Bezirkspodcast

Geschichten

Auf dieser Seite finden Sie die Geschichten zu den Episoden unserer Bezirkspodcasts, falls sie freigegeben wurden.

Teil 1

Geschichte trifft Podcast

Die ersten 16 Geschichten als Buch

 

Autor: Norbert Netsch    |    2021

Geschichte trifft Podcast

Im Sommer 2020 schrieb ich Geschichten und veröffentlichte sie auf story.one, im Winter 2020 begann ich mit der Aufnahme von Podcasts für bezirkspodcast.at.

Während es vor der Corona-Zeit noch einige gab, die mit dem Begriff Podcast nichts anfangen konnten, hat sich das in dieser Zeit der Zurückgezogenheit rasch geändert, da viele Künstler, Medienbetreiber oder auch ganz normale Menschen wie ich in dieser Abwandlung eines Hörspiels, das im Podcast meist zu einem Monolog, Interview oder einfachen Gespräch wird, eine gute Alternative zur Selbstdarstellung oder Information fanden.

Ich habe Unternehmer im Bezirk als Gesprächpartner gewählt, um sie den Menschen in der Region persönlich vorzustellen bzw. ihren Weg zum Erfolg darzustellen. Das ist eine Möglichkeit, die Inserate oder auch PR-Artikel nicht in gleicher Weise bieten können, und es ist viel kostengünstiger, weil es verblüffend einfach ist, einen Podcast mit dem Smartphone aufzunehmen und dann auf verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen.

Mein Ziel war es, das Interview möglichst nahe an ein zwangloses Gespräch heranzuführen und den UnternehmerInnen ein Forum zu bieten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. So kam ich doch der Lagerfeuer-Metapher von story.one sehr nahe: Erzähle einfach! Wir hören zu.

Tatsache ist, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Es sind die lustigsten, aber auch die traurigsten. Während man das Traurige leichter im eigenen Leben erkennt, ist das beim Lustigen nicht in gleicher Weise gegeben, deshalb ist es auch viel schwieriger, Lustiges als Trauriges zu schreiben. Fast alle finden die gleichen Erlebnisse traurig, beim Humor unterscheiden sich aber die Geschmäcker.

Gerade beim Schnitt der Podcasts habe ich mir überlegt, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen der bewusst geschriebenen Geschichte und dem einfach so erzählten Podcast ist. Geschichte ist Dichtung und der Podcast ist nicht so dicht. Dichtung bedeutet ja verdichten. Da wird in jeden Satz möglichst viel Bedeutung gesteckt, die von einigen LeserInnen vielleicht überlesen wird, von anderen als anstrengend empfunden wird und damit dürfte es auch zusammenhängen, dass gerade die jüngere Generation vielfach weniger liest und lieber Videos sieht, wobei auch hier in der Kürze die Würze zu liegen scheint, da nur wenige Sekunden lange Videos, wie man sie auf TikTok sehen kann, besonders beliebt bei jungen Menschen sind und YouTube kürzlich mit einem gleichen Format darauf reagiert hat.

In meinen Podcasts habe ich versucht herauszufinden, was der Schlüssel zum Erfolg im Berufsleben ist. Darauf bekam ich überraschend unterschiedliche Antworten, die in den Geschichten ein Thema sind. Aus der Vielfalt der Antworten finden die LeserInnen vielleicht ihre persönliche Erfolgsformel.

Die Geschichten mögen die Podcasts treffen.

Geschichte auf story.one

Audio

Christian Zinkl - ein Leben wie im Film

Das Leben schreibt immer wieder großartige Geschichten, es ist aber selten so, dass man eine ganze Lebensgeschichte mit guten Aussichten auf Erfolg verfilmen könnte.

Bei Christian Zinkl fiel mir das gleich auf, als er mir im Podcast erzählte, wie er seine Frau kennengelernt hatte. Er war damals als Verfahrenstechniker für Textilreinigungen in ganz Österreich unterwegs, und so kam er von Wien bis nach Tirol. Dort verliebte er sich in die Tochter der Besitzerin einer Textilreinigung. Hier bleibt viel Spielraum für die Vorstellung: Wie war es, als sie sich das erste Mal sahen, Liebe auf den ersten Blick oder ist die Beziehung langsam gewachsen, gab es ein längeres Werben oder erkannten die beiden schnell, dass sie füreinander geschaffen waren?

Jedenfalls war es so, dass Andrea zu Christian nach Wien zog und das ist doch ein großer Schritt, seine Heimat relativ weit hinter sich zu lassen, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Wir wissen nicht, ob es dabei auch Zweifel und Unsicherheit gab, wir wissen, dass geheiratet wurde und dass gemeinsame Kinder auf die Welt kamen.

Wenn eine Geschichte berühren will, dann darf die Peripetie, der Wendepunkt, nicht fehlen. Wäre der “Film” jetzt schon zu Ende, würde das Publikum noch nicht zufrieden aus dem Kino gehen.

Christian Zinkl hatte nicht nur Glück. Als Verfahrenstechniker war er weiterhin in ganz Österreich unterwegs und hatte dabei einen schweren Autounfall. Vielleicht war er übermüdet, wollte einfach nur nach Hause. In den ersten Tagen war nicht sicher, ob er überleben wird, er war mehrere Monate arbeitsunfähig. Auch hier können wir uns vorstellen, wie groß der Schock bei Andrea gewesen sein muss, als sie davon erfuhr. Wir wissen nicht, ob sie nur Angst um ihren Mann hatte oder ob es auch schon Sorgen gab, wie es mit den noch kleinen Kindern und ihr weitergehen könnte.

Selten lässt sich klar entscheiden, wie viel Glück und wie viel Tüchtigkeit eine Rolle spielen, wenn die Dinge im Leben gut ausgehen. So entstand wohl der Spruch vom “Glück des Tüchtigen”.

Zunächst hatte Christian in jedem Fall Glück, weil er nicht nur überlebte, sondern auch wieder ganz gesund wurde. Dann trafen die beiden aber auch die richtige Entscheidung: Er beendete seine Tätigkeit als Verfahrenstechniker, der jeden Tag weite Strecken mit dem Auto fahren musste, und sie gingen das Wagnis ein und machten sich als Textilreiniger selbstständig. Von nun an arbeiteten sie gemeinsam in ihrem Geschäft, das sie mit viel Liebe zur Sache, zu den KundInnen, aber auch zu den MitarbeiterInnen aufbauten. Verbunden mit ihrer hohen Fachkompetenz und ja, jetzt geht es nicht mehr nur um Glück, also auch wegen ihrer Tüchtigkeit wurden sie sehr erfolgreich.

Wer so viel zusammenarbeitet, will vielleicht in der Freizeit etwas Abstand. Bei Andrea und Christian ist das nicht der Fall. Wenn man sie gemeinsam durch den Lainzer Tiergarten laufen sieht, hat man fast das Gefühl, dass sie schweben. Und jetzt wissen wir auch, warum.

Geschichte auf story.one

Audio

Textilreinigung Zinkl

Herbert Hofmann - 47 Jahre Samariter

Ein Samariter erlebt im Rettungsdienst nahezu täglich Situationen, die normale Menschen nur sehr selten durchmachen müssen, Unfälle, lebensgefährliche Phasen einer Krankheit, einfach großes Leid.

Hauptberuflich arbeitete Herbert Hofmann bis zu seiner Pensionierung als Betriebssanitäter, in seiner Freizeit ist er immer noch ehrenamtlich als Samariter tätig.

Wer die Konfrontation mit Leid nicht gewohnt ist, kann sich schwer vorstellen, wie man das über so viele Jahre aushalten kann, mit welcher Strategie schafft man das?

Für Herbert Hofmann ist es die Dankbarkeit und die Wertschätzung, die von den Betroffenen zurückkommt. So erzählt er von einem Mitarbeiter des Betriebs, wo er Sanitäter war, der in einen Lichtbogen geraten ist und dort schwere Verbrennungen erlitt. Er rettete ihn gemeinsam mit anderen und übernahm die Erstversorgung. Seine Freude war besonders groß, als dieser Mitarbeiter nach einigen Monaten wieder arbeiten gehen konnte.

Immer wieder erzählt er von dieser Dankbarkeit der Menschen und man spürt, wie er von der positiven Energie, die er laufend bekommt, erfüllt ist. Das Leuchten, das nicht nur in seinen Augen ist, kann man im Podcast nicht sehen.

Besonders berührend fand ich die Idee der Samariter-Wunschfahrten, wo vielfach einem schon dem Tod geweihten Menschen noch ein letzter Wunsch erfüllt wird. Einmal noch nach Maria Zell fahren, bei schönem Wetter am Ufer des Erlaufsees sitzen und ein Besuch der Basilika darf natürlich auch nicht fehlen. Wie fühlt man sich als Samariter, wenn man einem Sterbenden in einem extra dafür geschaffenen Wagen diese Fahrt ermöglicht? Den bestimmt aufgeregten Menschen noch einmal aus seinem tristen Alltag befreit, die doch längere Fahrt unternimmt? Was spricht man mit einem Sterbenden? Lässt man ihn in schönen Erinnerungen schwelgen? Dann ist man angekommen. Die Zeit vergeht bestimmt wie im Flug. Wie fühlt sich das an, wenn man an einen schönen Ort zurückkehrt, wo man sich früher selbstständig aufgehalten hat und jetzt völlig unselbständig herumgeführt wird? Kann man das als schön empfinden?

Offensichtlich! Sagte doch die betroffene Dame: „Das war heute so ein schöner Tag, schöner geht’s nicht.“ Das muss die Samariter auch glücklich machen. Dann kommt allerdings noch der Nachsatz: „Nun kann ich gehen.“

Wie lebt man als Helfer mit dieser ständigen Konfrontation mit dem Tod? Mit welchem Gefühl fährt man an so einem Tag von der Arbeit nach Hause?

Ich bewundere alle Menschen, die in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten. Wenn man auch selbst zum Schluss kommt, dass man den Anforderungen dieser Berufe nicht gewachsen wäre, so muss man sich doch die Frage stellen, was man eigentlich selbst für andere leistet. Gibt es Tätigkeiten, die man vielleicht doch schaffen würde? Warum nicht bei den Samaritern, nur Essen liefern oder jemandem einfach ein wenig Gesellschaft leisten? Ab wann kann man von sich sagen, dass man ein “guter Mensch” war?

