdem“ ist ein interessantes Wort. Ist das, was danach kommt gut oder schlecht? Kann man für sein eigenes Leben festlegen, was gut und schlecht war? Hatte der Vater recht, als er sich dachte, sie soll es „trotzdem“ machen, obwohl sie es eigentlich nicht will, weil der Familienbetrieb mühsam aufgebaut wurde und jetzt auch weitergeführt werden soll? Hatte die Tochter recht, als sie sich dachte, ich mache das dem Vater zuliebe, weil ich weiß, dass sein Herz am Betrieb hängt, und ich könnte sowieso nicht glücklich werden, wenn er unglücklich ist? Ich bleibe also „trotzdem“ im Familienbetrieb, obwohl ich eigentlich gerne etwas anderes machen würde.

Trotzdem“ etwas machen ist kein Kompromiss, sondern etwas ganz anderes. Also keine Kleinigkeit. Kann man das empfehlen?

Elisabeth Schlesinger wird nie wissen, wie ihr anderes Leben geworden wäre. Für ihren Sohn war ihr aber von Anfang an klar, dass er beruflich seinen Interessen nachgehen soll, auch wenn er dafür ins Ausland gehen muss. Er soll die Freiheit leben, die sie nie gehabt hat.

Die Schwierigkeit liegt auch darin, dass man nicht weiß, ob der Vater recht gehabt hat. Im Prinzip wollen ja die Eltern immer das Beste für die Kinder und der Vater hat vielleicht gar nicht gedacht, dass es für sein Wohlergehen das Beste ist, wenn die Tochter den Betrieb übernimmt. Er hat vielleicht gedacht, dass es für sie das Beste ist, weil sie sich schon gut auskennt, sich anderen nicht unterordnen muss und als eigene Chefin alle Entscheidungen selbst treffen kann.

Vielleicht hat er sich auf die Zusammenarbeit mit der Tochter in der Übergangsphase gefreut, wenn er manche Aufgaben noch selbst übernehmen kann. Auch der Austausch über fachliche Themen innerhalb der Familie kann durchaus inspirierend sein, und es ist ein gutes Gefühl, wenn man sich zum Wohl der Firma noch als Vater beratend einbringen kann.

Wir wissen nicht, was sich der Vater gedacht hat, und wir können ihn auch leider nicht mehr fragen. Im Leben bleibt oft viel zu viel Unklares zurück. Man kann dem nur begegnen, wenn man klar und offen mit den Menschen spricht, die einem wichtig sind.

Elisabeth Schlesinger hat das mit ihrem Sohn gemacht, und er wird ihr dankbar dafür sein. Gelernt hat sie diese Klarheit aus ihren eigenen Erfahrungen, wo sie diese vielleicht schmerzlich vermisst hat. Die größte Leistung eines Menschen liegt darin, wenn er sich nicht so entwickelt, wie er geprägt wurde, sondern aus eigener Kraft einen anderen Weg für die nächste Generation findet.

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Drogerie Schlesinger

Alexander Sael - mit Mut zum Erfolg

Im Roman „Der Alchimist“ wird es eindrucksvoll dargestellt, Alexander Sael hat es gelebt: Lebensentscheidungen bewirken wichtige Änderungen, und man findet seinen Weg, wenn man mutig ist.

Alexander Sael war mutig, als er seinen sicheren Job als gelernter Schlosser bei einer großen österreichischen Firma nach 17 Jahren kündigte um Event-Manager zu werden. Seinen Eltern gefiel das gar nicht, da gab es eine Zeit lang sogar Funkstille, und er selbst begann mit einem Beruf, für den seine gute Ausbildung und seine lange Berufserfahrung kaum etwas brachten.

Nach weiteren 17 Jahren sitzt er nun in seinem neuen Büro in einem Einkaufscenter und ist zu Recht stolz. Genau in diesem Einkaufscenter hat er seinerzeit mit seinen Events begonnen und rasch gemerkt, dass man diese auch gut bewerben muss. Wenn man für ein Event werben kann, kann man auch für Firmen werben und so entstand die Idee, eine Werbeagentur zu gründen.

Zunächst wurde für die Firmen geworben, die bei den Events mitmachten, später für alle Firmen und auch andere Einkaufscenter. Alexander Sael macht keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Firmen, er ist für alle da und am liebsten von der Gründung an, so greift ein gutes Werbekonzept am besten, das man immer längerfristig laufen lassen muss, damit die Werbung auch wirkt.

Natürlich kann man mit der Zeit lernen, wie man Events organisiert und man kann auch lernen, wie Werbung funktioniert. Ich finde es aber doch überraschend, dass man als gelernter Schlosser in diesen Bereichen so erfolgreich sein kann. Meine Erklärung dafür: Alexander Sael war schon Event-Manager und Werbefachmann, als er seine Ausbildung zum Schlosser machte. Er entschied sich damals für den geachteten Beruf mit sicheren Zukunftschancen, im Herzen wollte er aber schon große Veranstaltungen planen und kräftig dafür die Werbetrommel rühren.

So entwickelte er vermutlich auch schon früh ein Auge dafür, was es für ein gelungenes Event braucht und wie Werbung funktioniert. Diese Beobachtungen verbunden mit der Begeisterung im Herzen waren wohl die besten Lehrmeister.

Und natürlich die Praxis! Keine Universität und keine Fachhochschule können da mithalten. Wer ein erfolgreiches Event organisiert hat, weiß, wie es geht, und er weiß vor allem auch, wie es das nächste Mal noch besser gehen wird.

Am Anfang macht man noch vieles selbst, später holt man sich für die einzelnen Arbeitsbereiche Fachleute, die bezahlt werden müssen, aber die Professionalität weiter erhöhen.

Nun ist die Erfolgsformel schon ganz gut durchleuchtet. Ein Aspekt fehlt noch, der gerade in dieser Branche unglaublich wichtig ist: Alexander Sael ist ein genialer Netzwerker. Eine Eigenschaft, die viele erfolgreiche Geschäftsleute auszeichnet.

Es ist aber nicht die wichtigste Eigenschaft. Damit kommen wir wieder an den Anfang unserer Geschichte. Alexander Sael war vor 17 Jahren unglaublich mutig und Mut führt oft zum Erfolg, wenn der richtige Mensch dahinter steht.

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Werbeagentur Sael 

Maria Praxmarer - die Netzwerkerin

Es gibt viele Eigenschaften, die gute Geschäftsleute benötigen, um erfolgreich zu sein. Heutzutage steht Netzwerken ganz oben auf dieser Liste der Tugenden. Darüber kann man viel von Maria Praxmarer lernen, hat sie doch mit anderen UnternehmerInnen einen Geschäftsleuteverein in einem großen Wiener Bezirk gegründet, der mittlerweile schon fast hundert Mitglieder zählt.

Wann und vor allem von wem könnte man Netzwerken lernen? Eigentlich sollte das schon in der Sandkiste beginnen und vom Kindergarten über die Schule bis zur Universität ein Unterrichtsprinzip sein. Die Realität schaut leider ganz anders aus: Viele Eltern und LehrerInnen sind keine guten NetzwerkerInnen und können das daher gar nicht vermitteln. Auch bei den Klein- und Mittelbetrieben steht es meist nicht hoch im Kurs. Die meisten bedenken nicht, dass der eigene Wirtschaftsertrag durch Kooperationen erhöht werden könnte.

Im Verein WIR 23, in dem Maria Praxmarer Obfrau ist, wurde ein geniales Konzept entwickelt, das Genussregal. Geschäftsleute stellen dieses Regal in ihrem Lokal auf und bieten Produkte von anderen Mitgliedern an. So einfach kann das gehen! Im Paket mit einigen anderen Maßnahmen kann der Verein so wirklich unterstützend wirken.

Maria Praxmarer leitet den Familienbetrieb, eine Tischlerei, ohne selbst dieses Handwerk erlernt zu haben. Sie wusste, dass sie sich mit ihrem Wirtschaftsstudium und ihren Erfahrungen aus der Unternehmensberatung trotzdem sehr gut einbringen wird. Egal, ob es um die Akquisition neuer KundInnen geht, Kooperationen mit anderen Firmen oder innerbetriebliche Abläufe, die geschickte Netzwerkerin findet immer die beste Lösung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, SchülerInnen der Oberstufe für eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit zu gewinnen. So denke ich, dass man schon viel früher damit beginnen müsste. Wie gesagt: Die offensichtlich bisher ungelöste Frage bleibt, wer das wie machen müsste.

Dabei würde es vielen schon bei der Jobsuche helfen, wenn sie Netzwerken gelernt hätten. So mancher schulischer Kontakt oder auch Verbindungen aus der weiterführenden Ausbildung hätten hilfreich sein können.

Viele jammern auch über die Konkurrenz der großen digitalen Marktplätze, ohne zu erkennen, dass man im Kleinen durch Kooperationen schon so viel erreichen könnte, um damit gegen die Großen bestehen zu können.

Dieses Zusammenwirken der Kräfte würde nicht nur die Jobsuche und die Geschäftswelt effektiver machen, auch in vielen anderen Bereichen wäre es hilfreich, wenn Menschen besser kooperieren könnten. Denken wir nur daran, was „Fridays for Future“ in kurzer Zeit für ein Umdenken bewirken konnte.

Die Kunst des Netzwerkens ist auch erst dann erreicht, wenn nach der ersten Euphorie des Beginns weiter zusammengearbeitet wird. Hier braucht es Persönlichkeiten wie Maria Praxmarer, die immer wieder motivieren und anregen, damit den ersten Schritten auch weitere folgen.

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Tischlerei Holzträume

Heidi Kroll - Kreativität und Beruf

Kreative Menschen haben es nicht immer leicht. In welcher Form kann man Kreativität ausleben? Zum Dasein als KünstlerIn gehört ein Drang, ein Gestaltungwille, ein Weg, der in der Regel kein Sonntagsspaziergang ist.

Leichter haben es da die Menschen, die ihr künstlerisches Talent mit einem gefragten Beruf verbinden können. Zum Beispiel LehrerInnen für bildnerische Erziehung oder Musik, JournalistInnen, WerbetexterInnen oder GrafikdesignerInnen, wenn es um die Verbindung von Farbe, Form, Typografie und Fotografie geht.

Heidi Kroll ist Grafikdesignerin. Ist es einfach, gestalterisches Talent und berufliche Pflicht miteinander zu verbinden? Die gestalterische Freiheit ist ja ggf. durch die Wünsche der KundInnen eingeschränkt.

Ein/e GrafikdesignerIn gestaltet das Erscheinungsbild eines Unternehmens nach außen. Angefangen vom Logodesign, Corporate Design über den Webauftritt sowie alle sonstigen Werbemittel eines Unternehmens wie Anzeigenkampagnen in Printmedien oder auf Social Media, Flyer, Folder, Broschüren, Mailings, Magazine, Kataloge, Verpackungen der Produkte u.s.w. Der gestalterische Prozess besteht darin, den Charakter, die Bedürfnisse, das Umfeld, die Zielgruppe und Zielsetzung des Kunden zu analysieren und entsprechend optisch umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, den eigenen Geschmack umzusetzen, sondern mit Empathie den Kunden zu erfassen und ihm durch den Blick von außen mehr und andere Ansätze anzubieten. Das ist die spannende Bandbreite der grafischen Entwicklung, zum einen auf die Kundenbedürfnisse einzugehen, sie dann aber doch manchmal mit unerwarteten Aspekten zu überraschen.

Als Grafikdesigner ist man erfolgreich, wenn der Kunde zufrieden ist und möglichst viele andere das geschaffene Werk auch so ansprechend finden, dass es seinen Zweck erfüllt. Das Corporate Design soll Eindruck machen und etwas ausdrücken, das Werbesujet soll die gewünschte Aufmerksamkeit wecken, damit das beworbene Produkt mehr als bisher verkauft wird.

Im Podcast wird auch deutlich, dass man als Grafikdesigner nicht nur am Bleistift kauend nach neuen Ideen sucht, sondern dass ein Großteil der Arbeit handwerkliches Umsetzen ist und viel Routine bei der Arbeit gefragt ist.

Berufsbilder sind für mich auch immer Lebensbilder. Benötigt man nicht in vielen Lebenslagen und allen Berufen Kreativität, und ist es nicht schade, dass viele Menschen einfach zu wenig Kreativität haben, weil sie in der Kindheit nicht gefördert wurden oder – noch schlimmer – aufkommende Kreativität von Eltern oder LehrerInnen erstickt wurde?

In diesem Zusammenhang muss man allerdings auch erkennen, dass künstlerisches Talent als besondere Begabung etwas anderes als Kreativität ist. Über künstlerisches Talent verfügen nicht viele Menschen. Das muss man respektieren und davon kann man auch profitieren, wenn man einen Grafikdesigner für seine Projekte engagiert.

Bearbeitet von Heidi Kroll

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Heidi Kroll Grafik und Design

Helga Schmidtschläger - eine Frohnatur

Im Podcast mit Helga Schmidtschläger spürt man von Beginn an ihre Fröhlichkeit. Sie ist ein glücklicher Mensch. Tatsächlich führen ja viele Wege zum Glück, von Vorteil ist allerdings, wenn man weiß, was man will.

Eine gute Basis ist eine gelungene Erziehung und da muss man einfach Glück haben. Helga Schmidtschläger ist sich dieses Glücks bewusst und ihren Eltern auch dankbar. Zu einer guten Erziehung gehören, dass man gute Manieren und Respekt vermittelt und die freie Entfaltung des Kindes entsprechend seinen Talenten zulässt und das Selbstwertgefühl stärkt.

So absolvierte sie die HTL für Chemie und war danach mit Engagement in der pharmazeutischen Industrie tätig, ein Beruf, der ihr viel Freude machte. Dann kamen die Kinder und die Entscheidung für die wunderbare Vollzeitaufgabe Familie war aus vollem Herzen gefallen.

Hat sie das je bereut? Ein Nein könnte nicht überzeugender gesagt werden. Als ihre Kinder nicht mehr so viel Betreuung brauchten, eröffnete sie ein Geschäft, das in der Nähe ihres Wohnsitzes und damit auch in der Nähe der Schule lag, um problemlos Familie und Beruf vereinen zu können.

Was verkauft sie in diesem Geschäft? Genau die Dinge, die ihr selbst sehr gut gefallen. Funktionelles Design für den Alltag, manchmal auch Außergewöhnliches, sogar Köstlichkeiten. Die Buntheit und Vielfalt, die in Helga Schmidtschläger stecken, manifestieren sich in ihrem Geschäft, das zu einem Abbild ihrer Frohnatur wurde. Eine kurze Kernöffnungszeit, ergänzt mit individuellen Kundenterminen, erlaubt ihr genügend Zeit für ihre Familie zu haben.

Wenn Familie, Beziehung und Beruf so gut gelingen, könnte man schon zufrieden sein. Helga Schmidtschläger wollte aber auch die Zusammenarbeit zwischen den Geschäften in ihrer Region fördern und engagiert sich beim Geschäftsleuteverein, dessen Obfrau sie nun schon seit vielen Jahren ist. Da geht es nun um die Organisation von Gemeinschaftsaktionen und Events, um die Werbung für einzelne Betriebe, aber auch um Werbung für den Verein. Sie schreibt Artikel über die Aktivitäten und sorgt im Verein für den nötigen Zusammenhalt der Mitglieder, digital und mit regelmäßigen Stammtischen, wo sich alle persönlich treffen können.

Sie genießt größte Anerkennung, auch in der Wirtschaftskammer, wo man jedes Jahr hofft, dass sie ihre Tätigkeit noch ein Jahr länger ausübt, obwohl sie schon jetzt die Zeit mit ihren Enkelkindern sehr genießt.

Gibt es ein Rezept, wie man ein so glückliches Leben erreichen kann? Leider nicht. Man braucht die Anlagen und eine von Liebe und Wertschätzung geprägte Erziehung, muss sich für den richtigen Partner entscheiden und im Berufsleben einen passenden Weg finden. Immer benötigt man genug Selbstbewusstsein, um an der Richtigkeit der eigenen Entscheidungen nicht zu zweifeln, sondern voller Freude durchs Leben zu gehen.

Wie gesagt: Es führen viele Wege zum Glück. Man muss nur seinen finden.

Bearbeitet von Helga Schmidtschläger

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Design im Griff

Markus Beisteiner - Bedeutung der Familie

Schon beim Aufbau der Technik für den Podcast in der Wohnung fällt mir das harmonische Familienleben von Markus auf, gibt es doch ein stilles Einverständnis, wer wo ist, wenn die Aufnahme startet. Eltern und Geschwister sind da und ziehen sich zurück, um dem neuen Junior-Chef ein ungestörtes Interview zu ermöglichen. Ich denke nach, worüber ich mich gerade gewundert habe, schließlich fällt es mir ein: Es gibt keinerlei Spannungen und das ist gar nicht so häufig innerhalb von Familien.

Sehr ruhig und gelöst wirkt auch Markus mit seinen 28 Jahren von Anfang an im Gespräch, wobei sich meine erste Frage gleich auf den Familienbetrieb bezieht. Wie funktioniert das, wenn eine Firma nun schon in der vierten Generation geführt wird?

Die verblüffende Antwort: Es gibt keinen Zwang und es gab weder bei seinem Vater noch bei ihm von Anfang an die Gewissheit, dass es tatsächlich so sein wird. Sein Vater überlegte sich zunächst andere berufliche Verwirklichungen und wurde damals in keiner Weise von seinem Vater unter Druck gesetzt. Genau so war es bei Markus, der die Handelsakademie machte und sich erst nach der Matura doch für den Beruf des Raumausstatters entschied.

Offensichtlich liegt das Geheimnis eines gelungenen Familienlebens darin, dass die Eltern möglichst wenig Druck machen und die freie Entfaltung ihrer Kinder zulassen, wobei sich dann auch eine natürliche und nicht selten enge Beziehung zum Familienbetrieb entwickelt, mit dem sie aufgewachsen sind.

So erzählt Markus, dass es für ihn die größte Freude ist, wenn er am Beginn der Woche den Schlüssel von einem Wohnungsbesitzer übernimmt, der auf Urlaub fährt. In der Zwischenzeit passiert die gewünschte Neugestaltung und wenn der glückliche Kunde vom Urlaub zurückkommt, ist er von seiner neuen Wohnung begeistert. Dafür steht Markus in der Früh gern auf und das gibt seinem Leben den Sinn, der einen selbst glücklich macht.

Offensichtlich wird auch das Gefühl für guten Geschmack vererbt oder vielleicht auch durch die ständige Konfrontation mit Einrichtungsfragen im Familienbetrieb gefördert. So ist es ja nicht einfach, die passende Einrichtung für jeden Kunden zu finden. Wie viel hört man auf seine Wünsche, welchen Anteil nimmt die Beratung ein, wenn die Farbenwünsche doch so gar nicht zusammenpassen? Markus hebt die Bedeutung des Zuhörens hervor, und ich denke mir, dass gerade diese Eigenschaft so oft in jeder Form der Kommunikation zu kurz kommt. Wie gut, dass man gerade als Raumausstatter darauf achten lernt.

Wie in jedem Beruf spielt aber auch die Überzeugungskraft eine Rolle, wenn man gut beraten will. Was für eine komplexe Gratwanderung muss man da gehen! Lässt sich über Geschmack tatsächlich nicht streiten oder gibt es gewisse Gesetze, die man berücksichtigen muss? Soll man Schräges zulassen, wenn Schräges gewünscht wird?

Fragen der Raumausstattung sind Fragen des Lebens. Wohl deshalb heißt auch der Slogan des Familienbetriebs „Wohnen ist Leben“.

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Raumausstattung Beisteiner

Anita Stadlmann - Lebensziele

Ihr Lieblingsbuch ist „Der Alchimist“. Sie liest es alle paar Jahre und findet immer wieder neue Gedanken für ihr eigenes Leben. Mir gefällt das sehr gut. VielleserInnen, die jeden Tag ein Buch „verschlingen“ sind mir immer etwas suspekt. Kommt man da wirklich in die Tiefe der Gedanken des Autors? Wird ein Buch zu einem regelrechten Lebensbegleiter, ist das zweifelsohne eher möglich.

Will man einen Menschen näher kennenlernen, ist ein Blick in seinen Bücherschrank oft eine gute Gelegenheit. Die beste Gelegenheit ist natürlich das absolute Lieblingsbuch.

Anita Stadlmann hat sich erst vor fünf Jahren noch einmal beruflich verändert und mit einer Freundin eine Personalmanagement-Firma gegründet. Der Mut, einen neuen Weg zu gehen, der für einen aber passender als der bisherige ist, zeichnet erfolgreiche und glückliche Menschen aus. Nicht immer erreicht man Glück und beruflichen Erfolg. Wer kennt nicht jemand beruflich Erfolgreichen, der aber nicht glücklich ist?

Der Beruf spielt allerdings eine große Rolle in einem glücklichen Leben. Immerhin übt man ihn in der Regel acht Stunden am Tag aus, also einen großen Teil seiner Lebenszeit. Kann man noch von einem glücklichen Leben sprechen, wenn man im Beruf unglücklich ist?

So ist die berufliche Neuorientierung oft ein Schlüssel zum Lebensglück. Da es hier aber nicht selten um existenzielle Fragen und auch um Verantwortung für andere geht, reden wir von keiner Kleinigkeit.

Im Roman „Der Alchimist“ lernt der Protagonist an sich und seine Ziele zu glauben und er schöpft seine Kraft auch aus der Überzeugung, dass das ganze Universum Energie schickt, damit er den richtigen Lebensweg findet. Auch in den Religionen geht es um Energie, die einem hilft. Die Dinge werden oft nur unterschiedlich genannt, es ist aber immer das Gleiche gemeint.

Man muss einen festen Glauben, eine Überzeugung haben, das Richtige zu tun. Wenn man das schafft, wird man auch seine Ziele erreichen.

Anita Stadlmann hat sich vor fünf Jahren ihren beruflichen Traum der Selbstständigkeit erfüllt und arbeitet nun genau in dem Bereich, der sie besonders interessiert. Kein Wunder, dass sie auch erfolgreich ist.

So einfach ist es allerdings nicht. Das lehrt das Buch „Der Alchimist“, wo der Protagonist arge Tiefschläge zu ertragen hat und scheinbar immer wieder neu beginnen muss. Tatsächlich ist das aber nicht so, weil man aus den Niederlagen auch viel lernt und damit gereifter neue Herausforderungen besser meistern kann.

Die größte Herausforderung ist am Ende des Romans der „Schatz“, den man finden muss, damit das eigene Lebensziel erreicht wird. Für jeden Menschen ist dieser Schatz ein anderer. Wenn man ihn nicht sucht, wird man ihn auch nie finden. Soll man mit dem bisher Erreichten zufrieden sein oder doch noch weitersuchen? Wann weiß man, dass man sein Lebensziel erreicht hat?

Hier liegt die große Kunst. Man muss in sich selbst hineinhören lernen und darf die eigenen Bedürfnisse nicht ignorieren.

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Wolkenrot Human Resources

Silke Kobald - die freundliche Kämpferin

Mag. Silke Kobald ist in Wien Bezirksvorsteherin eines ÖVP-Bezirks, was in einer von der SPÖ geführten Stadt nach einer Herausforderung klingt.

Bei den WählerInnen kommt sie sehr gut an, so bekam sie bei der letzten Gemeinderatswahl mehr Stimmen in ihrem Bezirk als die im Höhenflug stehende ÖVP bei den Nationalratswahlen. Was macht ihren Erfolg aus? Könnte sie das in einer Schule für PolitikerInnen lehren? Gerade bei besonders erfolgreichen PolitikerInnen spielt wohl deren Charisma eine große Rolle und das kann man leider nicht lernen.

Das besondere Markenzeichen Silke Kobalds ist ihr einnehmendes Lächeln, da könnten wir ansetzen. Mit dieser freundlichen Ausstrahlung gewinnt sie die Herzen der Menschen, die auch gerne mit ihr über Probleme im Bezirk sprechen.

Und hier kommt die zweite große Stärke der Bezirksvorsteherin zum Tragen. Sie hört gut zu, und wenn sie von einem Anliegen überzeugt ist, arbeitet sie auch mit Bürgerinitiativen zusammen, um für eine gute Lösung im Bezirk zu kämpfen. Die Verbindung von freundlichem Auftreten und einem echten Kämpferherz dürften ausgezeichnete Voraussetzungen für politischen Erfolg sein.

Ursprünglich wollte Silke Kobald Diplomatin werden, hat aber auf dieses spannende Berufsziel ihrer Familie zu Liebe verzichtet und gab dafür in der Kommunalpolitik ihr Bestes. Soll man das? Für andere eigene Bedürfnisse zurückstecken?

Solche Entscheidungen trifft man immer wieder im Leben. Man überprüft seine Werte und stellt eine Reihenfolge auf. Familie stand hier bei Silke Kobald wohl an oberster Stelle und berufliche Ziele folgten erst dahinter. Wie man an ihrem und vielen anderen Beispielen sieht, muss das aber kein Grund zur Frustration sein. Man kann auch in einem anderen Bereich sehr erfolgreich werden und die ursprünglichen Träume so kompensieren.

Selbst die nicht gelebte Diplomatie kann auch in der Kommunalpolitik sehr förderlich sein. Gerade in Verhandlungen mit der Stadt, aber auch mit vielen anderen möglichen Gegenspielern kann sie helfen, zu einer guten Lösung zu kommen, bei der beide Seiten nicht das Gesicht verlieren.

Somit sind schon drei wichtige Punkte genannt, die einen erfolgreichen Politiker ausmachen: ein sympathisches Äußeres, Herzensstärke und Diplomatie.

Die wichtigste Eigenschaft ist aber bestimmt, dass man jemandem ansehen muss, dass er seinen Job wirklich gern macht. Ein Politiker ohne sichtbare Leidenschaft für seine Anliegen kann nicht erfolgreich sein.

Die letzte und ganz entscheidende Frage ist allerdings, ob diese vier Eigenschaften spezifisch für einen Politiker zum Erfolg führen. Wenn man länger darüber nachdenkt, kommt man wohl darauf, dass sie in jedem Beruf der Schlüssel zum Erfolg sind, und so gibt es vielleicht gar keine Tugenden, die speziell PolitikerInnen haben sollten, sondern nur welche, die für alle gelten, die im Berufsleben erfolgreich sein wollen. Und es bleibt nur das Charisma speziell für PolitikerInnen…

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Silke Kobald 

Martin Jager - ist man Fotograf?

Ist man Fotograf oder wird man Fotograf? Das Anlage-Umwelt-Problem beschäftigt seit Jahrzehnten die Psychologie, so kann man sich naturgemäß auch im beruflichen Umfeld fragen, ob man etwas ist oder wird. Genau darüber sprach ich im Podcast mit Martin Jager, der eine schöne Geschichte aus seiner Kindheit erzählte. Als er seinen ersten Fotoapparat mit etwa zehn bekam, und seine Mutter die Fotos ihres Sohnes sah, war sie überrascht, wie gut die getroffen waren und ermutigte ihn, über eine Karriere als Fotograf nachzudenken.

Oft stülpen Eltern längst gefasste Berufsvorstellungen über ihre Kinder, sie übersehen dabei besondere Talente und wollen einfach, dass es so wird, wie sie sich ein Berufsleben vorstellen. Ohne Zweifel ist man in den Berufen erfolgreicher, wo man auch Talent mitbringt. Andererseits gibt es Berufe, wo man sich nicht täglich beweisen muss, wo man routiniert seine Aufgaben erfüllen kann und sich wenig Sorgen um die weitere berufliche Existenz machen muss. Viele Eltern wünschen sich eher solche Berufe für ihre Kinder.

Fotograf ist nicht so ein Beruf. Da muss man sich ständig beweisen, selbst gegenüber Amateuren, die mit ihrem Smartphone bereits gute Ergebnisse erzielen können. So komme ich wieder zur schönen Mutter-Sohn-Geschichte. Wie viel Vertrauen muss eine Mutter in ihren Sohn haben, wenn sie ein Talent entdeckt und ihm rät, daraus etwas beruflich zu machen, wenn es um einen Job geht, wo man sich nur durchsetzen kann, wenn man wirklich gut ist?

Wenn jemand etwas erreichen will, dann benötigt er nicht nur Talent, sondern auch Selbstvertrauen und das bekommt man vor allem durch das Vertrauen der Eltern. So werden Kinder durch viel Vertrauen gestärkt und durch wenig Vertrauen geschwächt. Wissen das die Eltern?

Martin Jager ist jedenfalls ein Mensch voller Selbstvertrauen und wenn man sich seine Fotos anschaut, weiß man, warum. Er gewinnt nicht nur das Vertrauen seiner KundInnen, sondern auch zahlreiche Preise für seine Werke.

Wer glaubt, dass Selbstvertrauen und Talent reichen, um es im Leben weit zu bringen, der täuscht sich. Martin Jager erzählt nicht nur über die gute Schule, die er besucht hat, und die KollegInnen, die ihn inspiriert haben, sondern auch über das Handwerk, das er rund ums Fotografieren erlernen musste.

Wenn man Menschen und keine Sachen fotografiert, kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Es geht um Empathie und Vertrauen. Wenn man keine gute Beziehung zu den Menschen aufbaut, die man fotografiert, wird das Foto meist nicht gelingen. Dafür hat man in der Regel wenig Zeit, aber auch darin liegt eben die Kunst des Fotografen.

Wie man sieht, ist die Berufswahl komplex und wenn man einen künstlerischen Beruf wählt, wird es besonders komplex. Man kann alle Anforderungen schaffen und durchaus erfolgreich werden, wenn man das Glück hat, dass einem die Eltern nicht nur vertraut haben, sondern einem auch allerhand zugetraut haben. Und zwar genau dort, wo die Talente tatsächlich liegen.

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Martin Jager

Dr. Wolfgang Novak - der Kinderdoktor

Dr. Wolfgang Novak ist Kinderarzt und hat sich bewusst Kinderdoktor genannt. Sein Ziel war es, den Kindern den Schrecken vor der Medizin zu nehmen und auf Augenhöhe mit ihnen zu kommunizieren.

So setzte er sich mit ihnen auf den Boden, trug in seiner Praxis im Sommer eine kurze Hose und lief bloßfüßig herum. Die Kinder mochten ihn, und sie lernten ihm zu vertrauen, selbst bei den ungeliebten Impfungen.

Dafür muss man natürlich locker sein und das war Wolfgang Novak schon als junger Mensch, als ich ihn vor über 40 Jahren kennenlernte. Man ändert sich im Lauf der Jahrzehnte oft verblüffend wenig, wenn die Persönlichkeit passt.

Ich erinnere mich noch an eine fröhliche Party, auf der ich 1980 bei ihm eingeladen war. Wir waren damals noch Studenten, manche standen schon am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn. 1998 schrieb ich einen Artikel in meiner Zeitung über ihn, da er als Oberarzt eines renommierten Wiener Krankenhauses seine eigene Praxis eröffnete, und 2021 machten wir anlässlich seiner Pensionierung und der Schließung seiner Praxis einen Podcast. Im Rückblick ist die Zeit schnell vergangen, tatsächlich waren es viele arbeitsreiche Jahre, in denen Unglaubliches von ihm geleistet wurde.

Wolfgang Novak war in der Intensivmedizin tätig und spezialisierte sich in seiner Praxis auch auf die Betreuung von behinderten Kindern. So muss er viel Leid miterlebt haben.

Trotzdem hat er sich überhaupt nicht verändert. Er ist immer noch der liebevolle Familien- und Beziehungsmensch, der sportliche Draufgänger und die Frohnatur. Er steht in einem inneren Gleichgewicht, das nicht leicht aus der Ruhe gebracht werden kann.

Eine Begegnung mit ihm ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Meine Mutter war vor wenigen Tagen gestorben, und ich brachte ihren Rollstuhl zum Bandagisten zurück. Wolfgang war auch gerade dort, weil er für seine pflegebedürftige Mutter einkaufte. Wir mussten nicht viel reden, weil wir uns in der engen Verbindung zu unseren Müttern über alles klar waren. Mit seiner besonderen Ausstrahlung gab er mir aber in diesem Moment Energie, die ich dringend benötigte. Und so gelang es ihm in seinem Leben bestimmt oft, dass er Menschen in schwierigen Lebenssituationen helfen konnte.

Nach der Pension ist es natürlich noch nicht vorbei. Wolfgang Novak beschloss, bei einem anderen Kinderarzt zwei Nachmittage zu ordinieren, um seine PatientInnen weiter betreuen zu können.

Das nenne ich einen gelungenen Wechsel in die Pension. Für viele Menschen ist der harte Schnitt kein Problem, manche schätzen aber den gleitenden Übergang, in dem man sich langsam auf die neue Situation einstellen kann und die alte noch nicht ganz aufgeben muss.

2020 wurden wir beide beinahe gleichzeitig Großväter. Wir wissen, was das bedeutet, wenn aus den fröhlichen Studenten fröhliche Großväter werden, aber wir sehen das Alter nicht als Bürde, sondern als Geschenk, wo man jeden Augenblick genießt. Wer will schon ein Leben lang Student bleiben…

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Dr. Wolfgang Novak

Gertraud Sykora - unfassbar kreativ

Ist Kreativität eine Begabung oder kann man sie lernen? Sollte man ein Schulfach Kreativität anbieten? Gerade in der heutigen Zeit scheint Kreativität eine besonders wichtige Fähigkeit für junge Menschen bei der Berufsfindung zu sein, da man sich in Zukunft immer rascher auf neue Umstände möglichst gut anpassen wird müssen, um erfolgreich am immer enger werdenden Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Ich fürchte, dass Kreativität nicht erlernbar, sondern eine Begabung ist, die man mit viel Glück in seinen Anlagen geschenkt bekommt. Wer möchte den Gegenbeweis antreten und aus einem völlig unkreativen Menschen einen kreativen machen?

Superlative sollte man vorsichtig verwenden, ich muss aber trotzdem sagen, dass ich in meinem Leben keinen kreativeren Menschen als Gertraud Sykora kennengelernt habe. Sie war Blumenhändlerin und ihre Blumensträuße waren so eindrucksvoll und besonders, dass man wie bei einem typischen Bild von van Gogh sofort erkannt hat, wenn der Strauß vom Blumengeschäft Sykora kam.

Für sie war völlig klar, dass man Dinge miteinander verbinden muss. Geschäfte, die gegenüber sind in einem gezeichneten Bild, Produkte, die passen, sollten mit Blumen verbunden werden, Veranstaltungen wie Modeschauen können als Plattform für viele Firmen dienen und natürlich auch Märkte oder eine Zeitung.

Die Bedeutung von Dekoration war ihr nicht nur im Zusammenhang mit ihren Veranstaltungen klar, sondern ihr Geschäft selbst war bereits ein Kunstwerk.

Von ihr stammt auch das Konzept für die Weihnachtsbeleuchtung am Maurer Hauptplatz, die vor einigen Jahren für großes Aufsehen gesorgt hat. Kein Wunder, dass ihr guter Ruf so weit reichte, dass sie sogar einige Jahre Dekorationen bei den Salzburger Festspielen machte.

Es ist also keine Frage: Kreativität kann sehr hilfreich sein, wenn sie im Beruf benötigt wird und wenn man den passenden Beruf findet, der zur eigenen Kreativität passt. Und es ist wohl auch so, dass Kreativität bei der Suche und bei der Bewerbung nützlich ist.

Kreativität scheint tatsächlich ein Allheilmittel zu sein. Gertraud Sykora war nämlich ein sehr geschäftiger Mensch in ihrem Berufsleben. So veranstaltete sie neben dem Blumengeschäft auch große Events, die lange geplant werden mussten. Meine Frage im Podcast war nun, wie man als so vielbeschäftigter Mensch damit umgeht, wenn man in Pension geht und plötzlich nichts mehr zu tun hat. Und hier kam die wirklich verblüffende Antwort, auf die man bei längerem Nachdenken aber tatsächlich auch selbst leicht kommen hätte können.

Gerade für kreative Menschen ist es gar kein Problem, wenn die Berufszeit vorbei ist. Sie finden natürlich immer nette Beschäftigungen, die das Leben bereichern.

Somit scheint Kreativität die Lösung für viele Anforderungen im Leben zu sein. Könnte man sie vielleicht doch unterrichten oder in der frühen Kindheit irgendwie vermitteln? Über vieles wird zu lange nachgedacht, darüber zu kurz.

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Susanna Schön - bezauberndes Licht

Susanna Schön betrieb gemeinsam mit ihrem Mann ein Elektro-Geschäft. Während er und seine Mitarbeiter auf den Baustellen waren, mussten weitere Termine organisiert, Rechnungen und Angebote geschrieben und eben auch der Verkauf im Geschäft betreut werden.

Bei einem Geschäftsleutetreffen wurde die Idee besprochen, eine atemberaubende Weihnachtsbeleuchtung am Maurer Hauptplatz zu installieren. Es war so ein besonderer Augenblick, wo sich alle begeistert mitreißen ließen und eine gewisse Euphorie entstand. Auf den zahlreichen großen Bäumen am Platz sollten entlang der Äste Lichterketten montiert werden, was nur mit einer Hebebühne möglich war. Geld spielte plötzlich keine Rolle mehr, alle wollten mitzahlen und waren begeistert. Dieses denkwürdige Treffen war in einem September und nur Frau Schön war etwas nachdenklich. Sie sollte das alles in wenigen Wochen organisieren und dann mussten die Ketten auch noch montiert werden, was in der normalen Arbeitszeit gar nicht möglich war. So müsste das ihr Mann außerhalb der bereits ausgebuchten Arbeitszeit übernehmen, weil es zu teuer geworden wäre, wenn man dafür den Mitarbeitern Überstunden bezahlt hätte. Keine Kleinigkeit, bei jedem Wetter auf der Hebebühne zu stehen und die Ketten zu montieren. Gerade im November, wo es schon recht kalt werden konnte…

Bewundernswert war, dass die Firma Schön das alles geschafft hat: Die Ketten wurden rechtzeitig und in ausreichender Menge geliefert, sie wurden montiert und die notwendige Verkabelung für den Stromanschluss wurde ebenfalls rechtzeitig installiert. Das Ergebnis war überwältigend und wurde weit über die Grenzen Mauers bekannt.