Geschichte auf story.one

Audio

 Arbeiter-Samariter-Bund

Renate Rosner - Ordnung ist das halbe Leben

In alten Sprichwörtern liegt nicht selten Weisheit; Seume bezog sich 1826 darauf und meinte sogar, dass Ordnung “das ganze Leben” sei. Er begründete es ausführlich. Spricht man allerdings von “Zucht und Ordnung” bekommt Ordnung gleich einen schalen Beigeschmack, den sie für so manche sogar ohne Zucht hat.

Renate Rosner sorgt als Büromanagerin für Ordnung im Büro – auch in meinem. Ich schätze Ordnung sehr, sie liegt mir allerdings nicht, und ich muss mich wirklich bemühen, kein unordentlicher Mensch zu sein, um als Lehrer kein schlechtes Vorbild für meine SchülerInnen zu sein.

Das beginnt mit der Vorbereitung, der Pünktlichkeit und dem Mitführen aller Unterlagen, die man im Laufe der Unterrichtsstunde austeilen will. Ordnung im Sinne von Verlässlichkeit ist auch eine wichtige Tugend im privaten Umgang mit Menschen.

In meiner nebenberuflichen Tätigkeit lässt der Ordnungssinn dann aber doch etwas nach. Zu viel Ordnung kann für mich auch etwas bedrückend wirken. Somit stimme ich persönlich mit Seume nicht überein, schätze es aber sehr, wenn andere das schaffen. Vor allem für mich schaffen, weil der Mangel an Effektivität doch quälend ist, wenn man seine Sachen nicht übersichtlich angeordnet hat…

Kreative Menschen rümpfen oft zu Unrecht die Nase, wenn es um Ordnung geht, meinen sie doch, dass diese sie in den schöpferischen Phasen einenge. Das Gegenteil ist vermutlich letzten Endes der Fall. Es könnte aber sein, dass Kreativität und Ordnungssinn zwei Tugenden sind, die in Menschen manchmal nicht gleichermaßen stark angelegt sind.

Umso produktiver ich bin, umso klarer wird mir, wie bedeutend Ordnung für ein glückliches Leben ist, und wie wichtig es ist, sich diese Ordnung als Dienstleistung zu kaufen, wenn man selbst nicht mehr genug Energie hat sie umzusetzen.

Renate Rosner schafft aber nicht nur im Büro Ordnung, sondern auch in Sätzen, da sie als Lektorin akribisch nach Fehlern sucht, um diese auszubessern. Auch hier zeigt sich die Bedeutung der Ordnung, bekommt doch der beste Satz einen schalen Beigeschmack, wenn Worte in ihm falsch geschrieben oder angeordnet sind.

Diese Geschichte soll keinesfalls ein Loblied auf die Ordnung sein, sondern einfach ihre Bedeutung klären und damit die Notwendigkeit, dass man für sie sorgen lassen muss, wenn man sie nicht selbst in vollem Umfang schaffen kann. Ich schreibe hier also ein Loblied auf die BüromanagerInnen und LektorInnen.

Renate Rosner zitiert im Podcast Henry Ford: Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg. Dieses Motto passt perfekt, wenn man im Berufsleben erfolgreich sein will. Man muss erkennen, mit wem man zusammenarbeiten muss, um von dessen Stärken zu profitieren, man muss diese Zusammenarbeit auf Dauer fortsetzen, indem man sich aufeinander gut einstellt, und so gelingt dann tatsächlich der Erfolg. Ich weiß das von der Zusammenarbeit mit Renate aus eigener Erfahrung.

Geschichte auf story.one

Audio

Renate Rosner Büromanagement und Lektorat 

Markus Betz - Beruf und Hobby

Konfuzius hat schon sinngemäß gesagt, dass jemand nie mehr arbeiten muss, wenn er seine Arbeit liebt. Markus Betz liebt seine Arbeit, die ihm nicht in den Schoß gelegt wurde, er musste um diesen Job auch gegen den Willen seiner Eltern kämpfen. Und das zeichnet erfolgreiche Menschen aus: Sie wissen, was sie wollen.

Ursprünglich machte Markus Betz die Lehre zum Maschinenschlosser und arbeitete bei den ÖBB, wo man – wie damals durchaus üblich in Staatsbetrieben – noch pragmatisiert werden konnte. Er war auch einer der Jahrgangsbesten und bekam ein Praktikum in Dänemark finanziert. So schien seine Laufbahn vorbestimmt.

Entsprechend verunsichert waren seine Eltern, als er einen Mitarbeiter der Getränkefirma Ammersin kennenlernte und kurzerhand beschloss, den Rest seines Lebens guten Getränken zu verschreiben und den sicheren Job bei den ÖBB aufzugeben. Heute sind sie sehr stolz auf ihn.

Auf seinen Urlaubsreisen besucht er gerne Brauerein, da er sich auf Bier spezialisiert hat und in diesem Bereich als Biermanager auch bei der Firma Ammersin tätig ist. Das macht nun auch den Unterschied aus: Viele wollen im Urlaub abschalten und vom Beruf nichts wissen, Markus Betz besucht Brauereien, weil der Beruf auch zu seinem liebsten Hobby geworden ist.

Was macht eigentlich eine gute Führungskraft aus? Man darf sich für keine Arbeit in der Firma zu schade sein, muss einspringen, wo man gerade gebraucht wird und so entsteht ein besonderer Teamgeist, der die anderen MitarbeiterInnen beflügelt.

Teamgeist spielt auch beim Fußball eine große Rolle und so ist es sicher kein Zufall, dass Markus Betz leidenschaftlicher Rapid-Fan ist und dazu noch das Glück hat, dass seine Lebenspartnerin, die er bei Rapid kennengelernt hat, diese Leidenschaft mit ihm teilt.

Wer bis jetzt aufmerksam gelesen hat, erkennt allerdings, dass meist eine Eigenschaft für den Erfolg wichtig ist, die man leider nicht so leicht lernen kann: Das ist Mut. Markus Betz hat diesen bewiesen, als er seinen Job bei den ÖBB aufgegeben hat, er beweist ihn aber auch laufend, wenn er innovative Projekte für die Firma Ammersin startet.

Wer hätte gedacht, dass man Bier-Verkostungen auch online durchführen kann und dass diese so erfolgreich sind, dass man sie auch nach dem Corona-Lockdown fortsetzen wird?

Gerade in Zeiten wie diesen ist Innovation besonders wichtig und für diese benötigt man neben Mut auch Kreativität, die nicht jeder besitzt und die man nicht so leicht lernen kann. Bei der Neugestaltung oder Neueinrichtung von Getränke-Shops ist Kreativität ebenso gefragt.

Sicherlich wäre Markus Betz als Maschinenschlosser bei den ÖBB auch ein zufriedener Mensch geworden, sein volles Potenzial mit all seinen Talenten kann er aber mehr bei der Firma Ammersin nützen und das ermöglicht diese besonderen Glücksgefühle, die man im Berufsleben nur dann hat, wenn der Beruf ganz genau zur Persönlichkeit passt. Das sollte man gerade jungen Menschen schon in der Schule klarmachen.

Geschichte auf story.one

Audio

Firma Ammersin

Mag. Barbara Jung - Ernährung oder Psychologie

Wie kann man den Menschen helfen, ein glücklicheres Leben zu genießen? Liegt der Schlüssel dazu in der Psychologie oder in der Ernährung? Will man sich die Sache einfach machen, antwortet man, dass natürlich beides seine Bedeutung hat. Lässt sich aber die Wichtigkeit von Ernährung überschätzen?

So muss es auch Mag. Barbara Jung gegangen sein, die zunächst Psychologie studierte, sich nun aber immer mehr darauf konzentriert, was man eigentlich essen soll, um die Stimmung zu heben, fit zu sein und genug Energie für ein gelingendes Leben zu entwickeln.

Sie erzählt im Podcast von der großartigen Wirkung der Kakao-Bohnen, aus denen sie Genusstropfen oder auch ein Müsli herstellt, das nicht nur sehr bekömmlich ist, sondern auch beim Abnehmen helfen kann.

Wenn man sich in unseren Breiten umschaut, hat man das Gefühl, dass viel zu viele Menschen, auch schon Kinder, Gewichtsprobleme haben. Obwohl der Hunger auf der Welt immer noch ein nicht zufriedenstellend gelöstes Problem ist, sterben heutzutage bereits viel mehr Menschen an den Folgen von zu hohem Gewicht.

So verkauft Mag. Jung nicht nur ihre Produkte, sondern auch ihr Know-how, indem sie Workshops anbietet, wo man selbst Pralinen herstellen kann, die tatsächlich mit herkömmlichen Süßigkeiten nicht vergleichbar sind. Im Podcast erklärt sie, dass Kakao mehr als ein normales Nahrungsmittel ist. Man kann ihn auch als Unterstützung sehen, die in vieler Hinsicht günstig auf unseren Körper wirkt.

Über Ernährung lässt sich gut philosophieren: Sie soll ein Genuss sein, also schmecken, dem Körper nicht schaden, im besten Fall sogar nützen. Lässt sich das unter einen Hut bringen? Soll man essen, was einem schmeckt, um damit einen hohen Grad von Genuss zu erreichen, oder soll man essen, was für einen gut ist, dafür aber vielleicht weniger Genuss beim Essen haben? Viele Menschen lösen dieses Problem mal so und dann wieder so, der Mittelweg scheint ein vernünftiger Weg zu sein.

Wenn man sich allerdings mit dem Thema eingehender beschäftigt, begreift man rasch, dass es für jeden den genau richtigen Weg gibt, über den man tatsächlich zu einem erfüllten Leben kommen kann, weil man einfach mehr positive Energien entwickelt. Dieser Weg ist aber durchaus dornig, weil man von alten Gewohnheiten abweichen muss, auf die man durch die Erziehung der Eltern in vielen Jahren geprägt wurde. Man muss sich auch mit dem Thema beschäftigen, was Zeit und Energie kostet, die man gar nicht hat, weil man sich ja schon weitgehend falsch ernährt.

Die Leiden, die sich durch falsche Ernährung im Körper ausbreiten, kommen auch langsam, gleichsam schleichend und vorerst unbemerkt. Lange Zeit hat man das Gefühl, dass man mit Übergewicht auch gut leben kann. Nur wenige schaffen rechtzeitig die Kurve. Es ist sehr lobenswert, dass Mag. Jung ihre Workshops auch an Schulen anbietet. Da lassen sich die TeilnehmerInnen noch leichter für neue Wege begeistern.