Einige Jahre strahlten die Lichter in der Vorweihnachtszeit und es kam noch besser. Frau Schön wurde in den Vorstand des Geschäftsleutevereins gebeten und fand MitstreiterInnen, mit denen ein Weihnachtsmarkt am Maurer Hauptplatz organisiert wurde. Unzählige Menschen kamen, um den Markt in diesem wunderbaren Lichtermeer zu besuchen. Der Verein kaufte die Hütten und die meisten Geschäftsleute betreuten selbst den Verkauf am Markt, weil der Umsatz nicht so hoch war, um Personal zu finanzieren.

KünstlerInnen traten auf, Gewinnspiele wurden organisiert, und doch gibt es heute den Markt nicht mehr und auch die Weihnachtsbeleuchtung findet man nicht mehr in der damaligen überwältigenden Form.

Der Weihnachtsmarkt scheiterte nach einigen Jahren daran, dass die Menschen zwar gerne kamen, etwas aßen, aber doch nichts einkauften, und die Weihnachtsbeleuchtung wollten die Geschäftsleute, die weiter weg vom Hauptlatz ihr Geschäft hatten, nach über zehn Jahren nicht mehr finanzieren, weil die erste Euphorie einfach nachließ.

Trotzdem bleibt diese Weihnachtsbeleuchtung nicht nur eine schöne Erinnerung, sondern in dieser Form auch das Denkmal des Zaubers einer wunderbaren Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Kräfte, die für ein paar Jahre an einem Strang zogen.

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Manfred Jagsch - der Präsident

Ich kenne Manfred Jagsch, den Sohn des Papierhändlers, seit meiner Kindheit. Er ist wenige Jahre älter als ich und hat schon als junger Mensch im Geschäft ausgeholfen. Verkaufen gefällt mir und so gefallen mir auch gute Verkäufer, die ich sehr bewundere. Es war gar nicht so sicher, dass er dem Vater nachfolgen wird, als dieser aber unerwartet und früh starb, war es doch sicher.

Was macht einen guten Verkäufer aus? Da fällt einem natürlich zuerst Fachkompetenz ein. Wenn sich jemand nicht auskennt, wirkt er auf alle Fälle irgendwie fehl am Platz. Da liegt auch die große Konkurrenz der Online-Portale, wo man unzählige Bewertungen findet, meist Fake von guter Information leicht unterscheiden kann und so nach einiger Zeit (wenn man sich diese nehmen will) unvergleichlich gut Bescheid weiß. Ein längeres Beratungsgespräch im Laden kann hingegen schon stressig sein, vor allem, wenn andere bereits ungeduldig warten. Es ist auch die Frage, ob ein Verkäufer zu jedem Produkt tatsächlich so viele Aspekte überblickt wie in hunderten Bewertungen abgebildet sind.

Wenn man sich allerdings auf die Kompetenz des Verkäufers verlässt und dessen Autorität anerkennt, dann kann es sehr schnell gehen und man hat das Produkt seiner Wünsche, vor allem, wenn im Geschäft die notwendige Auswahl vorhanden ist.

Den guten Verkäufer macht daneben aber noch etwas anderes aus. Er findet rasch Kontakt zum Kunden, erkennt, was dieser braucht und kann in der Sprache des Kunden – also klar und ohne unnötige Fachbegriffe – kommunizieren. Verkaufen ist Kommunikation. Verkäufer, die das nicht erkennen, werden nie so erfolgreich sein wie die, denen das klar ist.

Wenn man in den Olymp der Verkäufer aufsteigen will, dann muss man auch noch ein Typ sein, der vielen sympathisch ist. Es gibt da keinen bestimmten Typ, und es wird wohl auch keinen geben, der allen sympathisch ist. Aber eben vielen. Ideal ist natürlich, wenn man sich nicht nur unterhalten kann, sondern wenn man auch unterhalten kann.

Schaut man sich dieses Profil in Ruhe an, erkennt man, dass es wirklich nicht leicht ist, ein guter Verkäufer zu werden, wobei ich der Überzeugung bin, dass man einige Skills dieses Berufs gar nicht lernen kann. Man wird kein guter Verkäufer, sondern man ist ein guter Verkäufer. Der Beruf ist komplex und wenn man es nicht im Blut hat, dann wird man über den Durchschnitt nicht hinauskommen.

Manfred Jagsch war ein guter Verkäufer. Er war auch ein guter Geschäftsmann, der richtig geplant und eingekauft hat, aber das soll hier nicht das Thema sein. Ein guter Geschäftsmann muss kein guter Verkäufer sein. So kommt es auch, dass er noch Jahre nach seiner Pensionierung immer noch gerne von den ehemaligen Kunden angesprochen wird, weil er ihnen einfach fehlt. Und so kam es auch, dass er seinerzeit von anderen Mitgliedern des Geschäftsleutevereins zum Obmann gewählt wurde und dass er mit einer gewissen Selbstverständlichkeit von allen als Herr Präsident angesprochen wurde.

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Friedrich Ammaschell - das Marketing-Genie

Friedrich Ammaschell ist gelernter Bürokaufmann, hat aber auch Marketing im Blut. Ich kann mich noch an Sitzungen des Geschäftsleutevereins erinnern, wo er monierte, dass man sich auf gleiche Öffnungszeiten in einer Geschäftsstraße einigen müsse. Das stieß bei manchen auf Unverständnis, gäbe es doch unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten, sodass die einen drei Stunden, die anderen eine und die dritten gar keine Pause machen wollten.

Auch wenn es um die Gestaltung der Auslagen ging, war es nicht einfach. Manche bemühten sich wöchentlich um neue Akzente, andere fanden das übertrieben und meinten, dass man auch ein Jahr lang oder länger die gleiche Auslage haben könnte. Die einen ließen das Licht in der Auslage schon um 19 Uhr ausschalten, die anderen erst um Mitternacht oder in der Früh.

Ein besonderes Problem waren die Gemeinschaftsaktionen, die von wenigen Geschäftsleuten mühsam organisiert wurden und wo es auch manchmal schwierig war, genügend Mitglieder zu finden, die sich auch aktiv beteiligten. Wenn sie sich dann doch überreden ließen, blieb noch das Problem, wie sie sich beteiligten. So gestaltete Friedrich Ammaschell die lange Nacht des Einkaufs in seinem Schuhgeschäft vorbildlich: Es gab Köstlichkeiten zu essen und eine Rabattstaffel, sodass man immer mehr Prozente bekam, umso später man kam. Andere hielten ohne Aktion einfach nur länger offen, waren enttäuscht, dass der erwartete Andrang ausblieb und schlossen das Geschäft dann einfach früher als angekündigt, weil “eh niemand gekommen ist”.

Kein Wunder, dass man da manchmal verzweifelte und der Unterschied zwischen Einkaufsstraße und Einkaufszentrum doch allzu bewusst wurde. Friedrich Ammaschell gab aber nicht auf, sondern organisierte noch größere Gemeinschaftsaktionen, wo man sogar ein Auto gewinnen konnte.

Seine unglaubliche Professionalität sprach sich bis zur Wirtschaftskammer herum, für die er bis heute noch tätig ist, um Schuhgeschäfte in ganz Österreich zu beraten.

Das Problem ist leicht erklärt. Auf der einen Seite gibt es die individuellen Interessen der einzelnen Geschäfte und auf der anderen Seite ein Gemeinschaftsinteresse einer Geschäftsstraße. Während Einkaufszentren wesentlich strenger organisiert sind und wenig Spielraum für individuelle Interessen lassen, ist das bei Einkaufsstraßen anders. Dort kann man zu nichts verpflichtet werden. Dieser Freiraum wird dann auch gerne ausgenützt, obwohl das dem Gesamtinteresse schadet und daher die Einkaufsstraße unattraktiver macht als sie sein könnte. Damit schadet man sich natürlich wieder selbst. Trotzdem wollen viele Geschäftsleute ihre individuellen Interessen nicht aufgeben, und sie wollen sich auch nicht schulen lassen, um wenigstens grobe Fehler zu vermeiden.

So spiegelt sich in der Geschäftsstraße ein allgemeines Lebensproblem wider: persönliche Freiheit verhindert Effektivität.

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Arno Mairitsch - traut sich was

Augen auf bei der Berufswahl! Wer sich für Technik interessiert, soll auch einen technischen Beruf ergreifen, dann wird wohl nichts schiefgehen. Arno Mairitsch, der sich in der Selbstanalyse bis 15 liebevoll als jugendlichen Technik-Nerd bezeichnet, war bei der Firma Bosch bestimmt gut aufgehoben.

Er wird wohl Mitte 40 gewesen sein, als er immer intensiver darüber nachdachte, ob er nicht doch seinen Traum leben sollte. Vielen passiert das. Man nennt das die Midlife-Crisis. Meistens geht sie vorüber wie ein längerer Schnupfen, keine nennenswerten Änderungen. Wer gibt schon gerne sein Sicherheitsnetz auf, überhaupt wenn man Familie hat und Verantwortung trägt? Das Netz sichert dich, aber es hält dich auch ein wenig gefangen.

Beginnen wir mit einem Kompromiss. Man geht weiter arbeiten und baut im Nebenerwerb eine kleine Firma auf, verkauft E-Bikes, die man in seiner Garage präsentiert. Solange man wenig Umsatz macht, geht es problemlos, wenn die Geschäftstätigkeit größer wird, kommt ein Punkt, wo man Anstellung und Selbstständigkeit nicht mehr parallel schafft. Man muss sich entscheiden. Familienrat.

In der Praxis wird es wohl viele Gespräche gegeben haben, für meine Geschichte stelle ich mir ein entscheidendes Gespräch vor. Was geht einem durch den Kopf, wenn man seiner Familie erklären will, dass man es wagen möchte? Wie reagiert die Familie, die vielleicht schon länger gemerkt hat, dass die Frage kommen wird? Will man den Ehemann und Vater ermutigen, seinen Traum zu verwirklichen oder will man als Bremser oder gar Verhinderer in die Familiengeschichte eingehen? Denkt man an die persönliche Sicherheit oder die Selbstverwirklichung des anderen?

Ich stelle mir solche existenziellen Entscheidungen aufregend, aber auch schwierig vor und bewundere die Menschen, die sich im Leben etwas getraut haben. Als Beamter mit 37 Dienstjahren ist man völlig fassungslos, wenn man von jemandem hört, der Anfang 50 alles auf eine Karte gesetzt hat, den sicheren Job aufgegeben hat und sich in die Selbstständigkeit gewagt hat.

Wenn man Arno Mairitsch im Podcast darüber sprechen hört, fallen drei Dinge besonders auf: Er ist von seiner fachlichen Kompetenz überzeugt, verfügt über viel Kraft, innere Ruhe und auch Humor mit einer gewissen Gelassenheit und er ist sehr optimistisch. Von all dem muss man wohl viel haben, wenn man so einen Schritt in diesem Alter noch wagt.

Der Erfolg gibt ihm recht. Nächstes Jahr muss er schon ein größeres Geschäftslokal beziehen, und er hat mit den E-Bikes wohl auch auf die richtige Karte gesetzt. Sie sind umweltfreundlich, man braucht nicht lang nach einem Parkplatz suchen und sie gehen verblüffend schnell, sodass der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt.

Das Wichtigste bei solchen Entscheidungen ist allerdings das Momentum. Man darf sie nicht zu früh treffen und irgendwann ist der Zug abgefahren, und es ist einfach zu spät. Dann schaut man nur verblüfft zurück und denkt sich: „Hätte ich doch…“

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Yoeddy Ramirez - der Weg zum Erfolg

Wenn man als Kubaner sein schönes Land liebt, aber doch erkennt, dass man sich wirtschaftlich niemals wunschgemäß entfalten wird, muss man eine Entscheidung treffen: Bleibt man oder geht man?

Yoeddy Ramirez ist gegangen und kam vor acht Jahren nach Österreich, hatte kein Geld, konnte nicht Deutsch und wollte doch im Leben etwas erreichen.

Mit einer gewissen Selbstironie erzählt er im Podcast, dass es für Kubaner als Einwanderer vor allem zwei Optionen gäbe: Gastronomie oder Tanzlehrer. Er wurde Tanzlehrer, machte sich aber doch Gedanken, was ihm das Leben noch bieten könnte.

Wenn man als Inländer über Ausländer spricht, stößt man sich zuweilen daran, dass sich Ausländer einer Nationalität im neuen Land zusammenschließen. Wenn man als Ausländer in ein fremdes Land kommt, sucht man gerade nach diesen Communitys, weil man dort Menschen trifft, die man versteht, die sich im Land bereits auskennen und die einem helfen können.

Vielleicht jemanden, der handwerklich arbeitet, den man begleiten darf, weil er gelegentlich Unterstützung braucht und von dem man auch Neues lernen kann? Jemanden, der einen inspiriert, einen völlig neuen Weg zu gehen?

Yoeddy Ramirez ist das passiert und man könnte sagen, dass er Glück gehabt hat. Ich denke, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens immer wieder Glück hat, es stellt sich aber die Frage, was man daraus macht. Entschließt man sich dann auch trotz noch schwacher Sprachkenntnisse Meisterprüfungen zu machen, gründet man eine Firma für Trockenausbau, mit der man sehr erfolgreich ist? Bekommt man eine Familie, weil man das Herz einer Einheimischen gewinnt? Schafft man es dann, Firmenstart und Familie unter einen Hut zu bringen und kann die Frau sogar auch in der Firma mitarbeiten?

Wenn man als Österreicher hört, dass Yoeddy Ramirez das alles exakt so geschafft hat, sagt man vielleicht gönnerhaft, dass er ein tüchtiger Mensch ist. Man nimmt dabei aber eine falsche Perspektive ein. Man muss sich vorstellen, dass man selbst ins Ausland geht, dort nicht die Sprache beherrscht und auch kein Geld hat. Man muss sich überlegen, wovon man dann leben wird und welche berufliche Entwicklung man erreichen wird. Welcher Mut gehört zu einem solchen Schritt, welches Selbstbewusstsein, dass man es auch unter diesen schwierigen Bedingungen schaffen wird und welche Hoffnung, dass es auch in der Fremde Menschen geben wird, die einen unterstützen werden, obwohl er ein Fremder für sie ist?

Wie stolz muss man sein, wenn man es dann tatsächlich geschafft hat! Wenn man sich daran freut, dass die eigenen Kinder zweisprachig aufwachsen und wenn man mit vollem Recht von sich behaupten kann, dass man sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat. Dass man die ungünstigen Start-Bedingungen des Lebens aus eigener Kraft gedreht hat und in Österreich beliebt ist, aber auch im Heimatland bei Besuchen herzlich empfangen wird.

Man sollte aufrichtige Bewunderung schon in der Schule lehren.

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Univ. Prof. Gottfried Gerstbach - der Zauber der Sterne

Es gibt wohl kaum jemanden, den ein klarer Sternenhimmel völlig unberührt lässt. Was denkt man, wenn man die vielen Lichtpunkte am dunklen Nachthimmel sieht?

Univ. Prof. Gerstbach ist mit 75 Jahren auch ein leidenschaftlicher Volksbildner und erzählt im Podcast etwas missmutig, dass er von Kindern bei seinen astronomischen Vorträgen meist nach den schwarzen Löchern gefragt wird und einige Mühe hat, ihnen klarzumachen, dass die sichtbaren Dinge eigentlich zunächst viel wissenswerter als die unsichtbaren sind. Er wäre zufrieden, wenn sie zunächst Sterne und Planeten unterscheiden könnten.

Das ist Wissenschaft, wie man sie sich besser nicht vorstellen kann: Es beginnt mit der genauen Beobachtung und dann analysiert man, was man gesehen hat. Die Analyse versucht man durch weitere Beobachtungen abzusichern.

So scheinen die Kinder auf den ersten Blick völlig unwissenschaftlich zu sein, weil sie sich von dem Geheimnisvollen, nicht Beobachtbaren angezogen fühlen. Man darf ihnen das auch nicht verdenken, liegt doch ein wesentlicher Aspekt jeder Ausbildung darauf, Menschen von unwissenschaftlichem zu wissenschaftlichem Denken zu leiten.

Solche Vorträge sind daher von unschätzbarem Wert, weil sie schrittweise dazu beitragen, die Welt im wahrsten Sinne des Wortes etwas klarer zu sehen. Jeder wissenschaftliche Fortschritt ist auch in dieser Haltung begründet.

Ich denke allerdings, dass die Kinder gar nicht so unwissenschaftlich sind wie sie scheinen. Liegt doch der Ursprung jedes wissenschaftlichen Denkens im Antrieb, Unerklärliches erklärbar zu machen. Das Unerklärliche hat die Menschen dabei immer besonders fasziniert und in frühen Zeiten haben sie sich noch die Mühe gemacht, Mythen zu erfinden, um es erklärbar zu machen. Heute sind wir schon etwas abgeklärter und sagen seit Wittgenstein vielfach, dass man über die Dinge schweigen soll, über die man nicht sprechen kann.

Nun wird das gerade im Rahmen der Astronomie nicht gemacht, sondern es werden ganz im Gegenteil eine Fülle von wissenschaftlich gut fundierten Büchern über die hochkomplexen Zusammenhänge im Universum geschrieben, wo man sich zuweilen auch mehr Dimensionen vorstellen muss als man denken kann und einiges auch noch durch Beobachtung belegt werden muss, was anscheinend schlüssig ist.

Es ist kein Wunder, dass Prof. Gerstbach die Augen der Kinder auf das völlig Klare und Verständliche lenken will, was sie auch tatsächlich in ihrem Alter verstehen können. Und es ist auch kein Wunder, dass die Kinder sich für das scheinbar Unerklärliche und Geheimnisvolle interessieren, da in ihnen offensichtlich dieser Grundantrieb des Menschen bereits fest verankert ist, der letzten Endes dann auch zum wissenschaftlichen Denken geführt hat. So ist es Idealisten wie Prof. Gerstbach zu danken, dass wir nicht nur bodenlos spekulieren, sondern auch lernen, auf festem Boden zu analysieren.

Wie schön, dass der Antrieb dafür der Zauber der Sterne ist.

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Manfred Wurm - Vertrauen siegt hoffentlich

Manfred Wurm war von 1995 bis 2012 Bezirksvorsteher von Liesing, und er machte damals eine neue Politik, die sogar in seiner eigenen Partei skeptisch gesehen wurde, von den BürgerInnen aber geschätzt wurde. Er setzte sich mit allen zusammen, die Ideen hatten, und fragte nie nach deren politischer Gesinnung.

Das war tatsächlich über alle Parteigrenzen hinweg noch neu, weil damals immer die erste Frage war: „Ist das einer von uns?“ Und wenn es keiner von uns war, dann war alles schwer bis unmöglich. Damals herrschte die Überzeugung, dass gute Ideen von politischen MitbewerberInnen verhindert werden sollten, weil sie der eigenen Partei schaden könnten.

Diese Haltung verhindert Gutes und nützt vielleicht tatsächlich der eigenen Partei. Der Parteisoldat ist damit zufrieden. Der engagierte Bezirkspolitiker, der ganz pragmatisch will, dass möglichst viele Menschen im Bezirk zufrieden sind, freut sich über gute Ideen, egal, woher sie kommen.

So kann Manfred Wurm in seinem Podcast auch über eine Fülle von erfolgreichen Projekten mit Bürgerbeteiligung sprechen, wobei er immer betont, dass ihn die politische Haltung der Ideenbringer nie interessiert hätte. Man hört trotzdem deutlich, dass Manfred Wurm ein überzeugter Sozialist ist, und er erzählt auch, wie er von seinem Elternhaus in diese Richtung geprägt wurde.

Wie unglaublich schön ist es, wenn jemand eine politische Überzeugung hat und niemanden verurteilt, der Demokrat ist und eine andere politische Überzeugung hat!

Dieser Stil wird in Liesing auch jetzt noch so gelebt. Es werden Brücken gebaut und keine Gräben gerissen. Der Geist, mit dem Manfred Wurm den Bezirk 17 Jahre regiert hat, lebt auch heute noch weiter. Diese Tatsache muss eigentlich für einen Politiker schöner sein als jedes Bauwerk, das saniert oder neu gebaut wurde, weil es nichts Wichtigeres gibt als eine gute geistige Haltung.

Was in der Bezirkspolitik funktioniert, klappt in der Bundespolitik derzeit gar nicht. Da lässt man sich offensichtlich von Spindoktoren beeinflussen, die ganz nach amerikanischer Prägung meinen, es genüge nicht mehr, die politischen Ideen der Mitbewerber zu zerstören, sondern man möge die Mitbewerber selbst zerstören. Was dabei offensichtlich in Kauf genommen wird: Das Vertrauen in die Politik wird ebenfalls zerstört.

Ich kann mich noch gut an die Zusammenarbeit mit Manfred Wurm erinnern, und ich weiß es auch von seinem Nachfolger Gerald Bischof: Es bestand immer Vertrauen, auch von den politischen MitbewerberInnen. Von diesem Vertrauen und dem Meinungsaustausch auf Augenhöhe ist unsere Bezirkspolitik bis heute geprägt. Das war nicht immer so und das wird vielleicht einmal nicht mehr so sein, wenn die handelnden Personen wechseln.

Manch einer fragt sich vermutlich, was der Sinn dieser Geschichte sein soll. Eine einzige Frage: Warum verstehen so viele PolitikerInnen oder deren Spindoktoren nicht, dass Vertrauen in der Politik am wichtigsten ist?

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Dr. Gurguta denkt an seinen Großvater

Der Titel dieser Geschichte ist lediglich eine Vermutung von mir. In einem Podcast gibt es für mich immer eine besondere Stelle. Dieser Eindruck ist natürlich subjektiv, meine Geschichte handelt davon.Dr. Gurguta erzählt über den Schlaganfall seines Großvaters, der nahe von ihm gewohnt hat und mit dem er daraufhin als Neunjähriger nach der Schule regelmäßig lange Spaziergänge gemacht hat, um ihm zu helfen.

Ein Kind hat natürlich nicht die Möglichkeit, eine Situation wirklich umfassend zu beurteilen. Schon gar nicht hat es die Kompetenz, tatsächlichTherapien vorzuschlagen oder sogar gezielt Genesungen zu bewirken. Der kleine Calin hätte seinem Großvater bestimmt gerne mehr geholfen, obwohl die bewiesene Liebe und Fürsorge und auch die umfassende Bewegungstherapie nicht unterschätzt werden dürfen.

Trotzdem könnte gerade in dieser Zeit schon der Wunsch entstanden sein, älteren Menschen mehr helfen zu wollen. War es ein Zufall, dass sichDr. Gurguta in seiner medizinischen Laufbahn besonders für ältere Menschen einsetzt?

Die oft zahlreichen Erkrankungen älterer Menschen sind komplex. Hat jemand zu hohen Blutdruck und verträgt das blutdrucksenkende Mittel nicht, wird er vielleicht schwindlig, stürzt und bricht sich ein Bein. War es trotzdem gut und richtig, das Medikament zu verschreiben?Sollen auch ältere Menschen unbedingt einen „passenden“ Blutdruck haben, auch wenn sie unter der medikamentösen Senkung extrem leiden? Dr. Gurguta sieht den alten Menschen ganzheitlich und lenkt seine Aufmerksamkeit darauf, dass man bei einer möglichst hohen Lebensqualität möglichst lange selbstbestimmt leben kann. Hier muss man viele Aspekte sorgfältig abwägen und sich in ausführlichen Gesprächen mit den PatientInnen ein klares Bild verschaffen.

Ich stelle mir diese einfühlsamen Gespräche vor, wo es darum geht, ob man jemandem mit erhöhtem Blutzucker jede Mehlspeise verbietet oder eben doch nicht, wo man ein starkes Medikament mit unangenehmen Nebenwirkungen verschreibt oder doch nicht, wo man jemandem sagt, dass es bald vorbei sein wird oder doch nicht. Für solche Entscheidungen ist nicht nur medizinisches Wissen notwendig, da braucht es mehr. So komplex die Krankheitsfälle sind, so komplex ist wohl auch die Verschreibung der richtigen Therapie.

Dr. Gurguta wird von seinen PatientInnen so geschätzt, weil er sich nicht nur viel Zeit nimmt, sondern auch ihre persönlichen Bedürfnisse im Auge behält. Er interessiert sich für ihre Geschichten, da er sich auch schon in der Schule nicht nur für die naturwissenschaftlichen Fächer begeistern konnte, sondern auch für Geschichte. Er hört alten Menschen gerne zu, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählen. Und so bin ich auch auf den Titel dieser Geschichte gekommen: Ich glaube, er denkt manchmal an seinen Großvater, wenn er mit den alten Menschen spricht, und er freut sich, dass er ihnen jetzt noch viel besser helfen kann als damals seinem Großvater.

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Walter Mohl - das Organisationstalent

Im Laufe des Podcasts mit Walter Mohl wurde mir bewusst, welch unglaubliche Bedeutung es hat, wenn man tatsächlich ein Organisationstalent ist. Diese Bedeutung geht viel weiter über die Organisation von Veranstaltungen hinaus als man zunächst denkt.

Aber beginnen wir beim Vordergründigen: Walter Mohl war 40 Jahre lang ein engagierter Lehrer, der an seinem letzten Schultag mit Tränen in den Augen nach Hause gegangen ist. Andere Lehrer organisieren vielleicht ein Fußballturnier an ihrer Schule, Walter Mohl machte das für ganz Wien, andere Lehrer gehen mit ihren Kindern im Sportunterricht laufen, Walter Mohl organisierte den Liesinger Volkslauf, mit dem er Massen über Generationen für das Laufen begeisterte, andere Lehrer freuen sich über Musikdarbietungen an der eigenen Schule, Walter Mohl organisierte Auftritte, wo Tausende Menschen im Publikum waren. Diese Liste ließe sich lange fortsetzen und man wundert sich, wie ein Mensch in einem Leben so viele Dinge auf die Beine stellen kann. Nebenbei betreute er noch dazu mit seinem Vater den Mohl-Verlag.

Seine Liebe zu Kindern bewies er auch in unzähligen Ferienlagern, wo er als Leiter für viele Kinder und BetreuerInnen verantwortlich war oder als Lehrer, der sich bereiterklärte, in eigenen Gruppen Flüchtlingskinder zu unterrichten und gleich auch deren Familien zu betreuen. Er spricht nicht von schwierigen SchülerInnen, sondern von SchülerInnen, die es nicht leicht gehabt haben. Das macht einen großen Unterschied.

Walter Mohl strahlt mit seinem freundlichen Gesicht und seiner fröhlichen Art die Liebe für andere Menschen aus. Für ihn ist vieles selbstverständlich, was für andere unvorstellbar wäre. So unterstützt er auch ein Projekt in Indien, wo er immer wieder selbst vor Ort ist und über mehrere Wochen Straßenkinder unterrichtete und Patenschaften für Kinder übernimmt.

Was macht uns glücklich und zufrieden? Natürlich ein guter Sinn im Leben und den hat Walter Mohl nun wahrlich in großem Umfang und so zeigt er auch eine überquellende Lebensfreude.

Was mir aufgefallen und sehr nachhaltig durch dieses Gespräch bewusst wurde? Das Organisationstalent von Walter Mohl manifestierte sich bei seiner Arbeit als Lehrer und Heimleiter im Umgang mit Kindern, als Manager, Förderer von Musikern und in seiner aufopfernden Hilfe für Flüchtlinge.

Dieses unglaubliche Organisationstalent kann er aber auch für sein eigenes Leben anwenden und so gelingt es ihm, zehn Jahre nach seiner Pensionierung immer noch ein erfülltes Leben zu genießen, das voller Sinn und Freude ist. Seine vielen Kontakte mit jungen Menschen lassen ihn selbst nicht alt werden und sein unglaubliches Engagement hält ihn fit.

Echtes Organisationstalent ist eine Begabung, die man kaum lernen kann. Das hat man oder nicht und die es haben, erkennen es meist schon recht früh. Wer es hat, kann es auf alles anwenden und es ist überall sehr nützlich. Vor allem bei der Organisation des eigenen Lebens.

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Kurt Nekula bringt Licht ins Dunkel

Kein origineller Titel, bezöge er sich nur auf Kurt Nekulas Tätigkeit als Präsident des Vereins “Licht ins Dunkel”.

Im Podcast hört man, dass er mit seiner Schulzeit gar nicht zufrieden war und genau das ein Grund dafür war, dass er selbst Lehrer geworden ist. Schule muss besser gehen! Schon mit 17 Jahren begann sein soziales Engagement und er betreute ehrenamtlich Kinder. Ich bin ja selbst Lehrer, habe aber nie außerhalb der Schule Kinder in anderen Organisationen betreut. Ich denke, das macht einen großen Unterschied. So lernt man, wie wichtig die Beziehungsebene ist, und es wird einem auch rasch klar, dass man in der Schule nicht “nur” unterrichten sollte, sondern auch als Erzieher tätig sein muss, wenn man wirklich erfolgreich sein will. Kurt Nekula hat das bei den Kinderfreunden und auch in Kinderdörfern gelernt.

All das wäre noch nicht sonderlich erwähnenswert, wenn Kurt Nekula Lehrer geblieben wäre. Da gibt es viele, die auch gute Erzieher sind. Er machte allerdings eine unglaubliche Karriere und wurde schließlich als Sektionschef der Abteilung 1 im österreichischen Bundesministerium für Unterricht der tatsächlich höchste Beamte im schulischen Bildungssystem und konnte gemeinsam mit seiner Ministerin Claudia Schmied zwischen 2007 und 2013 Reformen auf den Weg bringen, die unser Bildungssystem in Österreich nachhaltig geprägt haben. Das Motto im Ministerium war damals, dass man sich von der Anordnungskultur zur Beteiligungskultur bewegen muss, weil man dadurch eine neue Motivation in den SchulleiterInnen und LehrerInnen wecken kann, indem sie selbst Gestaltungsfreiheiten in einem gewissen Rahmen bekommen sollen.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass sich Kurt Nekula auch sehr für die Inklusionsidee eingesetzt hat, dass also behinderte Kinder mit nicht behinderten Kindern gemeinsam betreut werden sollen, dann erkennt man, wo ich mit der Lichtmetaphorik in dieser Geschichte hinkommen will.

Viele von uns wollen auf der Welt etwas verbessern und diesen Prozess der Verbesserung kann man als ein Aufhellen im Gegensatz zum Verdunkeln sehen. Kurt Nekula ist diese Aufhellung in vielen Lebensbereichen gelungen. Nicht nur in der Schule und im Ministerium, sondern auch bei den Kinderfreunden und in den Kinderdörfern. Er war auch einige Jahre lang bundesweiter Elternvertreter und hat in dieser Funktion viel Kritik an der Arbeit des Ministeriums geübt, sodass er seine Berufung dorthin im Scherz sogar mit der Idee in Verbindung gebracht hat, dass man ihn zum Schweigen bringen wollte. Tatsächlich aber hat man erkannt, dass ein kritischer Geist auch viel Gutes für das System leisten kann. Und das ist ihm gelungen, wie in seinem Buch über diese Zeit, das er kürzlich herausgegeben hat und in dem 60 Autoren Beiträge geschrieben haben, nachgelesen werden kann. Der schöne Titel: Auf dem Weg zu einer offenen, fairen Gesellschaft.

Und: Natürlich macht ihn all das zum besten Präsidenten für Licht ins Dunkel…

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Mark Klenk - ein Drache für Freude und Freiheit

Sein Gedicht „Kite“ veröffentlichte er – in 50 Sprachen übersetzt – in einem Buch. So darf man davon ausgehen, dass dem Autor die Botschaft wichtig ist.

Es erzählt davon, dass jemand einen Drachen steigen lassen möchte, der nicht der beste oder schönste sein muss, auf dem nicht das Gewicht der Welt lastet, sondern der die Menschen, die ihn sehen, lediglich mit Lachen und Leichtigkeit erfüllen will.

Ein schönes Bild für einen lyrischen Text, der vielleicht auch nichts anderes will. Gute Lieder können Schwere oder Leichtigkeit vermitteln und wollen zum Nachdenken anregen. Unser Leben ist manchmal schwer, manchmal leicht. Wie viel können und wollen wir von beidem nehmen? Der simple Spruch, dass die „Dosis das Gift macht“ kann nur hilfreich sein.

Wenn Autor*innen Texte schreiben, stellen sich Leser*innen manchmal die Frage, warum gerade dieser Text geschrieben wurde. Wurde etwas von der Seele geschrieben, für andere Seelen geschrieben oder ist es eine Kombination, da man einfach Seelenverwandte treffen möchte?

Mark Klenk erzählt im Podcast, dass er selbst durch schwermütige Lebensphasen gehen musste und so könnte man dieses Gedicht auch als einen Akt der Selbstbefreiung sehen, der andere ermutigen will, das Leben nicht zu schwer zu nehmen, indem man sich vom Wind tragen lässt.

Lyrik kann so zu einem wohltuenden Gegengewicht in einer Welt werden, wo die Medien überzeugt davon scheinen, dass man Quoten mit Krisen machen kann. Selbst beim Wetterbericht lässt man die Menschen schönes Wetter, das sonnig ist, nicht einfach genießen, sondern weist gerne darauf hin, dass es eben kein gutes Wetter sei, das regnerisch sein müsste. Die drohende Trockenheit wird als Bote des Klimawandels gesehen, der noch viel Schlimmeres erwarten lässt. Ist es regnerisch, werden Murenabgänge und Überschwemmungen befürchtet, die ebenfalls nichts Gutes verheißen und natürlich auch dem Klimawandel geschuldet sind.

Nun ist die Intention dieser Vorgangsweise klar und durchaus rechtschaffen. Man will die Menschen zum Umdenken anregen. Der Klimawandel ist unbestreitbar und wir sollten weniger mit dem Auto fahren, Flüge vermeiden, keine fossilen Brennstoffe beim Heizen benutzen und im besten Fall auch kein Fleisch essen. Viele schaffen diese Umstellungen aber einfach nicht, leben daher manchmal mit schlechtem Gewissen und können sich an Dingen nicht mehr wirklich erfreuen, die sie früher einfach genossen haben. Dieses Problem ist kaum lösbar. Dazu kommen Gesundheitskrisen und Kriege auf der Welt, die mit Sicherheit wirtschaftliche, vielleicht sogar existenzielle Bedrohungen bedeuten. Kann man das alles psychisch verkraften?

Wie schön und wohltuend ist es, wenn jemand in Zeiten wie diesen für einen Augenblick einen Drachen steigen lässt, der nur Freude und Freiheit schenken will. Ja: Dieses Gedicht muss auch in die Welt getragen werden – ein gutes Leben braucht Leichtigkeit, ohne dabei den Kopf in den Sand zu stecken.

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Robert Sattler - wenn der Vater mit dem Sohn

Es ist schön zu sehen, wenn Väter mit ihren Söhnen gut können.

Gelingt dieses Verhältnis, wurde viel richtig gemacht, und es lässt sich dabei kaum in Worte fassen, was man alles tun und unterlassen muss, damit Mann eine gute Beziehung zu seinem Sohn haben kann.

Manche Menschen haben einfach Empathie und müssen nicht viel reflektieren, andere beherrschen die Kunst des Liebens, wissen um Geduld und Nachsicht, kennen die Bedeutung von Achtsamkeit und Respekt und…

Das Rezept einer guten Beziehung hat endlos viele Zutaten und deshalb scheitern auch viele Familienratgeber, weil ein Mensch, der diese Eigenschaften nicht in sich trägt, sie kaum alle umsetzen kann, wenn man versucht, sie ihm zu vermitteln.

Im Podcast mit Robert Sattler spürt man schon nach wenigen Sätzen, dass er nicht nur ein wunderbarer Vater ist, sondern dass er noch mehr geschafft hat: ein Projekt mit seinem sechsjährigen Sohn Johannes.

Zunächst erzählte er seinem Sohn selbst erfundene Geschichten, deren Verlauf dann auch von Johannes mitbestimmt werden konnte. In einem nächsten Schritt beschlossen die beiden, die Geschichten als Podcast mit dem Namen „Backerbsen-Alarm!“ zu veröffentlichen. Sie waren erfolgreich und haben nun schon die zweite Staffel herausgebracht.

Das ist sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass Kinder meist keinen sonderlich langen Atem für Projekte haben, sind sie doch durch die Schule, Freund*innen und ihre persönlichen Hobbys bereits recht verplant. Ich glaube auch, dass es weniger wichtig ist, wie lange so etwas Außergewöhnliches zwischen Vater und Sohn verläuft. Es reicht, dass es stattgefunden hat und ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.

In diesem Fall muss die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn schon recht speziell verlaufen sein, wenn man auf Augenhöhe Geschichten bespricht und Änderungsvorschläge eines Sechsjährigen für einen Erwachsenen sehr willkommen sind. So verläuft Erziehung nicht immer. Oft hören die Eltern zu wenig auf die Kinder und pressen sie in das Schema, das nur ihrer Meinung nach für das Kind gut ist. Ganz anders macht das Robert Sattler: Diese früh gezeigte Wertschätzung muss sich auf das Selbstvertrauen seines Sohnes sehr positiv auswirken.

Auch die technischen Grundlagen eines Podcasts sind keine Kleinigkeit und ein guter Beitrag zur digitalen Grundbildung des Kindes, ganz zu schweigen von den Fähigkeiten, die ein junger Mensch übt, wenn er das Zeichen bekommt, dass die Aufnahme läuft, und er nun zu vielen Menschen möglichst fehlerfrei sprechen sollte.

Falls manche Väter nun verlegen werden und sich denken, dass sie das alles einfach nicht leisten können, muss das kein Grund zur Verzweiflung sein. Nicht jeder kann alles gleich gut, und man muss nur so oft wie möglich sein Bestes geben. Hat man selbst keine besonderen Talente, so sind zwei Zutaten für das oben bereits genannte Rezept einer gelungenen Vater-Sohn-Beziehung unverzichtbar: gemeinsame Zeit und bedingungslose Liebe.