Wann ist es für ein Umdenken tatsächlich zu spät?

Geschichte auf story.one

Audio

Firma Chocofalla

Susanne Lakner - wer Hunde liebt

Hunde polarisieren in unserer Gesellschaft: Viele lieben sie und machen sie zu regelrechten Familienmitgliedern, manche – zum Glück eher wenige – mögen keine Hunde, weil sie das Bellen stört, sie Angst vor ihnen haben oder von HundebesitzerInnen genervt sind, die noch immer nicht wissen, wo das Geschäft ihres Lieblings am Wegesrand hingehört.

Susanne Lakner liebt Hunde und hat ihre Liebe zum Beruf gemacht. Man spürt das im Podcast, wenn sie über ihre KundInnen im Hundesalon spricht. Einmal mehr wird mir bewusst, wie sehr man sein Leben bereichert, wenn man persönliche Neigungen und berufliche Pflichten vereinen kann.

Ohne Zweifel ist die Liebe ein wichtiger Faktor und die kann man nicht nur mit Menschen erleben, sondern auch mit Tieren und da ganz besonders mit Hunden, die empfindsame Wesen sind und sich in ihrer Treue und Zuneigung meist bedingungslos zeigen. So werden sie nicht selten für Menschen zu ErsatzpartnerInnen oder Ersatzkindern.

Wer sich nun diese Gesellschaft kauft, muss gut beraten werden. Welcher Hund passt zu welcher Lebenssituation? Wenn man den Hund dann in seinem Haushalt aufgenommen hat, sollte man auch wissen, wie man ihn pflegen muss. Auch die Tiere haben selbstverständlich das Recht auf größtmögliches Glück.

TierhalterInnen könnten sich in diesen Fragen sehr gut beraten lassen, z. B. bei Susanne Lakner. Viele machen das leider nicht, sodass sogar im Tierschutzrecht geregelt ist, dass Menschen wegen Überfütterung von Haustieren bestraft werden können. Das mutet auf den ersten Blick etwas seltsam an, weil man die eigenen Kinder völlig ungestraft übergewichtig machen darf.

Im Prinzip handelt es sich hier immer um eine Frage der Achtsamkeit, die eine der wichtigsten Tugenden für Liebende sein sollte. Zu oft denkt man beim Lieben an sich und zu wenig an den Geliebten. So mag das auch manchmal bei HundebesitzerInnen sein, denen es mehr um die eigenen Bedürfnisse als um die Bedürfnisse ihres Hundes geht.

Der vermeintliche Tierliebhaber wird dann vielleicht auch völlig unbewusst plötzlich zum Tierquäler. Denken wir an die Hunde, die nicht am Rand schnüffeln dürfen, weil sie immer weitergezogen werden oder sogar am Fahrrad angebunden sind. Oder völlig ungepflegte Tiere, die sich in ihrem Fell nicht mehr wohlfühlen können. Aber auch Tiere, die als Spielzeug für wenig achtsame Kinder herhalten müssen.

Liebe hat auch etwas mit Pflege zu tun. So scheint der Weg in den Hundesalon ein guter Beginn für eine erfolgreiche Beziehung zum eigenen Haustier zu sein, weil dort nicht nur das Tier gepflegt wird, sondern man auch gleichsam nebenbei die Beratung bekommt, die so manchem Hundehalter fehlt.

Man könnte diese Geschichte auch “Wer Menschen liebt” nennen und müsste dafür nur wenige Worte ändern. Zwischen Tier- und Menschenliebe liegt kaum ein Unterschied und so gesehen wären Haustiere tatsächlich ein guter Einstieg in die Kunst des Liebens – vorausgesetzt, die Kinder werden dabei richtig begleitet.

Geschichte auf story.one

Audio

Hundesalon Tieroase

Dr. Robert Streibel - Bedeutung der Bildung

Allgemeinbildung kommt immer mehr aus der Mode, zielgerichtete Ausbildung für bestimmte Berufe wird weiterhin gerne angenommen. Menschen wollen weitere Sprachen lernen, vor allem, wenn sie reisen oder diese beruflich benötigen, und sie wollen immer wieder etwas für ihren Körper tun, beispielsweise für einen gesunden Rücken.

Dr. Streibel ist schon seit 22 Jahren Direktor der Volkshochschule in Hietzing und erzählt im Podcast von diesen Entwicklungen, die man auch von der allgemeinbildenden Schule kennt, wo es bei der Deutschmatura hauptsächlich um das Verständnis von Zeitungsartikeln geht und Literatur kaum noch eine Rolle spielt. Wo sich die SchülerInnen in der Oberstufe zwischen Musik und Bildnerischer Erziehung entscheiden müssen und nicht mehr der Unterricht in beiden Fächern vorgesehen ist. Wo man in Geschichte immer mehr Platz für die durchaus wichtige politische Bildung vorsehen muss und für die Vergangenheit somit weniger Zeit hat.

So könnte es schon passieren, dass sich Menschen auch immer weniger Gedanken über Philosophie und Pädagogik machen und damit Grundlegendes verloren geht. Dr. Streibel bemüht sich um die Rettung guter Gedanken und interessanter Ideen, indem er Ausstellungen in der Volkshochschule organisiert, damit diese für die KursteilnehmerInnen gleichsam “nebenbei” zu sehen sind.

Es gibt im Stiegenhaus im Rahmen einer Ausstellung Zitate der Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald in großen Schriftzügen an der Wand zu lesen: „So hat das den Grund darin, dass ich kein Talent zum Unglücklichsein habe. Ich habe in meinem Leben nie Klagen gelernt; ich war wirklich immer begeistert und geneigt, alle Dinge so lange zu drehen, bis ein Rosenschimmer von ihnen ausging.“ Am Weg zum Kursraum kann man nun über diesen Satz und gleich über sein eigenes Leben nachdenken.

Dr. Streibel hat dieses Konzept entwickelt, damit immer noch Allgemeinbildung unter die Menschen kommt. Man kann sie neugierig machen und auch auf eine Lesung aufmerksam machen, die es ebenfalls über Eugenie Schwarzwald geben wird. Veranstaltungen dieser Art oder auch ganze Lesenächte werden noch vielfach angenommen, da “Events” ein soziales Erlebnis sind, wo man mit Bildung “auch” zu tun hat.

Man muss also wirklich innovative Wege gehen, um auf Themen aufmerksam zu machen, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten würden. Nehmen wir die Entwicklung der Umwelt, die dazu geführt hat, dass es immer weniger Bienen gibt. Am Dach der Volkshochschule waren viele Jahre Bienenstöcke (derzeit wird das Haus umgebaut) und es gab auch Kurse von einem Imker.

Allgemeinbildung darf nicht verloren gehen und jeder von uns sollte sich überlegen, wie man – ähnlich wie in der Volkshochschule Hietzing – gute Gedanken weiter in die Welt tragen könnte. So wichtig die SpezialistInnen für die Gesellschaft sind, so wichtig ist es auch, dass man die Zusammenhänge im Auge behält, damit die Welt besser und nicht schlechter wird.

Geschichte auf story.one

 Audio

 VHS Hietzing

Rudolf Schramm - der Lebenskünstler

Leben ist tatsächlich eine Kunst. Manche beherrschen diese schlechter und haben einiges zu leiden, andere schaffen es hervorragend, und man nennt sie dann gerne Lebenskünstler.

Der Lebenskünstler zeichnet sich nicht dadurch aus, dass immer alles bestens bei ihm läuft. Wie jeder andere Mensch hat er seine Hochs und seine Tiefs, und er hat auch seine Chancen und sein Pech. Der Lebenskünstler spielt aber einfach besser mit den Karten, die er vom Leben bekommt.

Natürlich zeigt sich die Lebenskunst in besonderer Weise im Beruf. Da gibt es die einen, die tagein, tagaus einen Job machen müssen, der sie wenig oder gar nicht freut, und wo sie gerade genug verdienen, um überleben zu können. Manche verlieren ihre Arbeit und finden dann keinen neuen Job, andere werden durch ihre Arbeit ständig überfordert und regelrecht krank davon. Viele arbeiten, weil sie müssen und nicht weil sie wollen. Der Lebenskünstler macht natürlich einen Job, den er sich ausgesucht hat, den er deshalb gerne macht und wo er sich auch gut bezahlt fühlt.

Rudolf Schramm hat mit Freunden eine Werbeagentur aufgebaut, mit der er sehr erfolgreich war. So hat er für IKEA den Elch erfunden oder für den damaligen Bundekanzler Vranitzky im Wahlkampf für seine gelungene Wiederwahl den Slogan „Zu neuen Qualitäten“ ersonnen. Er erzählt auch im Podcast, wie ihm dieser Text eingefallen ist: bei einer Zugfahrt mit seinen Freunden nach Ungarn, gleichsam nebenbei mit einer großen Leichtigkeit.

Mit fünfzig Jahren beschloss er, die Werbeagentur zu verkaufen und neue Wege zu gehen. Er schrieb ein Buch und genoss einfach die große Freiheit.

Er interessierte sich immer sehr für bildende Kunst und begann zu sammeln. In den letzten Jahren gründete er mit Freunden einen Verein, der Bilder auch noch unbekannter Künstler ausstellt und verkauft. Hier arbeitet er mit Wolfgang Mühlberger zusammen, der ein Antiquariat in Speising führt. Somit gibt es für beide wunderbare Synergieeffekte, vor allem aber eine schöne Zusammenarbeit von Freunden.

Ein anderer Freund hat gerade ein Lokal eröffnet und nun überlegt Rudolf Schramm, vielleicht auch dort mit einzusteigen, um Gastronomie und Kunst zu verbinden.

Auch wenn man schon im Pensionsalter ist, kann man noch innovativ und mutig sein. Es gehört nicht zur Lebenskunst, dass man genau so wie ein bestimmter Lebenskünstler ist, man kann auch völlig anders sein, wenn es für einen passt. Der Lebenskünstler macht einfach genau das, was er will. Glück gehört dazu, weil man nicht zu krank sein darf, aber sonst hat man tatsächlich viel in der Hand.

Wenn man in die blitzenden Augen von Rudolf Schramm schaut, und er verschmitzt lächelnd sagt, dass er nicht mit Sicherheit sagen kann, was er als Nächstes machen wird, spürt man die Freiheit dieser Selbstbestimmtheit, die eine ständige Entfaltung der eigenen Bedürfnisse zulässt. Eines ist sicher: Es wird im Spaß machen, weil er es sonst einfach nicht machen wird.