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Ernst Paleta - der streitbare Visionär

Ernst Paleta ist Politiker, der keiner Partei zuzuordnen ist, sodass er kurzerhand eine eigene Partei gegründet hat. Das ist bemerkenswert, nützen doch viele Politiker*innen lieber bequeme Seilschaften und wollen sich die Haken für den Aufstieg nicht selbst schlagen.

Er kommt aus dem christlich-sozialen Lager, das spiegelt sich schon am Beginn des Podcasts wider, wenn er über seine Zeit als Jungschar-Führer in den sechziger Jahren spricht. In diesem Zusammenhang fand ich besonders bemerkenswert, dass er auch heute noch sehr herzlichen Kontakt mit seinen damaligen Burschen hat, die in der Zwischenzeit schon ältere Herren geworden sind.

Beziehungsfähigkeit ist eine wichtige Qualität im Leben. Wenn man das gut kann, wird das ganze Leben gut. Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern auch für den beruflichen Werdegang.

Ich bin überzeugt, dass Ernst Paleta neben seiner fachlichen Kompetenz auch eben diese Beziehungsfähigkeit nützlich war, als er in seiner 30jährigen Bank-Karriere und danach als selbstständiger Vermögensberater so erfolgreich war.

Wenn man dieses Talent in hohem Maß besitzt, ist es verführerisch, in die Politik zu gehen, um Dinge zu bewirken, die andere vielleicht nicht durchsetzen können. Seine natürliche Heimat war die ÖVP, da er aber streitbar ist und seinen Grundsätzen treu bleibt, trennte er sich von der Partei, war es doch eine Kleinigkeit für ihn, Mitstreiter*innen zu finden, die nun sein politisches Projekt unterstützen, wo er keine großen Konzessionen machen muss, wie das bei großen Parteien nötig ist.

Wenn man politisch tätig ist, muss man wahrgenommen werden. Der geniale Kommunikator schafft es, in den Bezirksmedien wesentlich präsenter zu sein, als man das von der Größe seiner Partei erwarten würde. Die Journalisten wissen, was sie an ihm haben, liefert er doch als Visionär laufend Ideen, die ausgezeichnete Grundlagen für interessante Artikel sind.

Wo liegt die Motivation für das Handeln, wenn die eigene Partei nur einen Sitz im Bezirksrat hat? Es muss die Freude an der Tätigkeit sein und da liegt auch ein wichtiges Konzept der Lebenskunst. Wenn man etwas mit Freude macht, reicht das schon, weil man ja Freude gehabt hat und was ist schöner im Leben als Freude?

Ein zweites Prinzip für ein gelungenes Leben ist Authentizität. Wer sich verbiegen muss, kann nicht wirklich glücklich sein. Ernst Paleta ist authentisch und das schätzen nicht nur seine Wähler*innen, sondern auch seine politischen Mitbewerber*innen, und so hat er selbst mit einer kleinen Partei ein gelungenes Leben.

Tatsächlich geht es in dieser Geschichte überhaupt nicht um Politik, sondern um Lebenskunst. Lehrer*innen für Lebenskunst gibt es überall. Man muss ihnen nur zuschauen und gut zuhören, wenn man die Möglichkeit hat, mit ihnen zu sprechen.

Ernst Paleta versucht aus allen Situationen im Leben das Beste zu machen. Ich habe viel aus dem Gespräch mit ihm gelernt. Die großen Weisheiten sind meist so einfach.

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Mathias Harzhauser - Humor ist wichtig

Mathias Harzhauser ist Paläontologe und leitet die entsprechende Abteilung im Naturhistorischen Museum in Wien. Das klingt auf den ersten Blick zwar interessant, aber nicht sonderlich lustig. Interessant deshalb, weil auch Dinosaurier eine Rolle spielen, beginnt doch für den Paläontologen die Geschichte erst mit dem Alter von 10.000 Jahren und geht dann Millionen Jahre zurück. Nun kann man ja jedes Kind für Dinosaurier leicht begeistern und auch Mathias Harzhauser hatte schon früh seine erste Dinosaurier-Sammlung. Zu Unrecht weniger interessant finden manche Menschen Steine, die als Fossilien so viel zu erzählen haben. Profis lesen in ihnen wie in Büchern über die Vergangenheit unseres Planeten.

Schon bei seinen Vorlesungen an der Universität dachte sich Mathias Harzhauser, dass die Inhalte nicht unwissenschaftlicher werden, wenn man sie manchmal auch humorvoll präsentiert. Und so macht er das zur Freude seiner Student*innen auch.

Da geht aber noch mehr: Mit dem kongenialen Thomas Hofmann hat er bereits einige Bücher herausgegeben, die nicht nur fachlich fundiert, sondern eben auch sehr humorvoll historische Themen behandeln, die manchmal, aber nicht immer, vom eigenen Fachgebiet handeln.

Seine Vorträge über die Bücher sind unglaublich kurzweilig, da sie lehrreich und doch auch unterhaltend wie ein Kabarett sind. Woher kommt diese Lustigkeit? Sind das Gene, ist es die Erziehung durch die Eltern, spielt der Freundeskreis eine Rolle? Ich weiß es nicht! Wir alle wissen, dass es Menschen gibt, die sehr gut unterhalten können und andere, die man als eher langweilig bezeichnet. Bei dieser Unterscheidung fragen wir eigentlich nie nach dem Warum.

Humor ist wichtig. Das spürt man in privaten Beziehungen, wo humorvolle Menschen leichter Partner*innen oder Freund*innen finden und auch im Berufsleben, wo Humor meist nützlich ist, wenn man jetzt einmal von Bestattungsunternehmen absieht.

Es heißt ja, dass Lachen gesund ist und daher kommt es vermutlich auch, dass Veranstaltungen gern besucht werden, wo man lachen kann und darf. Wenn jemand wirklich lustig ist, hat er gewonnen. Das gilt nicht nur im Film und im Theater, sondern auch bei Büchern oder eben Vorträgen.

Lustige Menschen sind so begehrt, weil es sie selten gibt. Nichts ist schlimmer, als jemand, der lustig sein will und es tatsächlich nicht ist. Erst dann kommt der Fade, der nicht merkt, dass er fad ist. Die meisten Menschen sind normal – das liegt ja schon im Sinn des Wortes. Also weder sonderlich lustig, noch zum Sterben fad.

Es ist sehr schwierig, lustige Texte zu schreiben oder auch nur zu sagen. Da gibt es die Gag-Schreiber, die Moderatoren helfen oder eben Autoren mit längerem Atem, die ganze Bücher schreiben, wo sich der Humor wie ein roter Faden durchzieht.

Mag sein, dass ich in diesem Text den Wissenschaftler Mathias Harzhauser zu wenig gewürdigt habe. Gute Wissenschaftler gibt es aber viele, nur wenige sind humorvolle gute Wissenschaftler.

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Gerald Netzl - Tränen in den Augen

Jeder Podcast hat seine besonderen Momente, wo Wahrhaftigkeit und Gefühle sich plötzlich verdichten und die Hörer*innen nicht nur berührt werden, sondern auch etwas mitgeteilt wird, das die jeweilige Aufnahme besonders macht.

Bei Gerald Netzl war einer dieser Momente, als er über das Schicksal des Mädchens Hedy Blum erzählte, die 1942 kurz vor ihrem elften Geburtstag ermordet wurde. Der engagierte Geschichtsforscher und Antifaschist recherchiert in diversen Archiven, um Opfer des Nationalsozialismus aus seinem Wohnbezirk zu finden, damit er dann Gedenksteine für sie verlegen lassen kann. Nach Hedy Blum wurde einige Zeit später auch ein Weg in Liesing benannt. Sogar auf Wikipedia gibt es einen Artikel über sie.

All das ist Gerald Netzl zu verdanken, der im Klassenbuch der Volksschule Atzgersdorf ihren Namen entdeckte. Wissenschaftliche Forschung und persönliche Betroffenheit müssen sich eigentlich ausschließen. So wie ein Arzt kann auch ein Historiker nicht über jeden Todesfall persönlich trauern, weil man das einfach nicht aushält. Distanz ist in diesem Fall ein reiner Selbstschutz.

In besonderen Momenten passiert es dann aber doch. Gerald Netzl hat selbst Töchter und kann sich das persönliche Leid einer Elfjährigen, die zunächst aus ihrem Klassenverband in eine Judenschule versetzt wird und dann deportiert und ermordet wird, gut vorstellen.

Wenn wir in der Kriegsberichterstattung in den Hauptnachrichten von einigen Toten, hunderten Toten oder auch tausenden Toten hören, können wir das Abendessen meist problemlos fortsetzen. Wird das Schicksal von einem Menschen beleuchtet und lernt man diesen dadurch etwas näher kennen, steigt die Betroffenheit.

Gerald Netzl hat das mit diesem Moment geschafft. Es ist eine unfassbare Ungerechtigkeit, wenn durch Krieg und Verfolgung auch nur ein Mensch sein Leben verliert. Das vergessen die politisch Verantwortlichen gern, wenn sie Waffen in Kriegsgebiete liefern oder überhaupt Fäden ziehen, die in einen Krieg führen.

Es werden dann nicht nur meist junge Soldaten gezwungen, bewaffnet aufeinander loszugehen, es wird auch das Leben von Zivilisten, die oft gar nichts vom Krieg wissen wollen, zerstört.

Die Geschichtsforschung zeigt all die Missstände akribisch auf, die in verhängnisvolle Kriege geführt haben. Sie bemüht sich im Idealfall um Sachlichkeit und Objektivität.

Obwohl ich selbst Lehrer für Geschichte bin, gefällt mir aber die persönliche Betroffenheit viel besser. Sie lehrt uns nämlich, dass sich hinter all den Zahlen und Statistiken Menschenleben verbergen. Menschen, die wie wir gern gelebt hätten, um zu lachen, zu weinen, nachzudenken, Fehler zu machen und zu lernen.

Krieg kann durch echte Betroffenheit, wie sie uns Gerald Netzl gezeigt hat, verhindert werden. Sie muss in unseren Herzen so groß werden, dass auch die ärgste Propaganda an ihr abprallt.

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Elisabeth Schrattenholzer – Künstlerin

Kunst ist ein seltsames Wort. Einerseits liefert es eine klare Botschaft, weil es ja mit Können zusammenhängt, somit muss eine Künstlerin, ein Künstler etwas – was auch immer – besser können als andere. Genauer gesagt, viel besser. Andererseits leitet man auch abwertende Bezeichnungen wie gekünstelt und künstlich von Kunst ab, aber auch positive wie kunstvoll.

Manche Menschen bezeichnen sich selbst als Künstler, wo sich andere nicht sicher sind, ob diese tatsächlich Künstler*innen sind. Es ist ein wichtiger Teil der Diskussion über Kunst, was man als Kunst bezeichnen darf und was eben keine Kunst ist. Warum ist Elisabeth Schrattenholzer meiner Meinung nach eine Künstlerin?

Elisabeth Schrattenholzer kann tatsächlich vieles gut. Ihre Liebe zum Wort spiegelt sich in ihren Reflexionen über Sprache, aber auch in der Lust, in literarischen Werken neue Wörter zu bilden. Im Titel ihres ersten Romans bündelt sie das zur Aussage: “Ich habe das Wort so gern”.

Liebt man das Wort wirklich umfassend, dann will man es nicht nur gut schreiben, sondern auch gut sprechen können. Wohl aus diesem Grund unterrichtete Elisabeth Schrattenholzer an verschiedenen Universitäten nicht nur zu den Themen Poetik, Kommunikation und Macht der Sprache, sondern auch Sprechen. So konnte sie das Wissen aus ihren Schauspielerfahrungen weitergeben.

Im Podcast betont sie die “Wirkmacht” der Sprache; sagen Menschen doch so vieles ohne zu bemerken, was sie damit auslösen. Ihrer Meinung nach gehen die meisten von uns viel zu unvorsichtig mit Sprache um.

Auch diese Zeilen wird die überzeugte Feministin mit Stirnrunzeln lesen, da sich nicht überall eine geschlechtsneutrale Bezeichnung findet und so wird der Autor dadurch schon als Kind des Patriachats entlarvt, auch wenn er sich redlich – und eben manchmal erfolglos – um eine Befreiung von überholten Normen bemüht.

Die verwendete Sprache und die Art des Sprechens offenbaren viel Wahrheit. Im Was kann man vielleicht täuschen, im Wie ist das nicht so einfach. Der Klang der Stimme, in dem sich die Sprechhaltung, der sogenannte Subtext äußert, oder die einzelnen Wörter und Sätze, die ein Mensch verwendet, vermitteln vielerlei zusätzliche Botschaften und Impulse.

Elisabeth Schrattenholzer will ein stärkeres Bewusstsein für die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten zur Weltgestaltung mittels Sprache schaffen. Sie leidet nicht nur unter der Verrohung, sondern bedauert auch, dass durch Vereinfachung der Sprache das komplexe Instrumentarium des Denkens, des präzisen Ausdrucks und letztlich der Weltgestaltung beschädigt wird.

Ihre Wachsamkeit gilt vor allem den in Sprache gegossenen Ungerechtigkeiten. Diese gehören geändert. Sie verankern zum Beispiel immer noch die Vorherrschaft des Männlichen  in unserem Zusammenleben. Durch Verändern von Sprachungenauigkeiten kann viel zur Befreiung von Unrecht erreicht werden. – Auch das ist eine Kunst.

Bearbeitet von Elisabeth Schrattenholzer

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Wolfgang Mastny - Beruf und Berufung

DI Wolfgang Mastny ist ein zufriedener Mensch. Das bemerkt man gleich im Podcast mit ihm. Die Säulen der Zufriedenheit stehen in seinem Leben prächtig, lebt er doch mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Haus am Stadtrand mit einem herrlich gepflegten Garten, und sein Arbeitsplatz ist einer der schönsten, den man sich vorstellen kann, das Schloss Laxenburg mit seinem einmaligen Schlosspark, für dessen Gestaltung er zuständig ist. Da geht es nicht nur um die gartengestalterischen Aspekte, sondern auch um historische Fragen, da der Park in seiner Tradition erhalten werden muss.

Nun hat Wolfgang Mastny zwei leidenschaftliche Hobbys, nämlich die Gestaltung seines eigenen Gartens und die Geschichte seines Wohnortes Mauer im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing und tatsächlich decken sich somit diese Hobbys in wunderbarer Weise mit seiner beruflichen Arbeit. Wer kann das von sich schon in gleicher Weise sagen?

Er ist auch Obmann der Maurer Heimatrunde, wo er mit Gleichgesinnten zusammenarbeitet und zweimal im Monat den Vereinssitz für Interessent*innen öffnet, um mit anderen Menschen einen Austausch über die Maurer Geschichte zu ermöglichen. Er hält Vorträge zum Thema, die er gewissenhaft vorbereitet und die in Doppelveranstaltungen angeboten werden müssen, weil so viele Besucher*innen kommen. Somit ist die soziale Säule seines Lebens ebenfalls bestens aufgestellt.

Sein Leben muss er sorgfältig planen, da er Familie, Beruf und Hobbys in einen guten Einklang bringen will, was ihm offensichtlich gelingt.

In meinen Geschichten über Menschen gehe ich ja immer wieder der Frage nach, wie man ein gelingendes Leben schafft. Ohne Zweifel braucht man dafür Glück, das schon mit der Gesundheit beginnt, dann kommt die Erziehung und zuletzt werden noch ein paar Zufälle benötigt, die man als Glücksfälle einfach beim Schopf packen muss.

Überraschend viel hat man aber immer noch selbst in der Hand: Man muss das Momentum des Glücksfalls erkennen und dann wirklich dranbleiben, damit man nicht später eingestehen muss, dass man zu zögerlich war und dadurch etwas verpasst hat. Das ist wesentlich komplexer, als man auf den ersten Blick vielleicht glaubt, und dort liegt vermutlich eine sehr wichtige Quelle der anhaltenden Zufriedenheit im Leben.

Weniger komplex scheint die relativ einfache Regel, dass man einen Beruf wählen sollte, der auch den persönlichen Neigungen und Talenten entspricht, weil man dann jeden Tag gern arbeiten geht. Was man bei manchen Sänger*innen schmerzlich hört, ist leider nicht so selten der Fall: Manche Menschen erkennen nicht, wo ihre Talente liegen und – viel wichtiger – wo sie keinesfalls liegen.

Hört man den Podcast mit Wolfgang Mastny, dann merkt man, dass er viele dieser Hürden meisterhaft genommen hat und damit auf allen nur möglichen Ebenen ein gelungenes Leben führt. Wird einem dann auch bewusst, wie schwierig das ist, spürt man keinen Neid, sondern einfach nur Wertschätzung.

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Michael Frankenstein - Musiker und mehr

Musiker*innen haben besondere Begabungen, die wohl jeder gern hätte. Richtig singen, dazu ein Instrument wirklich spielen können, das hat etwas. Musik kann spontan Menschen miteinander verbinden, die sich gar nicht kennen. Sie schafft eine Nähe.

Michael Frankenstein ist ein Musiker. Er spielt mehr Instrumente als ich mir merken kann und überhaupt kenne, er kann gut singen, leitet Chöre und tritt mit unterschiedlichen Ensembles gern vor Publikum auf.

Er ist aber auch ein Pädagoge, der seine Schüler*innen und Student*innen wirklich begeistern kann und das nicht nur für Musik, sondern – man höre und staune – auch für Mathematik.

Ein besonderes Ereignis im Schuljahr ist das Abschlusskonzert seiner Klassen, wo auf der Bühne im Festsaal gespielt wird, und er nicht nur für den Einsatz sorgt, sondern immer wieder auch mitspielt. „Da gibt es dann keinen Lehrer mehr, nur noch Musiker*innen, die gemeinsam spielen“, erzählt er im Podcast.

Auf dieses gemeinsam Projekt wird im Laufe des Schuljahrs immer wieder hingearbeitet und es muss sehr aufregend und unvergesslich für die Schüler*innen sein, wenn sie vor großem Publikum auf der Bühne stehen. Eine bessere Schule fürs Leben kann es kaum geben. Welcher Auftritt bei einem Vorstellungsgespräch oder auch im späteren Berufsleben könnte größer sein? Wer vor hunderten Menschen singen und ein Instrument spielen kann, der kann wohl jeden späteren Auftritt, wo man vielleicht auch nur sprechen muss, problemlos meistern.

Dieser pädagogische Gedanke ist natürlich wichtig, besser gefällt mir aber etwas anderes. Wenn Lehrer*innen mit Schüler*innen gemeinsam auf Augenhöhe musizieren, hat man etwas Wesentliches geschafft: eine Gleichstellung.

Nun werden manche denken, dass doch ein Lehrer immer ÜBER den Schüler*innen stehen muss, da er ihnen ja etwas beibringt und wenn er diese Position verliert, hat er auch keine Funktion mehr.

Tatsächlich ist es meiner Meinung nach so, dass gute Lehrer*innen ihren Schüler*innen Leitern aufstellen, über die sie zum Lehrer aufsteigen und dann im Idealfall auch über ihn hinauskommen.

Das gemeinsame Konzert ist ein Aufstieg und es gibt nicht viele Unterrichtsfächer, wo man das so schön zelebrieren kann. Oft unterschätzt wird an der Schule die Bedeutung von Selbstvertrauen. Manche Lehrer*innen und auch Eltern zerstören sogar erste Zeichen eines langsam sich bildenden Selbstvertrauens in den Kindern. Das Gegenteil sollte der Fall sein und gerade das geschieht eben auf der Bühne. Das Selbstvertrauen nach solch einem gelungenen Auftritt MUSS größer als vorher sein und dadurch wurde mehr erreicht als durch so manche reine Wissensvermittlung.

Von besonderer Bedeutung für einen guten Unterricht ist natürlich die Beziehungsebene zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen. Die wird zusätzlich durch einen gemeinsamen Auftritt besonders gefördert: Lampenfieber, Adrenalin, Applaus – das gibt es kaum in einem anderen Fach in dieser Stärke.

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Andreas Hajek - der „echte“ Kassen-Profi

Profi ist ein großes Wort, das Eindruck macht. Profession ja nicht, das bedeutet einfach Beruf, die Verkürzung dann viel mehr. Dabei hängen Profession und Profi wohl auch zusammen. Das zeigt sich im Sport, wo sich die Profis von den Amateuren genau dadurch unterscheiden, dass für sie Sport nicht nur ihr Hobby, sondern eben ihr Beruf ist. Ein Profi-Sportler wird in der Regel auch immer besser als ein Amateur-Sportler sein. So ist es auch im Handwerk, wo man von den Professionisten und den Heimwerkern spricht.

Andreas Hajek bezeichnet sich im Podcast mit gutem Recht als Kassen-Profi, beschäftigt er sich doch schon seit bald 30 Jahren mit Registrierkassen. Und er ist ein „echter“ Profi. Was unterscheidet einen „echten“ Profi von einem Profi?

Durch den Beruf und die Dauer der Beschäftigung wird man zum Profi, aber eben nicht unbedingt zum „echten“ Profi. Da braucht es noch mehr. Man benötigt viel Liebe und Interesse für seinen Arbeitsbereich, man muss sich meiner Meinung nach auch selbstständig machen, um alle Bereiche der Tätigkeit von verschiedenen Seiten erleben zu können. Ich denke, dass der Profi immer für das Neue aufgeschlossen bleibt, damit er wesentliche Entwicklungen nicht verpasst.

Ein „echter“ Profi ist mutig und geht immer wieder an die eigenen Grenzen.  Er muss für sein Projekt viel Zeit investieren, wodurch mitunter anderes vernachlässigt werden könnte. Das ist wohl der Preis für den „echten“ Profi, dass er mit so viel Leidenschaft bei der Sache ist, dass anderes zu kurz kommen könnte. Diese Konzentration halte ich für eine Voraussetzung von Erfolg. Ausnahmen bestimmen ja immer die Regel, meistens steckt aber dann doch viel Aufwand hinter wahrer Professionalität. Diese Gesetze gelten in allen Lebensbereichen: Für den Kassen-Profi gilt das Gleiche wie für den Künstler, der manchmal seine Ziele verfolgt, ohne dabei nach links oder rechts schauen zu können.

Ich habe vor allen Profis den größten Respekt, weil ich diesen Aufwand in meinem Leben nie betrieben habe, wobei man sich ja auch nicht sicher sein kann, ob sich dann tatsächlich der gewünschte Erfolg einstellen würde. Deshalb sind Profis mutig, weil sie dieses Risiko eingehen. Und die Voraussetzung dafür ist schon Selbstvertrauen, dass dann auch noch be- und gestärkt wird, wenn sich der Erfolg tatsächlich zeigt. Deshalb haben „echter“ Profis auch diese Sieger-Ausstrahlung und ein gutes Charisma.

Ganz anders geht es den Menschen, die diesen Aufwand auch auf sich nehmen und nie erfolgreich sind. Ihr Selbstvertrauen muss etwas geknickt sind und ihr Charisma kann nicht so gut sein.

Die meisten Menschen leben so wie ich ohne großes Projekt, das viel Mut benötigt hätte. Manche versuchen sich diese Umstände mit Ausreden zu rationalisieren, besser ist es, wenn man sich einfach eingesteht, dass man den großen Mut nicht hatte und sich dabei aber trotzdem liebt.

Die „echten“ Profis darf man bewundern, so wie Andreas Hajek, der über 1000 Kunden hat …

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Chris Lohner - ein erfolgreiches Leben

Ich konnte nicht anders. Im Podcast musste ich Chris Lohner erzählen, dass ich all das erreichen wollte, was sie erreicht hat, und in allen Belangen leider gescheitert bin. Ich bewarb mich beim ORF 1978 als Moderator mit einer Kassette und mir wurde mitgeteilt, dass ich keine „angenehme Stimme“ hätte. Ich schickte damals auch Texte an viele Verlage, bekam überhaupt nur eine einzige Antwort, wo stand, dass es noch lange dauern würde, bis ich einen „guten Text“ schreiben könnte. Ich wollte Schauspieler werden, wurde aber von der Schauspielschule nicht einmal aufgenommen.

Nun saß ich ihr gegenüber, die als Modell in den 60er Jahren sehr erfolgreich war, in den 70er Jahren als Fernsehsprecherin zum Gesicht der Nation wurde, als Schauspielerin und Kabarettistin bis heute erfolgreich ist und noch dazu eine Bestseller-Autorin ist. Und man muss es immer erwähnen: Sie ist natürlich auch die Stimme der Nation, das wissen alle, die mit der ÖBB fahren und ihre Stimme bei den Zugansagen einfach nicht missen wollen.

Warum hat ein Mensch so viele Talente und andere gar keine? Das ist eine von vielen grundsätzlichen Schicksalsfragen, die sich Menschen stellen können. Dazu gehört auch die Frage, warum bin ich in diese ungünstige Umgebung hinein geboren worden und andere in eine so günstige.

Nun komme ich auch schon zum Punkt: Chris Lohner hat aus einem ganz anderen Grund ein wirklich erfolgreiches Leben. Sie unterstützt schon seit Jahrzehnten Menschen, denen es nicht so gut geht. Zwanzig Jahre lang war sie für „Licht in die Welt“ tätig und hat damit dazu beigetragen, dass Tausende Menschen in Afrika wieder sehen konnten, die sonst blind geblieben wären und jetzt arbeitet sie für „Jugend Eine Welt“, um Straßenkinder zu unterstützen.

So waren es dann auch genau diese Themen, die mich im Podcast besonders fasziniert haben. Wie gut muss man sich fühlen, wenn man so viele Erfolge in unterschiedlichsten Bereichen hat wie Chris Lohner, wie viel besser muss man sich aber noch fühlen, wenn man vielen Menschen so sehr helfen kann, dass ihr Leben eine entscheidende Wendung nimmt.

Ich bin auch überzeugt davon, dass die besondere Ausstrahlung von Chris Lohner nicht wegen der vielen Erfolge in ihrem Berufsleben kommt, sondern wegen der Hilfe, die sie anderen gibt. Mit ihrem großen Selbstbewusstsein scheut sie auch nicht davor zurück, allen Menschen Vorwürfe zu machen, die nicht helfen, aber helfen könnten. Man muss ja nicht gleich wie sie in einer Organisation mitarbeiten, könnte aber doch wenigstens etwas spenden, damit geholfen werden kann. Es muss einem Menschen, der selbst aktiv hilft und viel Zeit dafür investiert, völlig unverständlich sein, dass andere nicht einmal eine Geldüberweisung mit wenigen Sekunden Arbeitsaufwand leisten wollen oder das wenige Geld, das für eine Spende schon reichen würde, lieber für Sinnloses und Ungesundes investieren.

Ja, alle, die anderen Menschen helfen, sind so erfolgreich wie Chris Lohner.

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Deniese Jesch - die Kinesiologin

Im Podcast mit Deniese Jesch spüre ich gleich ihre positive Ausstrahlung und denke mir: Sie nützt also, die Kinesiologie.

Wenn jemand anderen Lebenshilfe anbietet, ist es für mich ein wichtiges Kriterium, dass sich dieser Mensch auch selbst helfen kann. Ich weiß gar nicht, ob ich damit richtig liege, ich glaube es einfach.

Deniese Jesch erzählt im Podcast, dass sie tatsächlich selbst ähnliche Probleme wie manche ihrer Patient*innen hatte und diese mithilfe der Kinesiologie gut bewältigen kann. Ich halte es für das Verständnis von anderen Menschen für förderlich, wenn man selbst in ähnlichen Situationen war. Oft ist beispielsweise ein Lehrer empathischer, der selbst auch manchmal Probleme in der Schule hatte, als ein anderer, der immer Vorzugsschüler war. Natürlich bestätigen auch hier wie überall Ausnahmen die Regel.

In der Psychologie und Psychiatrie ist es nicht anders. Das natürliche Interesse am Fach entstand bei vielen deshalb, weil sie selbst psychische Probleme hatten.

Auch heute noch hat Deniese Jesch Ängste, mit denen sie umgehen lernen muss. Wenn ihre Töchter reiten gehen, macht sie sich Sorgen, dass etwas passieren könnte. Diese Sorgen um die Kinder kennen viele Menschen, besonders wenn sie riskante Sportarten ausüben. Beim Minigolf passiert einfach seltener etwas als beim Reiten. Kluge Eltern wissen, dass man seine Kinder trotzdem nicht davon abhalten soll und dass man sich mit seinen Sorgen selbst auseinandersetzen muss und nicht die Kinder damit belasten darf.

Die Kinesiologie bietet Methoden, wie man mit Ängsten und Sorgen umgehen kann. Der Besuch beim Kinesiologen kann dem Leben eine gute Wendung geben. Hier liegt auch die Qualität dieses Berufs. Wie schön muss es sein, wenn man von Menschen mit Problemen besucht wird, die einen dann erleichtert und zufrieden verlassen. In abgeschwächter Form gilt das natürlich für alle Berufe, besonders ist es aber nur bei speziellen Berufen. So ändert sich mein Leben nicht so nachhaltig, wenn ich mir eine Pizza kaufe. Wenn ich aber jemanden von Ängsten befreien kann, darf ich schon sehr stolz sein.

Man schreibt es nieder und hinterfragt es gleich wieder. Vermutlich kann der Pizzabäcker genauso stolz sein wie der Kinesiologe. Der eine zaubert ein Leuchten in die Augen der Kinder mit seiner Pizza, der andere mit seiner Therapie, durch die das Kind sich dann vielleicht wieder besser weiterentwickeln kann. In beiden Fällen spielen Glück und Zufriedenheit eine wichtige Rolle.

Deniese Jesch studierte zunächst Wirtschaft und arbeitete dann auch in diesem Bereich. Sie entdeckte erst später ihre Neigung für die Kinesiologie. Dieser Mut, noch einen neuen Weg zu gehen und das zu machen, was man wirklich liebt, ist bei vielen der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Egal, ob Pizza oder Kinesiologie, Liebe und Leidenschaft sind immer gute Verbündete auf dem Weg zum beruflichen Erfolg.

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Ernst Berger - der Journalist

Im Podcast mit Ernst Berger fällt sofort auf, dass er ein Sprachkünstler ist. Schreiben ist ihm lieber als Sprechen, er spricht aber so gut wie er schreibt.

Für mich ist Journalist keine Berufsbezeichnung, sondern ein Titel, der einem verliehen werden kann. Nicht jeder, der in einer Zeitung schreibt, verdient meiner Meinung nach diesen schönen Titel. Es kommt natürlich darauf an, wie man schreibt, aber es ist auch von großer Bedeutung, was man schreibt.

Ernst Berger beherrscht das Wie und das Was. So ist die Lektüre seiner Artikel ein besonderes Vergnügen, da allein sein schöner Stil schon aus dem Schreib-Allerlei vieler Zeitungen herausstrahlt, wo oft nur noch APA-Meldungen vervielfältigt werden. Dabei kann nur ein guter Satz den Tag schon besser machen.

Bezaubernd ist auch der Gegenstand von Bergers Artikel. Oft sind es Menschen, die etwas Besonderes machen und dafür nicht nur wertschätzend, sondern fast liebevoll porträtiert werden. Genau diese Haltung ist in einer Zeit wohltuend, wo nicht nur Politiker*innen glauben, sich vor allem über vermutete Schwächen der Mitbewerber*innnen definieren zu müssen, wo Schlechtmachen Gutmachen schlägt.

Die Idee, dass gerade die Menschen, die sich selbst nicht gut fühlen, andere schlecht machen, hat wohl einiges für sich. Dazu muss man sagen, dass es Ernst Berger sehr gut geht, weil er so geerdet ist. Neben seiner Wohnung in Wien hat er in der Nähe von Wien einen Zweitwohnsitz, wo er mit Traktor und anderen großen Geräten werkt und das auch gern auf Facebook präsentiert. Körperliche Arbeit ist wohl der perfekte Ausgleich zum Schreiben, wobei man auch hier sagen muss, dass Ernst Berger nicht „nur“ schreibt. Er nimmt sich Zeit, besucht die Menschen, über die er einen Artikel verfasst, fotografiert sie und baut in kurzer Zeit die Beziehung auf, die man benötigt, um einen Text zu schreiben, der auch berührt und nicht nur informiert.

Zur wahren Lebenskunst gehört noch eine Eigenschaft, über die Ernst Berger sehr offen spricht. Obwohl er in unterschiedlichsten Medien von Print über Fernsehen bis zu Online-Medien mit den besten Leuten zusammengearbeitet hat, gibt es auch Dinge, die ihm nicht gelungen sind. Wie jeder Mensch musste auch er einstecken können. Man neigt ja bei erfolgreichen Menschen zu glauben, dass sie einfach immer erfolgreich waren. Der Weg zum Erfolg führt aber meist über unangenehme Umwege und man muss auch erkennen können, wenn man dort ist, wo man einfach sein will.

Sorgen gibt es immer. Gerade jetzt, wo sein geliebter Hund gesundheitliche Probleme hat und jeder, der es selbst erlebt hat, weiß, dass ein Haustier zum Familienmitglied wird, wenn es in einer guten Familie aufwächst. In solchen Momenten hilft dann wohl die Naturverbundenheit: beim Rasenmähen, Holzeinlagern, Pflanzen oder Ernten wird einem vieles klar, Gedanken entwirren sich und man bekommt Ideen für neue Pläne. Egal, was passiert, Ernst Berger findet seinen Weg.

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Monika Halvax - die Trauerrednerin

Es ist keine Kleinigkeit, den richtigen Beruf für sich zu finden. Hat man dann seine Wahl getroffen, überlegt man vielleicht, wenn man von einem anderen Beruf hört, dass der auch nicht schlecht wäre. Und dann passiert selten, aber doch, das Unglaubliche: Man springt ins kalte Wasser, verlässt den gewohnten Bereich und wagt etwas Neues.

Monika Halvax hat das gemacht und auch gut überlegt, wie sie im Podcast erzählt. Als Lehrerin für Deutsch und Musik kann sie gut vortragen, nebenberuflich singt sie in einer Band und ist es daher gewohnt, vor Publikum aufzutreten.

Wenn man den Beruf wechselt, ist es von großem Vorteil, wenn man Kompetenzen vom ersten Beruf auch beim zweiten nützen kann. Das ergibt sich bei Frau Halvax besonders günstig, weil sie auch als Trauersängerin arbeitet.

Der Beruf der Trauerrednerin erfordert unglaublich viel Empathie, eine Eigenschaft, die im Lehrberuf ebenfalls von großer Bedeutung ist. Bei einer guten Rede geht es nicht nur um die Wortwahl, sondern auch um den Aufbau und den Inhalt, der für die Hinterbliebenen gut passen muss. In Deutsch unterrichtet man, wie eine Rede zu verfassen ist, als Trauerrednerin macht man es. Da liegt kein großer Unterschied.

So gesehen ist dieser Berufswechsel ideal, besonders wenn man dem Lärm der Schule entkommen will und sich nach Ruhe und Spiritualität sehnt.

Monika Halvax liebt Biografien, wobei es ihr nicht nur um berühmte Menschen geht, sondern um ganz normale Leute wie du und ich. Auch aus deren Biografien kann man viel lernen, wenn man genau hinschaut. Das macht sie, wenn sie sich mit den Lebensgeschichten der Verstorbenen auseinandersetzt, um eine passende Rede zu verfassen. Wie schön muss es sein, wenn Neigung und Pflicht einander in diesem Beruf begegnen. Wie schön muss es sein, wenn man Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation Trost spenden kann, indem man sie begleitet und berät.

Jede Trauerrede ist wie ein Bühnenauftritt, bei dem man sich vor Publikum bewähren muss. Einem Lehrer geht es da ähnlich. Jede Stunde ist eine kleine Vorstellung, wo man laufend spürt, wie sie ankommt.

Ich bewundere Frau Halvax sehr, die mit über 50 Jahren diesen Berufswechsel in Angriff nimmt und die Kündigung vom sicheren Lehrerjob plant. Es ist aber auch klar, dass sie ihre künstlerische Entfaltung im neuen Beruf besser leben kann als im alten und wenn ein Künstler in einem steckt, dann sollte man ihm Raum geben und nicht unterdrücken. Im schulischen Leben wird das immer schwieriger, weil der Lehrer mehr und mehr zum Sozialarbeiter werden muss und auf die freie Entfaltung seiner Vorstellungen nicht mehr so achten kann.

Man benötigt für den Lehrberuf viel Kraft, für den Beruf der Trauerrednerin aber sogar noch mehr. Wenn man mehrmals in der Woche mit Leid und Tod konfrontiert ist, muss man damit umgehen lernen. Ähnlich wie ein Arzt, der immer wieder Hiobsbotschaften mitteilen muss. Mit einer besonderen inneren Kraft schafft man das und wächst mit der Aufgabe.

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Waltraud Kovacic und Robert Patocka erinnern

Man erinnert sich, man wird erinnert und man kann auch erinnern. Waltraut Kovacic und Robert Patocka machen letzteres mit großer Leidenschaft und Empathie, wie man im Podcast mit ihnen sofort spürt.

Sie erinnern an die Gräueltaten, die in der Nazizeit in ihrem Wohnbezirk Liesing passiert sind. Beide sind schon älter, aber nicht alt genug, um all das selbst miterlebt zu haben. Dennoch ist ihre Betroffenheit darüber sehr groß. Dabei lässt doch die Betroffenheit bei den meisten Menschen mit der Zeit nach. Umso länger etwas vergangen ist, umso weniger sind wir darüber entsetzt, war es auch noch so schrecklich. Es erstarrt langsam zu historischem Stoff, dem man sich nähert und versucht zu verstehen. Wie ein Arzt kann auch ein historisch interessierter Mensch nicht mit allem, was er liest, seine Seele belasten, weil man das auf die Dauer einfach nicht aushält.

Die beiden wollen mit ihrem Verein „Steine der Erinnerung“ nicht nur die Menschen berühren, sondern auch dazu beitragen, dass solch schreckliche Dinge nie wieder passieren. Wie kann man die Menschen nachhaltig erinnern? In diesem Fall versucht man es mit Steinen, die am Gehsteig vor Häusern eingesetzt werden, wo Menschen gewohnt haben, die zu unterschiedlichen Opfergruppen (rassistische Opfer, politische Opfer, Opfer wegen sexueller Orientierung und Euthanasieopfer) gehören.