Kann man Lebenskunst lernen oder lehren?

Geschichte auf story.one

Audio

Antiquariat und Galerie

Horst Zecha - was Leidenschaft schafft

Negativ gestimmte Menschen meinen, dass Leidenschaft Leiden schafft. Es ist aber hinlänglich bewiesen, dass durch Leidenschaft auch Großes erreicht werden kann, es kommt eben immer darauf an, wofür man diese Leidenschaft entwickelt.

Ich kenne Horst Zecha schon seit meiner Jugendzeit als vielseitig talentierten Menschen. Er ist Absolvent einer HTL, daher technisch versiert, aber auch künstlerisch als Gitarrist tätig, und er ist ein hervorragender Fotograf.

Vor über 30 Jahren machte ich als Lehrer für Geschichte mit meinen SchülerInnen ein Projekt über die regionale Geschichte und wollte dazu auch in einer Bank eine Ausstellung mit Fotoansichten von damals und heute zeigen. Da ich wusste, dass meine fotografischen Fähigkeiten dieser Aufgabe nicht gewachsen waren, bat ich Horst, die heutigen Ansichten zu fotografieren. Seine Fotos waren perfekt und die Ausstellung wurde ein großer Erfolg. Er analysierte die alten Fotos ganz genau, um den richtigen Ausschnitt in der gleichen Jahreszeit bei ähnlichen Lichtverhältnissen wieder abzubilden.

Als er damals mit dem Fotografieren in der Region begann, wurde ihm bewusst, dass sich die Gegend laufend ändert, und er mit seinen Fotos einen wichtigen Beitrag für spätere HeimatkundeforscherInnen leisten kann. Und da lag ein tiefer Sinn.

Wenn man in einer glücklichen Beziehung lebt und sich mit seinen Kindern gut versteht, hat man viel erreicht. Für ein wirklich ausgefülltes Leben ist aber auch ein Hobby dienlich, das man jederzeit ausführen kann und bei dem man das Gefühl hat, dass es wirklich Sinn macht. Dieser Sinn kann natürlich einfach die Freude sein, die man selbst empfindet, aber viel schöner ist es, wenn man diese Freude empfindet und dabei auch noch viele andere Menschen glücklich machen kann.

Horst Zecha hält Vorträge, in denen er seine Fotos zeigt, und er veröffentlicht sie in diversen Publikationen. Er wurde auch Obmann der Heimatrunde St. Hubertus und ist so im ständigen Austausch mit Interessierten, die ebenfalls alte Ansichten sammeln und die Geschichte der Region dokumentieren wollen.

Genau dieses Zusammenspiel mit anderen Menschen ist sehr beglückend, weil man die Anerkennung der ZuhörerInnen bekommt und die Anregungen anderer ForscherInnen.

Besonders schön muss aber das Gefühl sein, dass man etwas schafft, das über das eigene Leben hinausgeht. Noch in vielen Jahren werden spätere HeimatkundeforscherInnen die Fotos von Horst Zecha bewundern und voller Dankbarkeit für ihre Tätigkeit nutzen.

Wenn man nach einem Weg für ein gelingendes Leben sucht, sollte man ein Hobby finden, das einem Freude bereitet und vielleicht zu einer richtigen Leidenschaft wird. Die Kunst des gelingenden Lebens liegt dann nur noch darin, dass man für diese Leidenschaft nicht andere wichtige Bereiche seines Lebens vernachlässigt, sondern alles so gut unter einen Hut bringt wie Horst Zecha. Dann schafft Leidenschaft Großartiges.

Geschichte auf story.one

Audio

Heimatrunde St. Hubertus

Gerald Bischof - gute Politik

Viele Menschen verbinden gute Politik in jedem Fall mit der Politik, die ihrer Ideologie entspricht. So fühlen sich die meisten Menschen einem der bekannten Lager verbunden und neigen manchmal auch dazu, die Politik der Partei des betreffenden Lagers „parteiisch“ zu sehen.

Gerald Bischof ist Bezirksvorsteher und kein Politiker meines Lagers. Trotzdem finde ich, dass er gute Politik macht. Das ist im Bezirk natürlich einfacher, da es hier tatsächlich weniger um Ideologie geht, sondern mehr um pragmatische Lösungen für den Bezirk, die nicht selten von allen Parteien in der Bezirksvertretung einstimmig mitgetragen werden.

Besonders sympathisch finde ich, wenn ein Politiker nicht wie ein Parteisoldat immer die Meinung seiner Partei vertritt, sondern auch kritisch ist und so nicht in erster Linie an seine Karriere innerhalb der Partei denkt, sondern daran, was er für richtig hält. Darüber erzählt Gerald Bischof ganz unverblümt. Schon als Mitglied der Jungen SPÖ hat er sich gegen die in der Ära Kreisky propagierte Atompolitik gestellt.

Auch später ist er sich immer selbst treu geblieben und hat auch 2015 nicht die damalige Willkommenspolitik seiner Partei rückhaltlos unterstützt, sondern bei der Flüchtlingsaufnahme in seinem Bezirk vertretbare Grenzen gefordert, weil er wohl einer der Ersten war, der erkannt hatte, dass man mit der Aufnahme von zu vielen Flüchtlingen nur den rechten Parteien WählerInnen zuführt und eine gewaltige gesellschaftliche Spaltung riskiert.

Meine Erinnerungen an ihn reichen aber wesentlich weiter zurück. Vor rund 25 Jahren gründete ich als Lehrer einen Schulverein, der Computerkurse anbot, um einen Computersaal für meine Schule zu finanzieren. Gerald Bischof war damals Direktor der Volkshochschule Liesing und so traten wir mit ihm in eine direkte Konkurrenz, da die Volkshochschule ebenfalls Computerkurse veranstaltete.

Trotzdem durften wir bei einer Bildungsmesse in der Volkshochschule teilnehmen und hatten unseren Stand direkt neben dem der Volkshochschule. Wir brachten sehr stolz einen der ersten damals verfügbaren Videoprojektoren mit, um eine PowerPoint-Präsentation zu zeigen. Schon nach fünf Minuten gab unser Projektor den Geist auf, und wir waren entsprechend enttäuscht.

Gerald Bischof bemerkte das, verschwand kurz und kam mit einem riesigen Videoprojektor zurück, den ein Mensch kaum tragen konnte, und stellte uns diesen zur Verfügung. Vielleicht auch deshalb wurden unsere Kurse sehr erfolgreich, was Bischof immer gelassen sah und nur sagte: „Konkurrenz belebt!“

Wenn man mit seinen politischen MitbewerberInnen spricht, wird er oft wegen seiner Fairness gelobt.

Auf meine Frage, wie man eigentlich Bezirksvorsteher wird, antwortet er sehr bescheiden, dass man sich im Team einigen muss, wer diese Rolle übernimmt.

Man kennt doch von der Politik, dass gerne an Sesseln gesägt wird. An seinem nicht. Das spürt man, und man weiß auch, warum.

Geschichte auf story.one

Audio

Gerald Bischof

Harald Mally - der Pfarrer

Als nicht katholischer und überhaupt wenig religiöser Mensch war ich auf das Gespräch mit Pfarrer Harald besonders gespannt und wurde sehr überrascht: Er sagte keinen Satz, den ich nicht sofort unterschreiben könnte. So auch die Wahl des bestimmten Artikels und nicht des unbestimmten im Titel: So sollte ein Pfarrer meiner Meinung nach sein.

Aus seinem ganzen Wesen strahlt kein kirchliches Dogma, sondern nur die reine Menschlichkeit. Er zeigte mir seine bescheidene Wohnung, in der vor kurzem noch Flüchtlinge gelebt hatten und am Weg dorthin übergab er einer Reinigungskraft der Pfarre einen Strauß Blumen, weil sie Geburtstag hatte, und er sich bei dieser Gelegenheit für ihre Arbeit herzlich bedanken wollte.

Was würde er gern in der Kirche durchsetzen? Frauen müssten hohe Ämter erlangen können, meinte er darauf spontan. Damit würde er gleich eines der größten Probleme lösen, das ich selbst mit der katholischen Kirche habe: Warum werden Frauen diese Ämter verwehrt? Wer kann das in unserer zum Glück immer offener werdenden Zeit noch verstehen?

Pfarrer Harald ist auch Musiker, spielt das Akkordeon und singt gerne Wiener Lieder. Wenn es sich ergibt, auch in einem Bierzelt am Kirtag. Damit gewinnt er die Herzen der Menschen, die nicht in die Kirche kommen, um seine Predigten zu hören, die er sich übrigens immer gut überlegt und gerne mit aktuellen Bezügen versieht.

Ich stelle es mir schön vor, wenn man an einer Predigt arbeitet, sie dann auch hält und vielleicht danach positive Rückmeldungen bekommt. Als Lehrer geht es einem ähnlich bei der Vorbereitung des Unterrichts, wenn auch der Inhalt des Unterrichts nicht immer so tiefgründig ist.

Meine größte Hochachtung gilt allerdings der Seelsorge. Der Pfarrer wird zu Menschen gerufen, denen es schlecht geht, und sie erwarten sich von ihm positive Energie, und das muss er oft nicht einmal, sondern durchaus auch mehrmals am Tag leisten. Wie schafft man es, so viel zu geben? So viel Leid zu sehen und dabei nicht selbst Schaden zu nehmen? Ist das die göttliche Kraft? Ich würde das nicht können.

Die Kirche leistet auch viel in der Jugendarbeit. Erwachsene erinnern sich gerne mit leuchtenden Augen an ihre Jungscharlager, wo man nicht nur andere Menschen gut kennenlernt, sondern auch den so wichtigen Zusammenhalt. Man soll füreinander, aber auch für andere Menschen da sein.

So wird in der Pfarre viel für die Flüchtlingsarbeit geleistet. Pfarrer Harald zeigt mir Berge von Lebensmittelspenden, die aber auch an andere bedürftige Menschen weitergegeben werden.

Man geht von so einem Gespräch schon etwas beschämt nach Hause und fragt sich, was man eigentlich selbst für andere Menschen tut. Pfarrer Harald fragt andere nicht danach, und er fordert auch nichts mit erhobenem Zeigefinger. Er lebt einfach vor und wird so für viele Menschen zu einem wichtigen Vorbild. Er spricht nicht nur von Nächstenliebe, er lebt sie aus ganzem Herzen. Und das spürt man. Auch, wenn er singt.

Geschichte auf story.one

Audio

Pfarre Mauer

Stephan Mally - Glück im Garten

Jeder findet sein Glück woanders. Viele im Garten. Stephan Mally liebt die Arbeit im Garten und hat als Gartengestalter sein Hobby zum Beruf gemacht. Liebe ist auch eine wichtige Grundlage für Glück und Stephan Mally liebt nicht nur Menschen, das merkt man, wenn er über seine Familie spricht, er liebt Tiere wie seinen Hund, den er aus einer Tötungsstation gerettet hat und eben auch Pflanzen. Schon als Kind holte er sie aus dem Mistkübel, um sie wieder aufzupäppeln.

Es ist ein großes Privileg, wenn man so viel Liebe in sich trägt. Es gibt Menschen, die einen Garten haben und mit diesem Schatz gar nichts anfangen, ihn regelrecht verkommen lassen. Andere sparen ein halbes Leben lang auf ein Haus mit Garten, um sich ihren Lebenstraum endlich verwirklichen zu können. Nicht immer kommen Dinge zusammen, die auch zusammen gehören.

Es beginnt schon mit Zimmerpflanzen, die sich jeder leisten kann und geht über Balkonpflanzen, für die man schon glücklicher Besitzer eines Balkons sein muss, und der Höhepunkt eines Lebens mit der Natur liegt wohl in der Gartengestaltung.

Es gibt unterschiedliche Wege, dieses Glück zu erreichen. Viele versuchen es als Autodidakten und zahlen viel Lehrgeld, manche Dinge lassen sich da vielleicht auch gar nicht mehr leicht rückgängig machen. So empfiehlt sich am Beginn der Neugestaltung eines Gartens das Gespräch mit dem Profi, damit die eigenen Wünsche dem tatsächlich Machbaren möglichst nahekommen. Pflanzen, die einmal falsch gewachsen sind oder an einer nicht passenden Stelle gesetzt wurden, können Probleme bekommen.

Gartenarbeit und Erziehung von Menschen hängen eng miteinander zusammen. In beiden Fällen sollte man schon vorher wissen, was man tut, genau beobachten und rasch reagieren, wenn etwas nicht gut läuft.

In jedem Fall spielt auch die Achtsamkeit eine große Rolle, in der man sich jeden Tag aufs Neue üben muss.

Bei der Erziehung und in der Gartenarbeit ist auch das Expertenwissen von großer Bedeutung. In beiden Fällen denken viele Menschen, dass sie darauf verzichten können, und es auch so schaffen. Wenn man sich so manche traurigen Gärten und auch traurige Kinder anschaut, erkennt man, dass es doch nicht so einfach sein dürfte, und man guten Rat daher nicht unbedingt ignorieren sollte.

Nun gibt es ja im Bereich Erziehung und Garten viele ExpertInnen, und es ist ganz entscheidend, die richtige Wahl zu treffen. Nach welchen Kriterien sucht man am besten? Entscheidend sind wohl die Referenzen. Wer schon einige schöne Gärten oder glückliche Kinder vorweisen kann, wird wohl seine Expertise haben.

Besonders wichtig erscheint mir allerdings, dass der Experte tatsächlich eine Liebe und Leidenschaft für sein Fachgebiet entwickeln konnte.

In diesem Fall hat mich Stephan Mally besonders beeindruckt. Wenn man ihn nach seinem Hobby fragt, was er am Wochenende gerne macht, wenn er eine Arbeitswoche lang in anderen Gärten gearbeitet hat. Es ist die Arbeit im eigenen Garten.

Geschichte auf story.one

Audio

Stephan Mally

Hans Mittheisz - was kann man tun?

Dipl.-Ing. Hans Mittheisz ging als erfolgreicher Wiener Obersenatsrat in Pension und wollte auch weiter etwas Sinnvolles für andere tun. Als Experte für Informations- und Kommunikationstechnologie entschied er sich für die Betreuung einer regionalen Website und einen E-Mail-Verteiler, um Menschen in seiner unmittelbaren Wohnumgebung über Veranstaltungen zu informieren.

Am besten arbeitet man in seiner Pension in Bereichen, die einem schon vom Berufsleben her vertraut sind.

Darüber hinaus wollte er aber auch für seinen Ort etwas weiterbringen und beschloss, bereits tätige Vereine an einen Tisch zu bringen, damit man gemeinsam überlegen kann, welche Ziele man erreichen will und wie man die Kräfte dafür bündeln könnte.

Für alle diese Aufgaben investiert er viel Zeit. Warum leisten sich das manche Menschen?

Ich denke, dass es zwei grundsätzliche Positionen mit vielen Abstufungen dazwischen gibt, die Menschen zu ihrem Pensionsantritt einnehmen können: Die einen sagen, ich mache jetzt endlich das, wofür ich durch den Beruf immer zu wenig Zeit gehabt habe, die anderen überlegen, wo sie sich aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung weiterhin noch gut einbringen können.

Die einen machen also Reisen, kümmern sich viel um ihre Familie oder haben endlich genug Zeit für ihre Hobbys, die anderen wollen in ihren erlernten Fähigkeiten keinesfalls einrosten und versuchen sie weiterzunutzen.

Lebenskunst benötigt man vor allem im Alter, wo die Voraussetzungen immer ungünstiger werden. So mancher wird jetzt protestieren und meinen, dass man es als Kind mit schlechten Eltern schon sehr schwierig haben kann, im Kindergarten und in der Schule, wenn man von PädagogInnen oder anderen Kindern nicht achtsam behandelt wird oder auch später, wenn man in der weiterführenden Ausbildung scheitert, Beruf, Partner, vielleicht sogar Freunde nicht findet oder verliert. Im Leben warten viele Hürden, die genommen werden wollen.

Im Pensionsalter wird einem aber die körperliche Hinfälligkeit immer deutlicher und auch die geistigen Fähigkeiten lassen in der Regel nach, man wird langsamer, verliert an Wendigkeit, merkt sich oft wichtige Dinge nicht mehr so leicht. Durch körperliche und geistige Aktivität kann man hier ein wenig gegensteuern, der grundsätzliche Abbau lässt sich aber kaum aufhalten.

Dazu kommt, dass man den Partner oder liebe Verwandte und FreundInnen in dieser Phase häufiger verliert. Auch damit muss man zurechtkommen.

Wenn es dir im Alter gut geht, hast du die Königsdisziplin des Lebens geschafft. Man muss mit Körper und Geist im Frieden und finanziell abgesichert sein. Man sollte – das ist am wichtigsten – noch einen Sinn im Leben gefunden haben.

Hans Mittheisz hat bald nach dem Beginn der Pension seine geliebte Partnerin Elisabeth verloren und zeigt tapfer und gut eingebettet in einer großen Familie mit drei Kindern, lieben Schwiegerkindern sowie sechs Enkeln, wie man es schaffen kann.

Geschichte auf story.one

Audio

 Dipl. Ing. Hans Mittheisz

Elisabeth Schlesinger - trotzdem Drogistin

Elisabeth Schlesinger führt ihre Drogerie in der dritten Generation und sagt in unserem Podcast ganz deutlich, dass sie diese schwierige Aufgabe ihrem Vater zu Liebe übernommen hat. Sie hätte für sich einen anderen Lebensweg gewünscht.

Trotzdem ist sie heute eine stolze Drogistin, die ihren Job mit großer Leidenschaft und hoher Kompetenz erledigt. Anders könnte sie gegen die starke Konkurrenz der Super- und Drogeriemärkte gar nicht bestehen.

„Trotzdem“ ist ein interessantes Wort. Ist das, was danach kommt gut oder schlecht? Kann man für sein eigenes Leben festlegen, was gut und schlecht war? Hatte der Vater recht, als er sich dachte, sie soll es „trotzdem“ machen, obwohl sie es eigentlich nicht will, weil der Familienbetrieb mühsam aufgebaut wurde und jetzt auch weitergeführt werden soll? Hatte die Tochter recht, als sie sich dachte, ich mache das dem Vater zuliebe, weil ich weiß, dass sein Herz am Betrieb hängt, und ich könnte sowieso nicht glücklich werden, wenn er unglücklich ist? Ich bleibe also „trotzdem“ im Familienbetrieb, obwohl ich eigentlich gerne etwas anderes machen würde.

Trotzdem“ etwas machen ist kein Kompromiss, sondern etwas ganz anderes. Also keine Kleinigkeit. Kann man das empfehlen?

Elisabeth Schlesinger wird nie wissen, wie ihr anderes Leben geworden wäre. Für ihren Sohn war ihr aber von Anfang an klar, dass er beruflich seinen Interessen nachgehen soll, auch wenn er dafür ins Ausland gehen muss. Er soll die Freiheit leben, die sie nie gehabt hat.

Die Schwierigkeit liegt auch darin, dass man nicht weiß, ob der Vater recht gehabt hat. Im Prinzip wollen ja die Eltern immer das Beste für die Kinder und der Vater hat vielleicht gar nicht gedacht, dass es für sein Wohlergehen das Beste ist, wenn die Tochter den Betrieb übernimmt. Er hat vielleicht gedacht, dass es für sie das Beste ist, weil sie sich schon gut auskennt, sich anderen nicht unterordnen muss und als eigene Chefin alle Entscheidungen selbst treffen kann.

Vielleicht hat er sich auf die Zusammenarbeit mit der Tochter in der Übergangsphase gefreut, wenn er manche Aufgaben noch selbst übernehmen kann. Auch der Austausch über fachliche Themen innerhalb der Familie kann durchaus inspirierend sein, und es ist ein gutes Gefühl, wenn man sich zum Wohl der Firma noch als Vater beratend einbringen kann.

Wir wissen nicht, was sich der Vater gedacht hat, und wir können ihn auch leider nicht mehr fragen. Im Leben bleibt oft viel zu viel Unklares zurück. Man kann dem nur begegnen, wenn man klar und offen mit den Menschen spricht, die einem wichtig sind.

Elisabeth Schlesinger hat das mit ihrem Sohn gemacht, und er wird ihr dankbar dafür sein. Gelernt hat sie diese Klarheit aus ihren eigenen Erfahrungen, wo sie diese vielleicht schmerzlich vermisst hat. Die größte Leistung eines Menschen liegt darin, wenn er sich nicht so entwickelt, wie er geprägt wurde, sondern aus eigener Kraft einen anderen Weg für die nächste Generation findet.