Da steckt das Bedürfnis dahinter, die Menschen zu ehren, denen damals fürchterliches Leid passiert ist, weil sie in ihrer Gesellschaft verachtet wurden. Eine späte Gerechtigkeit, über die sich die Hinterbliebenen der Opfer freuen.

Welch unterschiedlichen Aufgaben kann man sich doch in seiner Freizeit widmen! Die beiden sind Pensionist*innen und könnten ihre Zeit durchaus mit Erfreulicherem verbringen, haben sich aber doch aus einem gewissen Verantwortungsgefühl dieser oft emotional schwierigen Arbeit verschrieben.

Der Forscherdrang spielt ebenfalls eine Rolle. Man muss Archive durchforsten, um an neue Daten zu kommen, die in der Sache wichtige Erkenntnisse liefern.

Das Schönste an diesem Projekt sind für mich die Werte, die von den Protagonist*innen vertreten werden. Es gibt ja gute und schlechte Werte. Mancher wird jetzt vielleicht meinen, dass Werte etwas Subjektives seien und jeder darüber anders denken darf. Manche Werte sind meiner Meinung nach nicht verhandelbar und die werden genau von „Steine der Erinnerung“ vertreten: Gerechtigkeit, Mitgefühl, Menschlichkeit, Würde des Menschen, Leben, Freiheit und Selbstständigkeit. Nun wird beinahe jeder Mensch sagen, dass er auch für diese Werte einsteht, ohne zu merken, dass er das Gegenteil macht, weil er ungerecht, wenig mitfühlend, manchmal unmenschlich ist und die Würde anderer Menschen mit Füßen tritt. Andere machen das vielleicht nicht, setzen sich aber auch nicht aktiv in unserer Gesellschaft ein. Und das macht für mich den Unterschied zwischen gut und nicht so gut…

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Harald P. David - Psychiater und Kunstliebhaber

Kunst und Psychiatrie passen gar nicht so schlecht zusammen. Als naiver Betrachter von beidem denke ich das zumindest, könnte doch der Psychiater seine Expertise nützen, indem er Biografie und Werk eines Künstlers studiert, um sie dann professionell zu analysieren.

Harald P. David sieht das viel einfacher, wie er mir im Podcast erzählt. Er stellt in seiner Galerie aus, was ihm gefällt.

Was ist nun gute Kunst? Alle Autoren, die auf story.one schreiben, bemühen sich gute Geschichten zu schreiben. Naturgemäß gefallen den Leser*innen manche besser und manche weniger gut. Durch die Likes wird das mit einer wissenschaftlichen Präzision dargestellt. Ist nun die Geschichte mit den meisten Likes die beste, ist der Autor mit den insgesamt meisten Likes der beste Autor? Ohne Zweifel müssen die Likes etwas mit der Qualität der Geschichte zu tun haben.

Der Galerist hat es da nicht so leicht. Wie beurteilt man die Kunst eines Neuen, der sich vorstellen kommt, um vielleicht eine Ausstellung in der Galerie organisieren zu dürfen. Man sieht sich die Bilder an, spricht darüber und muss eine Entscheidung treffen.

Das Kriterium auszuwählen, was einem gefällt, ist untrüglich und somit vollendet. Man kann sich in dem nicht täuschen, was einem gefällt und wenn es dann auch noch andere begeistern kann, ist das umso besser. Wenn nicht, hat es einem wenigstens selbst gut gefallen.

Sehr gut nachvollziehbar ist das Unangenehmste am Job des Galeristen für Harald P. David: Wenn man einem Künstler mitteilen muss, dass einem seine Kunst nicht gefällt. Was für ein Stich! Jemand vertraut einem das an, was er mit viel Herzblut geschaffen hat und von dem er überzeugt ist, dass es in einer Galerie einen Platz verdient hätte, und man muss ihm sagen, dass es einem nicht gefällt. Mit hängendem Kopf geht der Künstler davon.

Hoffentlich wird er trotzdem weiter künstlerisch tätig sein. Hoffentlich hat man ihm nicht sein künstlerisches Selbstbewusstsein genommen.

Ist es allerdings überhaupt gut, wenn ein Künstler, der so wenig kann – und Kunst leitet sich ja von Können ab, dass er andere nicht überzeugen kann, weiter Kunst betreibt? Ist man nur dann ein Künstler, wenn man etwas überraschend gut kann, das andere Menschen begeistert?

Ich glaube, man ist schon Künstler, wenn man nicht anders kann und Kunst einfach betreiben muss. Man lebt und verwirklicht sich in der Kunst, gefällt es anderen, ist das gut, gefällt es anderen nicht, muss es auch gut sein, weil es für die Ausübung der eigenen Kunst keine Rolle spielen darf.

Die Hoffnung bleibt, dass der nächste Galerist die Bilder vielleicht annimmt oder dass die nächste Geschichte vielleicht besser gefällt. Sollte man das nicht erleben und dann am Sterbebett das eigene Leben noch einmal reflektieren, gibt es genug Trost. Alle Künstler*innen, die zu Lebzeiten nicht geschätzt wurden und später doch weltberühmt wurden. Die Geschichte von Vincent van Gogh und vielen anderen könnte sich durchaus noch einmal wiederholen.

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Simon Masek - der Gastronom

Als Lehrer habe ich vor allen Menschen, die in der Privatwirtschaft tätig sind, größten Respekt. Nicht enden wollend ist meine Bewunderung für alle Gastronom*innen, die wie Simon Masek einen Betrieb leiten und damit für völlig unterschiedliche Bereiche verantwortlich sind.

Natürlich sind die Köch*innen von besonderer Bedeutung. Auch wenn man sonst alles richtig macht, wenn das Essen nicht schmeckt, wird der Betrieb nicht erfolgreich sein. Wie findet man nun gute Köch*innen und wie sorgt man dafür, dass sie von anderen Betrieben nicht abgeworben werden? Die Arbeitsbedingungen müssen gut sein, wenn schon die Arbeitszeiten und der gigantische Druck, der in der Küche nicht nur auf manchen Töpfen liegt, ausgehalten werden müssen.

Aber auch das Service ist nicht zu unterschätzen. Ein unfreundlicher oder überforderter Kellner kann schon dazu beitragen, dass jemand in Zukunft das Lokal meidet, obwohl das Essen wirklich gut schmeckt. In Zeiten, wo die Work-Life-Balance zu einem immer größeren Thema wird, ist es wirklich schwierig, gutes Personal für Gastronomie-Betriebe zu finden und auf Dauer zu halten. Dazu kommt die ständig lauernde Gefahr der Krankenstände, die dazu führen können, dass ein Kellner einen größeren Bereich betreuen muss als ursprünglich vorgesehen war und so die oben erwähnte Überforderung eintreten könnte.

Keine Frage, Koch und Kellner sind äußerst fordernde Berufe und es ist bestimmt keine Kleinigkeit für einen Geschäftsführer, seine Leute bei Laune zu halten.

Dazu kommt aber auch der Einkauf der Produkte, die zu den leckeren Speisen verarbeitet werden. Wenn man hier spart, könnte alle noch so gute Arbeit umsonst sein, weil der beste Koch aus schlechten Produkten nichts zaubern kann. Gibt man aber zu viel aus, könnten die Speisen zu teuer werden und die Gäste bleiben aus, weil sie woanders gefühlt gleich gut preisgünstiger essen können. Dieser Spagat ist bestimmt das schwierigste Kunststück in der Gastronomie, aber immer noch nicht das letzte.

Der Gastronom muss auch auf die Rahmenbedingungen achten. Wie schaut die Einrichtung aus, wie werden die Tische aufgestellt (zu nah ist ungemütlich, zu weit entfernt ist unrentabel), welche Atmosphäre soll das Lokal haben. Gibt man für die Einrichtung zu viel Geld aus, wird man mit der Refinanzierung Probleme haben, gibt man zu wenig Geld aus, scheitert vielleicht alles an der Einrichtung.

Wie kann man das alles schaffen? Simon Masek erzählt darüber völlig entspannt im Podcast und beweist mit jedem Satz, dass er seinen Job mit einer unglaublichen Leidenschaft macht. Es bleibt nicht immer genügend Zeit für die Familie, dafür wird diese dann mit umso größerer Freude genossen.

Einen großen Vorteil hat der Gastronom in seinem Beruf: Wenn alles gelingt, bereitet er seinen Gästen eine große Freude, sogar regelrechte Glücksgefühle und die bekommt er als positive Energie zurück – dafür lohnt sich diese schwierige Arbeit dann mit Sicherheit.

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Gerhard Loibelsberger - der Schriftsteller

Da sitzt er mir nun im Podcast gegenüber: ein richtiger Schriftsteller. Ich schreibe auch sehr gern und veröffentliche meine Texte – als Schriftsteller will ich mich aber nicht bezeichnen. Was ich mache, können viele. Was Gerhard Loibelsberger macht, schaffen nur wenige: Er kann vom Schreiben leben. Verlage veröffentlichen seine Romane und tausende Menschen kaufen sie. Wo liegt der Unterschied?

Schon bei der Lektüre seiner Texte fällt mir auf, dass er wirklich gut mit Sprache umgehen kann. Als Deutschlehrer bin ich die Bewertung von Texten gewohnt und nur ganz selten schreibt jemand so, dass mir kurz der Atem wegbleibt, weil die Formulierungen so gut sind. Das gelingt manchmal sogar Schüler*innen, aber natürlich auch Erwachsenen.

Schreiben ist allerdings nicht nur Formulierungskunst, sondern auch Fabulierungskunst. Wer nichts zu erzählen hat, kann auch mit der schönsten Sprache nicht fesseln.

Gerhard Loibelsberger hat etwas zu erzählen. Er entwirft liebevoll Romanfiguren, die ihn über viele Jahre in unterschiedlichen Büchern begleiten und er interessiert sich für Geschichte und bettet seine Romane vor historische Hintergründe, die er akribisch recherchiert. Da steckt einerseits viel Originelles dahinter, andererseits werden auch bekannte und beliebte Muster des historischen Romans bedient.

Ein Grund für den Erfolg mag auch sein, dass der Kriminalroman ein sehr beliebtes Genre ist und wenn man das so gut beherrscht wie Gerhard Loibelsberger, dann stellt sich der Erfolg leichter ein als bei den vielen Autoren, denen es nicht so leicht fällt, Spannung zu erzeugen.

Der wesentlichste Grund für den Erfolg ist aber wohl ein anderer. Gerhard Loibelsberger ist das Risiko eingegangen und hat seinen sicheren Job aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Das macht man nur, wenn man für eine Sache wirklich brennt und wenn man es auch unbedingt wissen will, ob man ein Schriftsteller ist oder nicht.

Natürlich gibt es in der Literaturgeschichte eine lange Reihe von Autor*innen, die berufstätig waren und nur nebenbei geschrieben haben. Manchen von ihnen ist es früher oder später gelungen, sich vom Brotberuf zu befreien, anderen nicht und darunter gibt es auch welche, die durchaus heute noch bekannt sind. Trotzdem bin ich mir sicher, dass gerade dieser Mut und diese Überzeugung vielfach den Unterschied machen. Wie will man andere überzeugen, wenn man nicht einmal selbst von sich überzeugt ist?

Den wahren Künstler macht auch aus, dass er sich immer wieder neu erfinden will, immer wieder etwas ausprobiert, was die mühsam gewonnenen Stammleser*innen vielleicht gar nicht nachvollziehen können. Gerhard Loibelsberger folgt nicht dem Muster, das einmal funktioniert hat und meint dazu nur: „Ich bin ja nicht Donna Leon. “ Es macht eben einen Unterschied, ob einem Erfolg oder künstlerische Entfaltung wichtig ist. Meine Bewunderung wird bei Zweiterm nur größer.

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Andreas Felber - der Sportreporter

Es gibt absolute Traumberufe und einer davon ist bestimmt Sportreporter, wobei man natürlich einschränken muss: nur für sportlich sehr interessierte Menschen.

Andreas Felber ist zweifelsohne so ein Mensch und sogar selbst unfassbar sportlich, was gar nicht so häufig vorkommt. Ich kenne mich zwar in diesem Bereich nicht wirklich aus, glaube aber, dass es Passiv-Sportler und Aktiv-Sportler gibt und dass sich diese beiden Interessenslagen eigentlich gegenseitig ausschließen müssen. Wer viel Sport passiv konsumiert, dem fehlt die Zeit für die aktive Ausübung und umgekehrt. Lösen lässt sich dieses Problem nur dann, wenn man die passive Seite im Berufsleben abdeckt, dann hat man in der Freizeit ausreichend Zeit, auch noch selbst Sport auf hohem Niveau zu betreiben.

Das gelingt Andreas Felber, der als Tennisspieler unter den Top 100 in Österreich war, einen Marathon-Lauf in der Zeit von zwei Stunden und 47 Minuten geschafft hat und sogar einen Ironman Austria unter 10 Stunden abschließen konnte.

Im Podcast fällt auf, dass Andreas Felber ein wirklich zufriedener und sogar richtig glücklich wirkender Mensch ist. Das ist er natürlich deshalb, weil er seit über 30 Jahren beim Österreichischen Rundfunk eine hoch angesehenen Arbeit in verschiedensten Bereichen der Sportredaktion leistet, das ist er aber auch deshalb, weil er sich sehr rasch damit abfinden konnte, dass er es in den Spitzensport einfach nicht schafft.

Das widerlegt den fordernden Satz, man könne alles erreichen, wenn man nur wolle. Ich habe an diesem Satz immer gezweifelt und fände besser, wenn man sagt, dass man nur das erreichen wollen soll, was man auch tatsächlich erreichen kann. Dann ist man genauso glücklich. Andreas Felber lebt das vor und erklärt auch als Experte, wo das Problem liegt:

Er war einer der hundert besten Tennisspieler Österreichs und trotzdem hätten ihn noch „Lichtjahre“ von den besten Spielern der Welt getrennt. Das lag an seiner Schlagtechnik, an seinem dünnen Nervenkostüm und an der mangelnden Bereitschaft, alles im Leben dem Sport unterzuordnen. Als Jugendlicher hatte er eine Freundin, mit der er auch noch ausreichend Zeit verbringen wollte. Hätte er darauf verzichtet, wäre er wegen der Probleme eins und zwei ebenfalls kein Spitzensportler geworden, hätte aber auch noch eine von viel Verzicht geprägte Jugendzeit gehabt.

Das nenne ich wahre Lebenskunst. Es geht nicht um den großen Erfolg, sondern es geht darum, dass man das macht, was man machen kann und damit zufrieden und glücklich wird. Dieser Grundsatz lässt sich auf alle Lebensbereiche generalisieren. Als Schriftsteller könnte man darüber verzweifeln, dass man keinen Verlag findet, der die mühsam erstellten Werke veröffentlichen will oder man veröffentlicht sie einfach selbst bei Story.One und freut sich auch schon, wenn der Buchverkauf ins Zweistellige kommt und man einige wenige Kommentare lesen darf, die andere über die veröffentlichten Texte schreiben.

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Helmut Höbart - der Versicherungsmakler

Versicherungen werden in unsicheren Zeiten immer wichtiger, andererseits kenne ich kaum jemanden, der nicht schon einmal mit einer Versicherung richtig Ärger gehabt hat, weil im Schadensfall plötzlich Kleingedrucktes auftaucht, das man übersehen hat und nun dazu führt, dass man doch nichts bezahlt bekommt.

Helmut Höbart wirkt im Podcast von Anfang an unglaublich vertrauensvoll und das ist wohl neben der Fachkompetenz die wichtigste Eigenschaft, die ein Versicherungsmakler haben sollte. Ein wichtiger Vorteil dieses Berufs liegt auch darin, dass der Makler nicht mit einer bestimmten Versicherung verbunden ist, sondern unter vielen aussuchen kann, welche für seinen Kunden das richtige Angebot hat. Und am allerwichtigsten: Der Makler kennt die Fallen des Kleingedruckten ganz genau…

Besonders gut gefallen hat mir sein Grundsatz der „Goldenen Regel“, dass er seine Kunden so behandelt wie er selbst gern behandelt werden würde. Die einfachsten Weisheiten sind nicht nur oft die besten, sondern auch die, die man gar nicht so leicht praktisch umsetzen kann, obwohl sie so einfach klingen. Wie oft trifft man doch auf Menschen, die sich gar nicht daran halten oder die mangels Empathie einfach nicht spüren, welche Fehler sie im Umgang mit anderen gerade machen. Helmut Höbart verfügt über einen wahren Schatz an Empathie und das macht ihn in seinem Beruf so erfolgreich. Wie bei so vielen guten Eigenschaften fürchte ich auch bei der Empathie, dass man sie nicht wirklich lernen kann. Man hat sie oder man hat sie nicht. Schon bei kleinen Kindern spürt man den Mangel oder Reichtum an Empathie.

Eine weitere Stärke von erfolgreichen Menschen ist der Teamgeist. Einzelkämpfer können schon etwas erreichen, im Team ist man aber meist stärker. Wenn man mit dem eigenen Bruder eine Firma gründet, muss viel im Familienleben ganz ausgezeichnet gelaufen sein. Auch das gibt eine emotionale Kraft, über die nicht jeder verfügt und die aber gleichermaßen ein Nährboden für den beruflichen Erfolg ist.

Die schönste Eigenschaft habe ich mir für das Ende dieser Geschichte aufgehoben: Das ist die Fürsorge für das eigene Kind. Helmut Höbart hat nicht nur für seine eigene Tochter eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, sondern hat gerade dieses Thema zu seinem „Steckenpferd“ erklärt. Er will möglichst viele Mütter und Väter überzeugen, auch für das Wohl ihrer Kinder vorzusorgen.

So komme ich zum Schluss, dass man einen guten Menschen an bestimmten Eigenschaften wie Empathie, Fürsorge und emotionale Stärke eigentlich relativ leicht erkennen kann und dann darf man ihm auch vertrauen. Im Berufsleben ist Vertrauen die wichtigste Kraft, die zu einer dauerhaften Kundenbindung und damit zum Erfolg führt. Als Lehrer überlege ich mir immer wieder, auf welche Weise ich das meinen Schüler*innen vermitteln könnte, und ich bedaure auch, dass gerade die wirklich wichtigen Dinge in der schulischen Ausbildung oft einfach zu kurz kommen.

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Harald Steinbichler - ein Floorball-Pionier

Floorball, kurz gesagt ähnlich wie Landhockey, aber in der Halle, ist eine Sportart, die in den letzten Jahren immer bekannter wurde. Harald Steinbichler hat dazu beigetragen, indem er einen eigenen Verein gegründet hat, der nun auch schon sehr erfolgreich bei den österreichischen Meisterschaften spielt. Das soll aber nicht Thema dieser Geschichte sein.

Man kann unter bestimmten Bedingungen tatsächlich viel erreichen. Harald Steinbichler beweist darüber hinaus, dass er Beruf, Hobby und Familie sehr gut unter einen Hut bringt.