Geschichte auf story.one

Audio

Drogerie Schlesinger

Alexander Sael - mit Mut zum Erfolg

Im Roman „Der Alchimist“ wird es eindrucksvoll dargestellt, Alexander Sael hat es gelebt: Lebensentscheidungen bewirken wichtige Änderungen, und man findet seinen Weg, wenn man mutig ist.

Alexander Sael war mutig, als er seinen sicheren Job als gelernter Schlosser bei einer großen österreichischen Firma nach 17 Jahren kündigte um Event-Manager zu werden. Seinen Eltern gefiel das gar nicht, da gab es eine Zeit lang sogar Funkstille, und er selbst begann mit einem Beruf, für den seine gute Ausbildung und seine lange Berufserfahrung kaum etwas brachten.

Nach weiteren 17 Jahren sitzt er nun in seinem neuen Büro in einem Einkaufscenter und ist zu Recht stolz. Genau in diesem Einkaufscenter hat er seinerzeit mit seinen Events begonnen und rasch gemerkt, dass man diese auch gut bewerben muss. Wenn man für ein Event werben kann, kann man auch für Firmen werben und so entstand die Idee, eine Werbeagentur zu gründen.

Zunächst wurde für die Firmen geworben, die bei den Events mitmachten, später für alle Firmen und auch andere Einkaufscenter. Alexander Sael macht keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Firmen, er ist für alle da und am liebsten von der Gründung an, so greift ein gutes Werbekonzept am besten, das man immer längerfristig laufen lassen muss, damit die Werbung auch wirkt.

Natürlich kann man mit der Zeit lernen, wie man Events organisiert und man kann auch lernen, wie Werbung funktioniert. Ich finde es aber doch überraschend, dass man als gelernter Schlosser in diesen Bereichen so erfolgreich sein kann. Meine Erklärung dafür: Alexander Sael war schon Event-Manager und Werbefachmann, als er seine Ausbildung zum Schlosser machte. Er entschied sich damals für den geachteten Beruf mit sicheren Zukunftschancen, im Herzen wollte er aber schon große Veranstaltungen planen und kräftig dafür die Werbetrommel rühren.

So entwickelte er vermutlich auch schon früh ein Auge dafür, was es für ein gelungenes Event braucht und wie Werbung funktioniert. Diese Beobachtungen verbunden mit der Begeisterung im Herzen waren wohl die besten Lehrmeister.

Und natürlich die Praxis! Keine Universität und keine Fachhochschule können da mithalten. Wer ein erfolgreiches Event organisiert hat, weiß, wie es geht, und er weiß vor allem auch, wie es das nächste Mal noch besser gehen wird.

Am Anfang macht man noch vieles selbst, später holt man sich für die einzelnen Arbeitsbereiche Fachleute, die bezahlt werden müssen, aber die Professionalität weiter erhöhen.

Nun ist die Erfolgsformel schon ganz gut durchleuchtet. Ein Aspekt fehlt noch, der gerade in dieser Branche unglaublich wichtig ist: Alexander Sael ist ein genialer Netzwerker. Eine Eigenschaft, die viele erfolgreiche Geschäftsleute auszeichnet.

Es ist aber nicht die wichtigste Eigenschaft. Damit kommen wir wieder an den Anfang unserer Geschichte. Alexander Sael war vor 17 Jahren unglaublich mutig und Mut führt oft zum Erfolg, wenn der richtige Mensch dahinter steht.

Geschichte auf story.one

Audio

Werbeagentur Sael 

Maria Praxmarer - die Netzwerkerin

Es gibt viele Eigenschaften, die gute Geschäftsleute benötigen, um erfolgreich zu sein. Heutzutage steht Netzwerken ganz oben auf dieser Liste der Tugenden. Darüber kann man viel von Maria Praxmarer lernen, hat sie doch mit anderen UnternehmerInnen einen Geschäftsleuteverein in einem großen Wiener Bezirk gegründet, der mittlerweile schon fast hundert Mitglieder zählt.

Wann und vor allem von wem könnte man Netzwerken lernen? Eigentlich sollte das schon in der Sandkiste beginnen und vom Kindergarten über die Schule bis zur Universität ein Unterrichtsprinzip sein. Die Realität schaut leider ganz anders aus: Viele Eltern und LehrerInnen sind keine guten NetzwerkerInnen und können das daher gar nicht vermitteln. Auch bei den Klein- und Mittelbetrieben steht es meist nicht hoch im Kurs. Die meisten bedenken nicht, dass der eigene Wirtschaftsertrag durch Kooperationen erhöht werden könnte.

Im Verein WIR 23, in dem Maria Praxmarer Obfrau ist, wurde ein geniales Konzept entwickelt, das Genussregal. Geschäftsleute stellen dieses Regal in ihrem Lokal auf und bieten Produkte von anderen Mitgliedern an. So einfach kann das gehen! Im Paket mit einigen anderen Maßnahmen kann der Verein so wirklich unterstützend wirken.

Maria Praxmarer leitet den Familienbetrieb, eine Tischlerei, ohne selbst dieses Handwerk erlernt zu haben. Sie wusste, dass sie sich mit ihrem Wirtschaftsstudium und ihren Erfahrungen aus der Unternehmensberatung trotzdem sehr gut einbringen wird. Egal, ob es um die Akquisition neuer KundInnen geht, Kooperationen mit anderen Firmen oder innerbetriebliche Abläufe, die geschickte Netzwerkerin findet immer die beste Lösung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, SchülerInnen der Oberstufe für eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit zu gewinnen. So denke ich, dass man schon viel früher damit beginnen müsste. Wie gesagt: Die offensichtlich bisher ungelöste Frage bleibt, wer das wie machen müsste.

Dabei würde es vielen schon bei der Jobsuche helfen, wenn sie Netzwerken gelernt hätten. So mancher schulischer Kontakt oder auch Verbindungen aus der weiterführenden Ausbildung hätten hilfreich sein können.

Viele jammern auch über die Konkurrenz der großen digitalen Marktplätze, ohne zu erkennen, dass man im Kleinen durch Kooperationen schon so viel erreichen könnte, um damit gegen die Großen bestehen zu können.

Dieses Zusammenwirken der Kräfte würde nicht nur die Jobsuche und die Geschäftswelt effektiver machen, auch in vielen anderen Bereichen wäre es hilfreich, wenn Menschen besser kooperieren könnten. Denken wir nur daran, was „Fridays for Future“ in kurzer Zeit für ein Umdenken bewirken konnte.

Die Kunst des Netzwerkens ist auch erst dann erreicht, wenn nach der ersten Euphorie des Beginns weiter zusammengearbeitet wird. Hier braucht es Persönlichkeiten wie Maria Praxmarer, die immer wieder motivieren und anregen, damit den ersten Schritten auch weitere folgen.

Geschichte auf story.one

Audio

Tischlerei Holzträume

Heidi Kroll - Kreativität und Beruf

Kreative Menschen haben es nicht immer leicht. In welcher Form kann man Kreativität ausleben? Zum Dasein als KünstlerIn gehört ein Drang, ein Gestaltungwille, ein Weg, der in der Regel kein Sonntagsspaziergang ist.

Leichter haben es da die Menschen, die ihr künstlerisches Talent mit einem gefragten Beruf verbinden können. Zum Beispiel LehrerInnen für bildnerische Erziehung oder Musik, JournalistInnen, WerbetexterInnen oder GrafikdesignerInnen, wenn es um die Verbindung von Farbe, Form, Typografie und Fotografie geht.

Heidi Kroll ist Grafikdesignerin. Ist es einfach, gestalterisches Talent und berufliche Pflicht miteinander zu verbinden? Die gestalterische Freiheit ist ja ggf. durch die Wünsche der KundInnen eingeschränkt.

Ein/e GrafikdesignerIn gestaltet das Erscheinungsbild eines Unternehmens nach außen. Angefangen vom Logodesign, Corporate Design über den Webauftritt sowie alle sonstigen Werbemittel eines Unternehmens wie Anzeigenkampagnen in Printmedien oder auf Social Media, Flyer, Folder, Broschüren, Mailings, Magazine, Kataloge, Verpackungen der Produkte u.s.w. Der gestalterische Prozess besteht darin, den Charakter, die Bedürfnisse, das Umfeld, die Zielgruppe und Zielsetzung des Kunden zu analysieren und entsprechend optisch umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, den eigenen Geschmack umzusetzen, sondern mit Empathie den Kunden zu erfassen und ihm durch den Blick von außen mehr und andere Ansätze anzubieten. Das ist die spannende Bandbreite der grafischen Entwicklung, zum einen auf die Kundenbedürfnisse einzugehen, sie dann aber doch manchmal mit unerwarteten Aspekten zu überraschen.

Als Grafikdesigner ist man erfolgreich, wenn der Kunde zufrieden ist und möglichst viele andere das geschaffene Werk auch so ansprechend finden, dass es seinen Zweck erfüllt. Das Corporate Design soll Eindruck machen und etwas ausdrücken, das Werbesujet soll die gewünschte Aufmerksamkeit wecken, damit das beworbene Produkt mehr als bisher verkauft wird.

Im Podcast wird auch deutlich, dass man als Grafikdesigner nicht nur am Bleistift kauend nach neuen Ideen sucht, sondern dass ein Großteil der Arbeit handwerkliches Umsetzen ist und viel Routine bei der Arbeit gefragt ist.

Berufsbilder sind für mich auch immer Lebensbilder. Benötigt man nicht in vielen Lebenslagen und allen Berufen Kreativität, und ist es nicht schade, dass viele Menschen einfach zu wenig Kreativität haben, weil sie in der Kindheit nicht gefördert wurden oder – noch schlimmer – aufkommende Kreativität von Eltern oder LehrerInnen erstickt wurde?

In diesem Zusammenhang muss man allerdings auch erkennen, dass künstlerisches Talent als besondere Begabung etwas anderes als Kreativität ist. Über künstlerisches Talent verfügen nicht viele Menschen. Das muss man respektieren und davon kann man auch profitieren, wenn man einen Grafikdesigner für seine Projekte engagiert.

Bearbeitet von Heidi Kroll

Geschichte auf story.one

Audio

Heidi Kroll Grafik und Design

Helga Schmidtschläger - eine Frohnatur

Im Podcast mit Helga Schmidtschläger spürt man von Beginn an ihre Fröhlichkeit. Sie ist ein glücklicher Mensch. Tatsächlich führen ja viele Wege zum Glück, von Vorteil ist allerdings, wenn man weiß, was man will.

Eine gute Basis ist eine gelungene Erziehung und da muss man einfach Glück haben. Helga Schmidtschläger ist sich dieses Glücks bewusst und ihren Eltern auch dankbar. Zu einer guten Erziehung gehören, dass man gute Manieren und Respekt vermittelt und die freie Entfaltung des Kindes entsprechend seinen Talenten zulässt und das Selbstwertgefühl stärkt.

So absolvierte sie die HTL für Chemie und war danach mit Engagement in der pharmazeutischen Industrie tätig, ein Beruf, der ihr viel Freude machte. Dann kamen die Kinder und die Entscheidung für die wunderbare Vollzeitaufgabe Familie war aus vollem Herzen gefallen.

Hat sie das je bereut? Ein Nein könnte nicht überzeugender gesagt werden. Als ihre Kinder nicht mehr so viel Betreuung brauchten, eröffnete sie ein Geschäft, das in der Nähe ihres Wohnsitzes und damit auch in der Nähe der Schule lag, um problemlos Familie und Beruf vereinen zu können.

Was verkauft sie in diesem Geschäft? Genau die Dinge, die ihr selbst sehr gut gefallen. Funktionelles Design für den Alltag, manchmal auch Außergewöhnliches, sogar Köstlichkeiten. Die Buntheit und Vielfalt, die in Helga Schmidtschläger stecken, manifestieren sich in ihrem Geschäft, das zu einem Abbild ihrer Frohnatur wurde. Eine kurze Kernöffnungszeit, ergänzt mit individuellen Kundenterminen, erlaubt ihr genügend Zeit für ihre Familie zu haben.

Wenn Familie, Beziehung und Beruf so gut gelingen, könnte man schon zufrieden sein. Helga Schmidtschläger wollte aber auch die Zusammenarbeit zwischen den Geschäften in ihrer Region fördern und engagiert sich beim Geschäftsleuteverein, dessen Obfrau sie nun schon seit vielen Jahren ist. Da geht es nun um die Organisation von Gemeinschaftsaktionen und Events, um die Werbung für einzelne Betriebe, aber auch um Werbung für den Verein. Sie schreibt Artikel über die Aktivitäten und sorgt im Verein für den nötigen Zusammenhalt der Mitglieder, digital und mit regelmäßigen Stammtischen, wo sich alle persönlich treffen können.

Sie genießt größte Anerkennung, auch in der Wirtschaftskammer, wo man jedes Jahr hofft, dass sie ihre Tätigkeit noch ein Jahr länger ausübt, obwohl sie schon jetzt die Zeit mit ihren Enkelkindern sehr genießt.

Gibt es ein Rezept, wie man ein so glückliches Leben erreichen kann? Leider nicht. Man braucht die Anlagen und eine von Liebe und Wertschätzung geprägte Erziehung, muss sich für den richtigen Partner entscheiden und im Berufsleben einen passenden Weg finden. Immer benötigt man genug Selbstbewusstsein, um an der Richtigkeit der eigenen Entscheidungen nicht zu zweifeln, sondern voller Freude durchs Leben zu gehen.

Wie gesagt: Es führen viele Wege zum Glück. Man muss nur seinen finden.

Bearbeitet von Helga Schmidtschläger

Geschichte auf story.one

Audio

Design im Griff

Markus Beisteiner - Bedeutung der Familie

Schon beim Aufbau der Technik für den Podcast in der Wohnung fällt mir das harmonische Familienleben von Markus auf, gibt es doch ein stilles Einverständnis, wer wo ist, wenn die Aufnahme startet. Eltern und Geschwister sind da und ziehen sich zurück, um dem neuen Junior-Chef ein ungestörtes Interview zu ermöglichen. Ich denke nach, worüber ich mich gerade gewundert habe, schließlich fällt es mir ein: Es gibt keinerlei Spannungen und das ist gar nicht so häufig innerhalb von Familien.

Sehr ruhig und gelöst wirkt auch Markus mit seinen 28 Jahren von Anfang an im Gespräch, wobei sich meine erste Frage gleich auf den Familienbetrieb bezieht. Wie funktioniert das, wenn eine Firma nun schon in der vierten Generation geführt wird?

Die verblüffende Antwort: Es gibt keinen Zwang und es gab weder bei seinem Vater noch bei ihm von Anfang an die Gewissheit, dass es tatsächlich so sein wird. Sein Vater überlegte sich zunächst andere berufliche Verwirklichungen und wurde damals in keiner Weise von seinem Vater unter Druck gesetzt. Genau so war es bei Markus, der die Handelsakademie machte und sich erst nach der Matura doch für den Beruf des Raumausstatters entschied.

Offensichtlich liegt das Geheimnis eines gelungenen Familienlebens darin, dass die Eltern möglichst wenig Druck machen und die freie Entfaltung ihrer Kinder zulassen, wobei sich dann auch eine natürliche und nicht selten enge Beziehung zum Familienbetrieb entwickelt, mit dem sie aufgewachsen sind.

So erzählt Markus, dass es für ihn die größte Freude ist, wenn er am Beginn der Woche den Schlüssel von einem Wohnungsbesitzer übernimmt, der auf Urlaub fährt. In der Zwischenzeit passiert die gewünschte Neugestaltung und wenn der glückliche Kunde vom Urlaub zurückkommt, ist er von seiner neuen Wohnung begeistert. Dafür steht Markus in der Früh gern auf und das gibt seinem Leben den Sinn, der einen selbst glücklich macht.

Offensichtlich wird auch das Gefühl für guten Geschmack vererbt oder vielleicht auch durch die ständige Konfrontation mit Einrichtungsfragen im Familienbetrieb gefördert. So ist es ja nicht einfach, die passende Einrichtung für jeden Kunden zu finden. Wie viel hört man auf seine Wünsche, welchen Anteil nimmt die Beratung ein, wenn die Farbenwünsche doch so gar nicht zusammenpassen? Markus hebt die Bedeutung des Zuhörens hervor, und ich denke mir, dass gerade diese Eigenschaft so oft in jeder Form der Kommunikation zu kurz kommt. Wie gut, dass man gerade als Raumausstatter darauf achten lernt.

Wie in jedem Beruf spielt aber auch die Überzeugungskraft eine Rolle, wenn man gut beraten will. Was für eine komplexe Gratwanderung muss man da gehen! Lässt sich über Geschmack tatsächlich nicht streiten oder gibt es gewisse Gesetze, die man berücksichtigen muss? Soll man Schräges zulassen, wenn Schräges gewünscht wird?

Fragen der Raumausstattung sind Fragen des Lebens. Wohl deshalb heißt auch der Slogan des Familienbetriebs „Wohnen ist Leben“.

Geschichte auf story.one

Audio

Raumausstattung Beisteiner

Anita Stadlmann - Lebensziele

Ihr Lieblingsbuch ist „Der Alchimist“. Sie liest es alle paar Jahre und findet immer wieder neue Gedanken für ihr eigenes Leben. Mir gefällt das sehr gut. VielleserInnen, die jeden Tag ein Buch „verschlingen“ sind mir immer etwas suspekt. Kommt man da wirklich in die Tiefe der Gedanken des Autors? Wird ein Buch zu einem regelrechten Lebensbegleiter, ist das zweifelsohne eher möglich.

Will man einen Menschen näher kennenlernen, ist ein Blick in seinen Bücherschrank oft eine gute Gelegenheit. Die beste Gelegenheit ist natürlich das absolute Lieblingsbuch.

Anita Stadlmann hat sich erst vor fünf Jahren noch einmal beruflich verändert und mit einer Freundin eine Personalmanagement-Firma gegründet. Der Mut, einen neuen Weg zu gehen, der für einen aber passender als der bisherige ist, zeichnet erfolgreiche und glückliche Menschen aus. Nicht immer erreicht man Glück und beruflichen Erfolg. Wer kennt nicht jemand beruflich Erfolgreichen, der aber nicht glücklich ist?

Der Beruf spielt allerdings eine große Rolle in einem glücklichen Leben. Immerhin übt man ihn in der Regel acht Stunden am Tag aus, also einen großen Teil seiner Lebenszeit. Kann man noch von einem glücklichen Leben sprechen, wenn man im Beruf unglücklich ist?

So ist die berufliche Neuorientierung oft ein Schlüssel zum Lebensglück. Da es hier aber nicht selten um existenzielle Fragen und auch um Verantwortung für andere geht, reden wir von keiner Kleinigkeit.

Im Roman „Der Alchimist“ lernt der Protagonist an sich und seine Ziele zu glauben und er schöpft seine Kraft auch aus der Überzeugung, dass das ganze Universum Energie schickt, damit er den richtigen Lebensweg findet. Auch in den Religionen geht es um Energie, die einem hilft. Die Dinge werden oft nur unterschiedlich genannt, es ist aber immer das Gleiche gemeint.

Man muss einen festen Glauben, eine Überzeugung haben, das Richtige zu tun. Wenn man das schafft, wird man auch seine Ziele erreichen.

Anita Stadlmann hat sich vor fünf Jahren ihren beruflichen Traum der Selbstständigkeit erfüllt und arbeitet nun genau in dem Bereich, der sie besonders interessiert. Kein Wunder, dass sie auch erfolgreich ist.

So einfach ist es allerdings nicht. Das lehrt das Buch „Der Alchimist“, wo der Protagonist arge Tiefschläge zu ertragen hat und scheinbar immer wieder neu beginnen muss. Tatsächlich ist das aber nicht so, weil man aus den Niederlagen auch viel lernt und damit gereifter neue Herausforderungen besser meistern kann.

Die größte Herausforderung ist am Ende des Romans der „Schatz“, den man finden muss, damit das eigene Lebensziel erreicht wird. Für jeden Menschen ist dieser Schatz ein anderer. Wenn man ihn nicht sucht, wird man ihn auch nie finden. Soll man mit dem bisher Erreichten zufrieden sein oder doch noch weitersuchen? Wann weiß man, dass man sein Lebensziel erreicht hat?

Hier liegt die große Kunst. Man muss in sich selbst hineinhören lernen und darf die eigenen Bedürfnisse nicht ignorieren.

Geschichte auf story.one

Audio

Wolkenrot Human Resources

Silke Kobald - die freundliche Kämpferin

Mag. Silke Kobald ist in Wien Bezirksvorsteherin eines ÖVP-Bezirks, was in einer von der SPÖ geführten Stadt nach einer Herausforderung klingt.