Floorball ist eine Sportart, die bereits von Kindern ausgeübt werden kann, aber auch Erwachsenen noch großen Spaß bereitet. So war es für ihn naheliegend, dass er vor einigen Jahren für seine drei Kinder mit gleichgesinnten anderen Erwachsenen, die ebenfalls nach einem passenden Sport für ihre Kinder suchten, einen Verein gründete. Dort gab es dann nicht nur Mannschaften für Kinder und Jugendliche, sondern man gründete auch eine Hobbymannschaft für die Eltern.

Faszinierend dabei ist für mich, dass Harald Steinbichler als geschäftsführender Gesellschafter einer Investment-Firma kein profunder Kenner der sportlichen Materie war. Er hat sich hier in kurzer Zeit eingearbeitet und konnte zunächst lediglich das finanzielle Umfeld gut steuern, kommt er doch ursprünglich aus dem Bankwesen.

Besonders schön ist die Idee, dass man um die eigene Familie eine weitere Großfamilie schafft, wo alle Freude am Sport haben, sich Freundschaften bilden und ein Gefühl von Gemeinsamkeit entsteht, das in einer Zeit sehr motivierend ist, wo immer mehr Jugendliche unter einer beklemmenden Ziellosigkeit leiden. Ganz zu schweigen vom Bewegungsmangel und den Gewichtsproblemen, die immer belastender werden.

In Zeiten wie diesen ist also eigentlich nichts wichtiger als Kinder zum Sport zu bringen. Genau das erreicht dieser Verein, der nun schon über hundert Mitglieder hat. Das absolute Highlight des Jahres ist das Trainingscamp im Sommer, auf das sich die Kinder und Jugendlichen sehr freuen. Hier spürt man diesen Gemeinschaftsgedanken besonders, da sich auch Eltern in die Vereinsarbeit einbringen und alle dazu beitragen, dass nicht nur Trainingsziele erreicht werden, sondern auch Spiel und Spaß garantiert werden.

Bei meinen Podcasts lerne ich vor allem Wertschätzung. Harald Steinbichler konnte das nur schaffen, weil er ein großartiges Team von engagierten Eltern um sich hatte, die ihn tatkräftig unterstützten. Kommen mehrere gute Leute zusammen und bündeln sie ihre Talente, dann ist ein schöner Erfolg garantiert. Andere erkennen dann rasch, dass hier etwas Großes entsteht und nehmen selbst teil. Am Beginn steht also immer eine Idee, gleich danach kommt aber die Frage, wer sie umsetzt. In der Idee liegt nicht die große Kunst, sondern in der Umsetzung, weil hier mehrere Menschen gut zusammenarbeiten müssen. Wer das schafft, hat nicht nur Erfolg, sondern auch ein schönes Leben.

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Peter Kleinmann - Österreichs Mr. Volleyball

Für Lehrer*innen ist Erfolg kaum messbar, da man im Unterricht selten glanzvolle Siege feiert und die meisten Schüler*innen nach der Schule aus den Augen verliert. Sollte man später doch von erfolgreichen Ex-Schüler*innen erfahren, muss das nicht notwendig mit dem Unterricht zusammenhängen.

Im Sport ist das anders. Peter Kleinmann war 55 Jahre im österreichischen Volleyballsport tätig, als Spieler mit 88 Länderspieleinsätzen und drei Europameisterschaften, mit 28 Meistertiteln als Spieler, Trainer und Manager, zahlreichen Cupsiegen und einem Einzug in die Final Four der Champions League. Ab 2001 war er 16 Jahre Präsident des österreichischen Volleyballverbandes, um dort das Budget zu verfünffachen und die Strukturen wesentlich zu verbessern.

2017 zog er sich aus dieser Funktion zurück, nachdem er einen guten Nachfolger gefunden hatte und genießt seit fünf Jahren seine Freiheit, freut sich über mehr Zeit für seine Enkel, die für ihn „die Sonne ins Herz bringen“.

Natürlich sind nirgends Erfolge so gut messbar wie im Sport. Trotzdem lassen sich einige Regeln für ein erfolgreiches Leben gerade aus sportlichen Erfolgen ableiten: Peter Kleinmann beschäftigte sich mit etwas, das er nachweislich sehr gut konnte. Das ist nicht immer der Fall. Gerade bei Lehrer*innen fällt manchmal auf, dass Menschen, denen viele grundlegende Fähigkeiten für diesen Beruf fehlen, ihn trotzdem jahrzehntelang zum Leidwesen ihrer Schüler*innen ausüben.

Ein besonderer Aspekt seiner Erfolgsgeschichte ist für mich auch der geschickte Aufbau der beruflichen Laufbahn. Peter Kleinmann wusste als Manager genau, was für Spieler wichtig ist und hatte als Präsident den Überblick, da er auf eine langjährige Spieler- und Managerlaufbahn zurückblicken konnte.

Selbst das mag aber als Erklärung nicht ausreichen, weil diese Laufbahn viele Funktionäre durchmachen. Entscheidend ist daher für mich die unglaubliche Menschenkenntnis und Empathie von Peter Kleinmann. Er wusste genau, wie man mit Sponsoren sprechen muss, er fand die richtigen Worte für seine Spieler*innen, um sie zu motivieren, und er wusste, welche Legionäre sich im österreichischen Umfeld unter welchen Bedingungen so wohlfühlen, dass sie ihre optimale Leistung bringen können.

Da stecken Dinge dahinter, die man leider nicht lernen kann. Schon als 27jähriger war er nicht nur Spieler, sondern man vertraute ihm bereits als Pressereferent, weil man wusste, dass er seinen Sport sehr gut promoten kann. Und dieses Naturtalent der Überzeugungskraft war meiner Meinung nach der Motor für seinen Erfolg.

Mehr noch als diese besondere Fähigkeit bewundere ich allerdings den problemlosen Schritt zurück am Ende seiner Karriere. Da beginnt die wahre Lebenskunst, wenn man zu jeder Zeit das Richtige macht und es dann auch liebt. Wie so oft ist die Liebe der Schlüssel für ein schönes Leben. Sei es die Liebe für den Sport oder die Liebe für die Familie. Einfach die Liebe für das Leben.

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Roman Till - der Bogenschütze

Pfeil und Bogen werden längst nicht mehr als bedrohliche Waffen gesehen, bleiben aber immer noch beliebt, weil man beim Bogensport viele nützliche Fähigkeiten trainieren kann. Roman Till erzählt im Podcast, dass er sich in den letzten Jahren voll und ganz dieser Sportart verschrieben hat und auch sein berufliches Umfeld entsprechend angepasst hat. Ein echter Lebenskünstler also, der das macht, was er tatsächlich machen will.

Gerade für Kinder und Jugendliche, die zunehmend mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen haben, ist dieser Sport ideal, muss man doch die Zielscheibe im Zentrum treffen, was Konzentration voraussetzt. Es ist aber nicht nur die mentale Kraft gefragt, man benötigt auch eine entsprechende Körperbeherrschung und eben eine ruhige Hand.

So lässt sich der therapeutische Effekt des Bogenschießens gut erklären. Meditation ist ein Werkzeug, das Menschen in vielen Lebenssituationen helfen kann. Gut, wenn man sie beim Sport einsetzen lernt, um sie dann auch in anderen Lebensbereichen sinnvoll verwenden kann. Gerade die meditative Kraft geht vielen Menschen verloren. Früher haben noch mehr Menschen gebetet und so unbewusst auch meditiert. Heute werden diese Rettungsanker seltener und die Burnouts gerade deshalb häufiger.

Roman Till ist Bundesreferent für Bogensport der Sportunion Österreich. Als Obmann seines Vereins AC-Sagittarius ist er auch sehr stolz darauf, dass einige seiner Mitglieder im Bereich des Leistungssports erfolgreich sind.

Es gibt kaum eine andere Betätigung wie Sport, wo Erfolge so gut messbar sind. Mit dem Erfolg kommen dann auch Selbstbestätigung und Freude. Das gilt auch für kleine Schritte der persönlichen Verbesserung. Nicht jeder muss ein Weltmeister werden.

In der Pädagogik für Kinder ist in den letzten Jahren immer häufiger die Idee propagiert worden, dass man keine Spiele mit Sieger*innen machen soll, weil es dann zwangsläufig auch Verlierer*innen gibt und das wäre für die Kinder nicht gut. Vor allem deshalb, weil in der Regel immer dieselben Kinder gewinnen und verlieren und sich so das Gefühl des ewigen Verlierers einprägen könnte.

Ich sehe das anders. Die größte Begabung im Leben ist, dass man Verlieren lernt und dass man auch lernt, kleine Steigerungen als Sieg zu erleben, den man zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins einsetzen kann.

Gerade beim Bogenschießen ist jede Verbesserung genau messbar und sie lässt sich wie überall auch mit dem persönlichen Einsatz in Beziehung setzen. Das hat einen hohen pädagogischen Wert, der sich neben der Körperbeherrschung und der mentalen Stärke auf die Persönlichkeit eines Kindes sehr positiv auswirken muss. Man lernt, dass man selbst in die Richtung wirken kann, die einem Erfolg bringt. Wer das dann auf andere Lebensbereiche verallgemeinern kann, hat mehr gelernt, als nur mit dem Pfeil ins Schwarze zu treffen. Wobei es eigentlich gerade darauf im Leben immer wieder besonders ankommt …

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Lorenz Goldnagl - der Werbeprofi

Worum geht es in der Werbung? Lorenz Goldnagl bringt das im Podcast mit einem Satz auf den Punkt: Man muss das Unternehmen sichtbar machen.

Mir gefällt Klarheit und das ist klar. In jedem Fall muss man in der Werbung auch innovativ sein und das war Lorenz Goldnagl, als er sich schon früh die Domain hietzing.at sicherte, um eine Website über den 13. Wiener Bezirk zu gestalten, die als Plattform für interessante Geschichten und eben auch Firmen dient.

Trotzdem muss man zugeben, dass Werbung immer auch ein schwierig einzuschätzendes Geschäft bleibt. Man freut sich als Werbeagentur über jeden Kunden und wird selten jemanden abweisen, auch wenn dieses Unternehmen kaum Erfolg haben kann. Mich erinnert das an so manche Tierärzte, die den Menschen vorgaukeln, dass diese oder jene teure Operation noch erfolgreich sein könnte, um ihnen noch das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei der Werbung kann das ähnlich sein.

Ein wirklich gutes Unternehmen braucht ja fast keine Werbung, weil die Mundpropaganda viel ausmacht. Zufriedene Kund*innen teilen ihre Freude und so stellt sich der Erfolg über das Schneeballsystem rasch ein. Manche Firmen sind hingegen zum Scheitern verurteilt, weil die Verkaufsidee einfach schlecht ist oder die strukturellen Voraussetzungen so beschaffen sind, dass sich Erfolg nicht einstellen kann. Das gilt beispielsweise für Handelsbetriebe, die wegen hoher Mieten und Personalkosten und geringer Auswahl von lagernden Produkten im Geschäft einen derartigen Nachteil gegenüber dem Online-Handel haben, dass sie selbst mit der besten Werbung nicht erfolgreich sein können.

Die wichtigste Frage: Brauchen die Menschen mein Produkt? Der Geschäftsgründer ist voller Engagement davon überzeugt und wird von den meisten Werbefachleuten darin noch bestärkt. Tatsächlich ahnt man vielleicht gleich, dass dieses Unternehmen nicht funktionieren kann. So laufen Jungunternehmer*innen ins offene Messer. Lässt sich diese Frage allerdings wirklich je mit Sicherheit beantworten?

Wenn man mit Unternehmer*innen, Politiker*innen oder auch Funktionär*innen der Wirtschaftskammer spricht, fällt auf, dass Lorenz Goldnagl überall eine große Wertschätzung genießt. Was macht er anders? Im Gespräch fällt mir auf, dass er über seine Arbeit mit unglaublicher Liebe spricht. Seine starke Beziehung zum Bezirk überträgt sich auch auf seine Bewohner*innen und die Menschen, die dort arbeiten. Ich denke, dass diese Liebe zu seinem Projekt den Unterschied ausmacht.

Mit der Liebe kommt die Leidenschaft und damit der besondere Einsatz. Die Achtsamkeit für den anderen und das echte Bedürfnis helfen zu wollen führen zu dem Vertrauen, dass er im Bezirk genießt. So bleiben ihm nicht nur seine Kund*innen treu, sondern auch die Leser*innen von hietzing.at, womit eine gute Werbewirkung garantiert ist. Scheitert man zuletzt doch, bleibt man immer noch froh darüber, Teil dieses schönen Projekts gewesen zu sein.

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Henriette Al-Shaban - die Zuagraste

Als Zuagraste bezeichnet man vielerorts zugezogene Menschen. Man muss nicht von weit kommen, um zuagrast zu sein. Henriette Al-Shaban wurde im Burgenland geboren, ist vor über 30 Jahren nach Wien gezogen und fühlt sich dort immer noch als Zuagraste.

Sie besitzt nach wie vor ihr Haus im Burgenland. Fährt sie dorthin, spürt sie genauso ein Heimatgefühl wie auf der Fahrt nach Wien, wenn sie in die Gassen ihrer Wohnumgebung einbiegt. Ihr Mann stammt aus Palästina und ist damit auch ein Zuagraster. So ist es zu erklären, dass Frau Al-Shaban das Bedürfnis hatte, mit anderen Zugezogenen in Kontakt zu kommen, um sich mit ihnen auszutauschen.

Ich habe zu diesem Thema mit ihr einen Podcast gemacht, ich habe darüber in meiner Zeitung geschrieben und das Echo war überraschend gering. Offensichtlich ist das Bedürfnis nicht sehr groß unter Zuagrasten, sich miteinander auszutauschen.

Im Wesentlichen gibt es wohl zwei Gruppen: Die einen wollen sich möglichst rasch integrieren und die anderen suchen sich eine Community von Menschen, die aus demselben Land kommen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Wer sich integrieren will, muss die Sprache der Gruppe beherrschen, wo er sich integrieren will, damit ist wohl auch der regionale Dialekt gemeint, und es ist sehr förderlich, wenn man in Vereinen oder Vereinigungen mitarbeitet, um sein Engagement für die Region zu zeigen. Dann geht es oft sehr schnell, wie man an den verzweifelten Versuchen vieler Bürger*innen sieht, die sich dafür einsetzen, dass jemand nicht abgeschoben wird, der erst kürzlich zugezogen ist, sich also gut integriert hat, aber ohne Bleiberecht ist.

Ich selbst bin seit 20 Jahren ein Zuagraster in Kärnten, wo ich einen Zweitwohnsitz habe. Ich wurde von vielen Heimischen sehr herzlich aufgenommen und fühle mich dort schon genauso zuhause wie in Wien. Mein Bedürfnis ist aber da und dort nicht allzu groß, eine intensive Kommunikation mit möglichst vielen Menschen aufzunehmen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum es für Henriette Al-Shaban nicht so recht gelingen will, dass sich viele Menschen für den Austausch unter Zuagrasten interessieren. Vielleicht wird immer weniger unter den Menschen kommuniziert, da man zunehmend den eigenen Interessen nachgeht und sich zu wenig Zeit für den anderen nimmt. Vielleicht war das früher besser, als man noch mehr auf die anderen angewiesen war und sich allein nicht so gut unterhalten konnte. Ich weiß es nicht.

Sollte es so sein, weiß ich auch nicht, ob das gut oder schlecht ist. In absehbarer Zeit wird es möglich sein, dass Menschen in einer digitalen Wolke mit selbst bestimmten Avataren ein Leben nach beliebig erstellten Inhalten leben können, um in völliger Zufriedenheit zu existieren. Soweit sind wir noch nicht, aber viele nähern sich unmerklich diesem Zustand und wünschen sich nichts anderes als mehr davon.

Frau Al-Shaban möchte Menschen zusammenbringen und so gegen die verbreitete Egozentrik wirken. Vergeblich?

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Patrick Gasselich - ein junger Politiker

In Zeiten wie diesen fragt man sich, warum sich das noch jemand antut. Zumindest in Österreich scheint derzeit keine gute Zeit für Politiker*innen zu sein. Die Atmosphäre ist vergiftet. Früher hat man über so manche Absprache zwischen Parteien geklagt, heute würde man sich etwas mehr Harmonie und Bereitschaft zur Zusammenarbeit wünschen. Die Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich auch in der Parteienlandschaft wider.

Patrick Gasselich verblüfft im Podcast mit einer ganz anderen Einstellung. Er macht die politischen Mitbewerber nicht schlecht, lobt sie sogar und meint auch, dass er die eigenen Ideen besser umsetzen kann, wenn er andere Parteien im Bezirksparlament dafür gewinnt. Natürlich spielt in der Bezirkspolitik Ideologie nicht die gleiche Rolle wie in der Bundespolitik, trotzdem verblüfft er mich damit.

Es mag auch eine Rolle spielen, dass Patrick Gasselich sportlich nicht nur als Verwandter des berühmten Fußballers Felix Gasselich erblich begünstigt ist, sondern selbst Fußball und Basketball spielt, also Mannschaftssportarten. Schon als Jugendlicher hatte er als Schüler einer privaten Eliteschule überhaupt kein Problem damit, sich mit SchülerInnen weniger angesehener Schulen zu treffen und Sport zu betreiben.

Auch bei seinen Ferialjobs war er nicht wählerisch, hat am Fußballplatz in der Kantine gearbeitet oder bei Firmen als Lagerarbeiter. Gerade für einen Politiker ist es so wichtig, nicht abgehoben zu sein und die Probleme aller Menschen zu verstehen. Das gelingt ihm mit seiner christlich-sozialen Überzeugung bestimmt genauso wie einem guten Sozialisten.

Ich habe großen Respekt für Politiker*innen, weil es ein wirklich schwieriges Geschäft ist. Es gibt viele Gegner*innen, die nicht nur in den anderen Parteien zu finden sind, und es lauern auch die Medien auf den kleinsten Fehler, um ihn dann mit großem Genuss auszuschlachten. Außerdem glauben die meisten Bürger*innen, alles besser zu wissen und besser einschätzen zu können und behandeln daher die Politiker*innen mit wenig Wohlwollen.

Patrick Gasselich wirkt trotzdem sehr überzeugend, wenn er sagt, dass ihm Politik viel Freude macht und er seine Funktionen mit Leidenschaft ausübt. So arbeitet er in seiner Partei nicht nur als Bezirksvorsteher Stellvertreter, sondern auch für die Senior*innen. Ein weites Feld, wo man viel bewegen kann.

So wünscht er sich ein neues Ärztezentrum im Bezirk und ich kann mir das schöne Gefühl gut vorstellen, wenn es tatsächlich soweit kommt, und er dann davor steht, die Leute hineinströmen sieht und sich denken kann, dass er einen Beitrag dafür geleistet hat, dass die Menschen im Bezirk nun eine bessere medizinische Versorgung haben. Auch wenn sich nie alle Ziele verwirklichen lassen werden, kann man sich doch über jedes gelungene Projekt sehr freuen und auch schon mit der Umsetzung der nächsten Ideen beginnen, auf die er in den von ihm gern geführten Gesprächen mit Bürger*innen gekommen ist.

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