Bei den WählerInnen kommt sie sehr gut an, so bekam sie bei der letzten Gemeinderatswahl mehr Stimmen in ihrem Bezirk als die im Höhenflug stehende ÖVP bei den Nationalratswahlen. Was macht ihren Erfolg aus? Könnte sie das in einer Schule für PolitikerInnen lehren? Gerade bei besonders erfolgreichen PolitikerInnen spielt wohl deren Charisma eine große Rolle und das kann man leider nicht lernen.

Das besondere Markenzeichen Silke Kobalds ist ihr einnehmendes Lächeln, da könnten wir ansetzen. Mit dieser freundlichen Ausstrahlung gewinnt sie die Herzen der Menschen, die auch gerne mit ihr über Probleme im Bezirk sprechen.

Und hier kommt die zweite große Stärke der Bezirksvorsteherin zum Tragen. Sie hört gut zu, und wenn sie von einem Anliegen überzeugt ist, arbeitet sie auch mit Bürgerinitiativen zusammen, um für eine gute Lösung im Bezirk zu kämpfen. Die Verbindung von freundlichem Auftreten und einem echten Kämpferherz dürften ausgezeichnete Voraussetzungen für politischen Erfolg sein.

Ursprünglich wollte Silke Kobald Diplomatin werden, hat aber auf dieses spannende Berufsziel ihrer Familie zu Liebe verzichtet und gab dafür in der Kommunalpolitik ihr Bestes. Soll man das? Für andere eigene Bedürfnisse zurückstecken?

Solche Entscheidungen trifft man immer wieder im Leben. Man überprüft seine Werte und stellt eine Reihenfolge auf. Familie stand hier bei Silke Kobald wohl an oberster Stelle und berufliche Ziele folgten erst dahinter. Wie man an ihrem und vielen anderen Beispielen sieht, muss das aber kein Grund zur Frustration sein. Man kann auch in einem anderen Bereich sehr erfolgreich werden und die ursprünglichen Träume so kompensieren.

Selbst die nicht gelebte Diplomatie kann auch in der Kommunalpolitik sehr förderlich sein. Gerade in Verhandlungen mit der Stadt, aber auch mit vielen anderen möglichen Gegenspielern kann sie helfen, zu einer guten Lösung zu kommen, bei der beide Seiten nicht das Gesicht verlieren.

Somit sind schon drei wichtige Punkte genannt, die einen erfolgreichen Politiker ausmachen: ein sympathisches Äußeres, Herzensstärke und Diplomatie.

Die wichtigste Eigenschaft ist aber bestimmt, dass man jemandem ansehen muss, dass er seinen Job wirklich gern macht. Ein Politiker ohne sichtbare Leidenschaft für seine Anliegen kann nicht erfolgreich sein.

Die letzte und ganz entscheidende Frage ist allerdings, ob diese vier Eigenschaften spezifisch für einen Politiker zum Erfolg führen. Wenn man länger darüber nachdenkt, kommt man wohl darauf, dass sie in jedem Beruf der Schlüssel zum Erfolg sind, und so gibt es vielleicht gar keine Tugenden, die speziell PolitikerInnen haben sollten, sondern nur welche, die für alle gelten, die im Berufsleben erfolgreich sein wollen. Und es bleibt nur das Charisma speziell für PolitikerInnen…

Geschichte auf story.one

Audio

Silke Kobald 

Martin Jager - ist man Fotograf?

Ist man Fotograf oder wird man Fotograf? Das Anlage-Umwelt-Problem beschäftigt seit Jahrzehnten die Psychologie, so kann man sich naturgemäß auch im beruflichen Umfeld fragen, ob man etwas ist oder wird. Genau darüber sprach ich im Podcast mit Martin Jager, der eine schöne Geschichte aus seiner Kindheit erzählte. Als er seinen ersten Fotoapparat mit etwa zehn bekam, und seine Mutter die Fotos ihres Sohnes sah, war sie überrascht, wie gut die getroffen waren und ermutigte ihn, über eine Karriere als Fotograf nachzudenken.

Oft stülpen Eltern längst gefasste Berufsvorstellungen über ihre Kinder, sie übersehen dabei besondere Talente und wollen einfach, dass es so wird, wie sie sich ein Berufsleben vorstellen. Ohne Zweifel ist man in den Berufen erfolgreicher, wo man auch Talent mitbringt. Andererseits gibt es Berufe, wo man sich nicht täglich beweisen muss, wo man routiniert seine Aufgaben erfüllen kann und sich wenig Sorgen um die weitere berufliche Existenz machen muss. Viele Eltern wünschen sich eher solche Berufe für ihre Kinder.

Fotograf ist nicht so ein Beruf. Da muss man sich ständig beweisen, selbst gegenüber Amateuren, die mit ihrem Smartphone bereits gute Ergebnisse erzielen können. So komme ich wieder zur schönen Mutter-Sohn-Geschichte. Wie viel Vertrauen muss eine Mutter in ihren Sohn haben, wenn sie ein Talent entdeckt und ihm rät, daraus etwas beruflich zu machen, wenn es um einen Job geht, wo man sich nur durchsetzen kann, wenn man wirklich gut ist?

Wenn jemand etwas erreichen will, dann benötigt er nicht nur Talent, sondern auch Selbstvertrauen und das bekommt man vor allem durch das Vertrauen der Eltern. So werden Kinder durch viel Vertrauen gestärkt und durch wenig Vertrauen geschwächt. Wissen das die Eltern?

Martin Jager ist jedenfalls ein Mensch voller Selbstvertrauen und wenn man sich seine Fotos anschaut, weiß man, warum. Er gewinnt nicht nur das Vertrauen seiner KundInnen, sondern auch zahlreiche Preise für seine Werke.

Wer glaubt, dass Selbstvertrauen und Talent reichen, um es im Leben weit zu bringen, der täuscht sich. Martin Jager erzählt nicht nur über die gute Schule, die er besucht hat, und die KollegInnen, die ihn inspiriert haben, sondern auch über das Handwerk, das er rund ums Fotografieren erlernen musste.

Wenn man Menschen und keine Sachen fotografiert, kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Es geht um Empathie und Vertrauen. Wenn man keine gute Beziehung zu den Menschen aufbaut, die man fotografiert, wird das Foto meist nicht gelingen. Dafür hat man in der Regel wenig Zeit, aber auch darin liegt eben die Kunst des Fotografen.

Wie man sieht, ist die Berufswahl komplex und wenn man einen künstlerischen Beruf wählt, wird es besonders komplex. Man kann alle Anforderungen schaffen und durchaus erfolgreich werden, wenn man das Glück hat, dass einem die Eltern nicht nur vertraut haben, sondern einem auch allerhand zugetraut haben. Und zwar genau dort, wo die Talente tatsächlich liegen.

Geschichte auf story.one

Audio

Martin Jager

Dr. Wolfgang Novak - der Kinderdoktor

Dr. Wolfgang Novak ist Kinderarzt und hat sich bewusst Kinderdoktor genannt. Sein Ziel war es, den Kindern den Schrecken vor der Medizin zu nehmen und auf Augenhöhe mit ihnen zu kommunizieren.

So setzte er sich mit ihnen auf den Boden, trug in seiner Praxis im Sommer eine kurze Hose und lief bloßfüßig herum. Die Kinder mochten ihn, und sie lernten ihm zu vertrauen, selbst bei den ungeliebten Impfungen.

Dafür muss man natürlich locker sein und das war Wolfgang Novak schon als junger Mensch, als ich ihn vor über 40 Jahren kennenlernte. Man ändert sich im Lauf der Jahrzehnte oft verblüffend wenig, wenn die Persönlichkeit passt.

Ich erinnere mich noch an eine fröhliche Party, auf der ich 1980 bei ihm eingeladen war. Wir waren damals noch Studenten, manche standen schon am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn. 1998 schrieb ich einen Artikel in meiner Zeitung über ihn, da er als Oberarzt eines renommierten Wiener Krankenhauses seine eigene Praxis eröffnete, und 2021 machten wir anlässlich seiner Pensionierung und der Schließung seiner Praxis einen Podcast. Im Rückblick ist die Zeit schnell vergangen, tatsächlich waren es viele arbeitsreiche Jahre, in denen Unglaubliches von ihm geleistet wurde.

Wolfgang Novak war in der Intensivmedizin tätig und spezialisierte sich in seiner Praxis auch auf die Betreuung von behinderten Kindern. So muss er viel Leid miterlebt haben.

Trotzdem hat er sich überhaupt nicht verändert. Er ist immer noch der liebevolle Familien- und Beziehungsmensch, der sportliche Draufgänger und die Frohnatur. Er steht in einem inneren Gleichgewicht, das nicht leicht aus der Ruhe gebracht werden kann.

Eine Begegnung mit ihm ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Meine Mutter war vor wenigen Tagen gestorben, und ich brachte ihren Rollstuhl zum Bandagisten zurück. Wolfgang war auch gerade dort, weil er für seine pflegebedürftige Mutter einkaufte. Wir mussten nicht viel reden, weil wir uns in der engen Verbindung zu unseren Müttern über alles klar waren. Mit seiner besonderen Ausstrahlung gab er mir aber in diesem Moment Energie, die ich dringend benötigte. Und so gelang es ihm in seinem Leben bestimmt oft, dass er Menschen in schwierigen Lebenssituationen helfen konnte.

Nach der Pension ist es natürlich noch nicht vorbei. Wolfgang Novak beschloss, bei einem anderen Kinderarzt zwei Nachmittage zu ordinieren, um seine PatientInnen weiter betreuen zu können.

Das nenne ich einen gelungenen Wechsel in die Pension. Für viele Menschen ist der harte Schnitt kein Problem, manche schätzen aber den gleitenden Übergang, in dem man sich langsam auf die neue Situation einstellen kann und die alte noch nicht ganz aufgeben muss.

2020 wurden wir beide beinahe gleichzeitig Großväter. Wir wissen, was das bedeutet, wenn aus den fröhlichen Studenten fröhliche Großväter werden, aber wir sehen das Alter nicht als Bürde, sondern als Geschenk, wo man jeden Augenblick genießt. Wer will schon ein Leben lang Student bleiben…

Geschichte auf story.one

Audio

Dr. Wolfgang Novak

Wollen Sie über neue Geschichten informiert werden?